Frankreichs Superheld

Franky Zapata wollte über den Ärmelkanal fliegen und scheiterte. Sein innovatives Fluggerät ist trotzdem ein Erfolg.

Kurz danach stürzte er ins Meer: Der Start mit seinem Flyboard Air verlief für Franky Zapata noch gut. (25. Juli 2019) Video: AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Franky Zapata sah sich schon ganz oben, in der Sphäre der Legenden. 1909 überquerte Louis Blériot als erster Mensch den Ärmelkanal mit einem Flugzeug, eine gefeierte Pioniertat. Genau 110 Jahre später wollte es Zapata seinem Vorbild gleichtun, 35 Kilometer von Calais nach Dover, auf seinem Flyboard Air, einer Art Skateboard, mit dem er aufrecht durch die Luft gleitet, ganz ohne Flügel.

Doch Zapata wollte zu hoch hinaus. Sein Versuch von gestern Morgen scheiterte. Um die Distanz zu bewältigen, musste er einmal nachtanken, das heisst, den mit Kerosin gefüllten Rucksack austauschen. Dazu plante er, kurz auf einem Schiff zu landen. Wegen einer Welle verfehlte er die dafür vorgesehene Plattform und fiel ins Meer. Er blieb unverletzt. Aber zum zweiten Blériot ist Zapata nicht geworden. Von einer grossen Enttäuschung sprach einer seiner Mitarbeiter. Zapata habe das Manöver oft geübt, auch bei stärkerem Wellengang. Im Vorfeld hatte er die Chance eines Gelingens auf 30 Prozent geschätzt.

Bekannt geworden ist der 40-Jährige vor zwei Wochen, als er während der Militärparade am Nationalfeiertag über die Champs-Elysées flog. Die Zuschauer staunten über den Mann, der mit mehr als 100 km/h durch den Pariser Himmel sauste, ein Gewehr in der Hand, fast wie ein Superheld. Präsident Macron applaudierte, stolz auf die rein französische Erfindung.


Video: Ein fliegender Mann verblüfft Frankreich

Franky Zapata fliegt auf der Avenue des Champs-Élysées mit seinem «Flyboard Air» – mit dem Eiffelturm im Hintergrund. (Foto: Charles Platiau/Reuters)


Dabei ist Zapata nicht einmal Ingenieur. Eher ein Extremsportler mit Tüftlertalent und Abenteuerdrang. In Marseille aufgewachsen, begann er als 16-Jähriger, Jetski zu fahren. Das tat er sehr erfolgreich. Zweimal wurde er Weltmeister. 2010 hatte er genug. In einer Werkstatt in der Nähe von Marseille entwickelte er das Flyboard, eine fliegende Plattform, angetrieben von einem Jetski-Motor, der Wasser durch einen Schlauch pumpt. Das Ding kam gut an, Zapata pröbelte weiter, bis er vor drei Jahren das Flyboard Air ge­fertigt hatte, ein Gefährt, das ohne Wasserdruck auskommt und dank fünf Düsen abhebt. Die Tests führte er selber durch. Der erste sei missglückt, erzählt Zapata in einem Interview. Er habe zwei Finger ver­loren, als er mit der Maschine in die Wand der Werkstatt krachte. Aufhören habe er nicht können, trotz der Einwände seiner Frau. Fliegen wollte er. Nichts anderes.

Auch die Behörden hielten ihn am Boden. Fünf Monate lang verboten sie seine Flugversuche, zu gefährlich. Zapata überlegte, auszuwandern, obwohl er das nicht wollte. Mehrere Länder hätten sich um die Erfindung bemüht, unter anderem die USA. Nach Gesprächen konnte er sich mit dem Verteidigungsministerium einigen. Er bekam eine Flugbewilligung, dazu 1,3 Millionen Euro, um das Flyboard zu verbessern. Man könne das Gerät eventuell für den Transport brauchen, heisst es beim französischen Militär. Oder für Angriffe bei Einsätzen in Städten. Zapata scheint die kriegerische Anwendung nicht zu stören.

Heute schafft es Zapata auf 150 Meter Höhe und auf ein Tempo von 140 km/h. Das Kerosin reicht aber höchstens für zehn Minuten. In Zukunft soll das Flyboard schneller fliegen, vor allem soll es länger durchhalten. So lange wohl, dass Zapata ohne Nachtanken über den Ärmelkanal gelangt. Wie Blériot im Jahr 1909.

Erstellt: 25.07.2019, 19:43 Uhr

Artikel zum Thema

«Fliegender Mann» stürzt in den Ärmelkanal

Der Extremsportler Franky Zapata ist mit seinem Rekordversuch zur Überquerung des Ärmelkanals gescheitert. Mehr...

«Marty McFly» stiehlt Macron bei Militärparade die Show

Das fliegende Skateboard des Kultfilms ist Wirklichkeit geworden: Mit seinem «Flyboard Air» war Franky Zapata der heimliche Star am französischen Nationalfeiertag. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Eine fast aussterbende Tradition: Tänzer führen den Thengul-Tanz während der 74. Indonesischen Unabhängigkeitsfeier im Präsidentenpalast in Jakarta, Indonesien vor. (17. August 2019)
(Bild: Antara Foto/Wahyu Putro) Mehr...