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«Emre... warum so ein Hass auf Deutsche»

Die Fernsehfrau Dunja Hayali reagiert kaltschnäuzig auf einen Pöbler.

ZDF-Starmoderatorin Dunja Hayali wurde Opfer eines Internet-Trolls auf Facebook. Bild: ZDF/Marcus Höhn
ZDF-Starmoderatorin Dunja Hayali wurde Opfer eines Internet-Trolls auf Facebook. Bild: ZDF/Marcus Höhn

Man hätte glauben können, es handle sich um einen hochpolitischen Vorgang erster Güte. Die Internetseiten seriöser deutscher Medien machten Saltos vorwärts und rückwärts beim Aufdatieren der laufenden Ereignisse. Dabei ging es?– um einen Facebook-Eintrag.

Dunja Hayali, Starmoderatorin beim Zweiten Deutschen Fernsehen, war von einem Facebook-Pöbler – in der Netzsprache: einem Troll – unflätig angegangen worden. Das Wort Nutte kam vor. Grammatik und Orthografie waren mangelhaft.

Sie zahlte es ihm in selber Münze heim: «Emre . . . du endgeiler Ficker warum so ein hass auf deutsche??» Ausserdem: «Und ich wollt mal fragen ist Das eigentlich demokratie wenn du einfach leute anscheisst im netz und ihre timeline vollkotzt?» Und so weiter. Das wenigste davon wäre im öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm des ZDF sendefähig.

Hayalis Eintrag wurde gelöscht

Die Reaktionen teilten sich in zwei Lager. Für das eine war die Reaktion «genervt», «vulgär», «fies», «pöbelhaft». Für das andere: «originell» und «schlagfertig». Facebook, ein Unternehmen ohne Sinn für Schlagfertigkeit und Ironie, schlug sich zunächst auf die Seite der Kopfschüttler. Hayalis Eintrag wurde gelöscht. Bis Facebook ihn wieder freischaltete und sich entschuldigte: «Unsere Reporting-Systeme sind dafür entwickelt, Menschen vor Missbrauch, Hassrede und Mobbing zu schützen, und wir bedauern, dass gelegentlich Fehler gemacht werden, wenn solche Reports bearbeitet werden.»

Bei einem Kommunikationsprofi wie Hayali muss der Algorithmus ja versagen. Sie wurde 1974 in Deutschland als Tochter irakischer Christen geboren. Sie hat an der Sporthochschule Köln mit Schwerpunkt Medien und Kommunikation studiert. Nach einigen Jahren als Sportkommentatorin am Radio wechselte sie in die Nachrichtenmoderation. Dann vertrat sie den Talkstar Maybrit Illner in deren Sendung. Dieses Jahr erhielt sie ihre eigene Talkshow: «Dunja Hayali». Darin versprüht sie geballte Kompetenz, gibt sich nach Bedarf mitfühlend, hellhörig, hartnäckig.

280'000 Franken Strafgeld bei Zuwiderhandlung

Mit Trolls hat sie so ihre Erfahrungen gemacht. Als sie im Februar 2016 die Goldene Kamera erhielt, sagte sie in ihrer Dankesansprache: «Wenn Sie sich rassistisch äussern, dann sind Sie verdammt noch mal ein Rassist.» Stehende Ovationen im Festsaal. Kurz darauf untersagte ein Gericht auf ihren Antrag hin einem Facebook-Nutzer, Hasskommentare auf ihrer Facebook-Seite zu platzieren. Strafgeld bei Zuwiderhandlung: umgerechnet 280'000 Franken.

Für Emre (seinen wahren Namen kennt man nicht) ging die Geschichte glimpflich aus. Hayali berichtete gestern – natürlich auf Facebook –, er habe sie angerufen und sich entschuldigt. Für sie sei die Sache damit erledigt. Friede, Freude, Facebook? Nein. Der Hass im Netz wird Dunja Hayali erhalten bleiben.

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