Greta rettet auch sich selber

Weder globale Berühmtheit noch Morddrohungen haben etwas geändert: Greta Thunberg streikt weiter fürs Klima. So hat die 16-Jährige auch eine persönliche Krise überwunden.

Jeden Freitag das Gleiche: Greta Thunberg sitzt Ende April auf dem Mynt­tor­get, einem Platz im Zentrum von Stockholm. Foto: Kai Strittmatter

Jeden Freitag das Gleiche: Greta Thunberg sitzt Ende April auf dem Mynt­tor­get, einem Platz im Zentrum von Stockholm. Foto: Kai Strittmatter

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Dieser Artikel gehört zu den meistgelesenen Texten der letzten Wochen. Er erschien erstmals am 4. Mai 2019.

Wenn man Greta Thunberg fragt, wie sie das gemacht hat, zuckt sie mit den Schultern und sagt: «Ich hab mich einfach nur da hin­ge­setzt. Und dann haben Leute hingeschaut.» Sich einfach hingesetzt, da drüben vor die Be­tonbrüstung, auf den Mynttorget im Herzen Stockholms, vor sich den Königspalast, im Rücken das Parlament.

Das erste Mal kam Gre­ta Thunberg am 20. August vergangenen Jahres hierher, ganz allein. Eine 15-Jährige, die kaum ass und der es unmöglich war, mit Fremden zu spre­chen. Sie hatte ihren Vater Svante Thunberg überredet, mit ihr zum Baumarkt zu fahren, um eine Sperrholzplatte zu besorgen. «Skolstrejk för Klimatet» pinselte sie darauf, Schulstreik fürs Klima. Der Vater sagt: «Wir waren überzeugt, am Mittag ist sie wieder zu Hau­se.»

Vater Svante bringt jeweils am Mittag Verpflegung vorbei. Er möchte, dass die Tochter aufhört mit Streiken. Das sei zu gefährlich geworden. Foto: Juliette Robert (Laif)

Acht Monate später, sitzt Greta Thun­berg noch immer je­den Freitag hier. Wenn sie nicht gerade in Davos auftritt, in Berlin, in Rom oder in Lon­don. Im Rückblick sieht es so aus, als ha­be die Welt nur darauf gewartet, dass sich zum En­de des beängstigend heissen Sommers 2018 ein ernst dreinblickender Teenager auf einen Platz in Stockholm setzte und mit leisem Zorn sagte: «Ihr stehlt uns unsere Zukunft.» Was seitdem passierte, ist kaum zu fassen. Ihr Vater nennt es, nach kurzer Pause, «eine Saga». Das sind die Ge­schichten, welche die Alten im Norden einst nieder­schrieben, um sie weiterzureichen an ihre Enkel und deren En­kel.

Allein die vergangenen Wochen. Andere Schüler fuhren in die Osterferien. Greta Thunberg sprach vor dem italienischen Senat, vor dem EU-Parlament und dem britischen Unterhaus, sie traf in Rom den Papst und zeltete in London mit den Extinction Rebels, sie wurde auf Twitter von Barack Oba­ma und vom Da­lai Lama gepriesen, und das britische Mode- und Kunstmagazin «i-D» hob sie auf den Titel als «das Mäd­chen, das die Welt veränderte».

Lange war sie unsichtbar

Was da nicht steht: Die vergangenen Monate haben auch das Mäd­chen ver­ändert. Jahrelang hatten die Eltern Angst um ihre Tochter, grosse Angst. «Wenn du Greta vor einem Jahr kennen ­gelernt hättest, du würdest sie nicht wiedererkennen», sagt Svante Thun­berg. «Die Greta von damals könn­te nicht auf die­sem Platz hier stehen. Sie hätte Panikattacken.» Bei Gre­ta Thunberg war das Asperger-Syndrom diag­nostiziert worden, eine Variante des Autismus, später in leichterer Form auch bei ihrer jüngeren Schwester Beata. Viele Jahre litt sie an Depressionen und Essstörun­gen. «Beata und ich, wir waren die stillen, unsichtbaren Mädchen», sagt Greta Thunberg.

Es ist der letzte Freitag vor den Os­terferien. Sonnig und kalt. Ein Dutzend Leute warten schon auf dem Platz, als sie um neun Uhr über die Stallbron-Brücke kommt, eine kleine Gestalt, leicht erkenn­bar in ihrer ro­sa Skihose, dem lila Man­tel und den zwei Zöpfen unter der Strickmütze. Ein paar verstoh­le­ne Blicke, ein schüch­ter­nes Hallo von den anderen Demonstranten. Greta Thunberg stellt wortlos ihr Schild ab, zieht ein Buch aus ihrer Tasche und setzt sich auf den Bo­den. Es ist ein Schulbuch, Sozialkunde. Für die nächs­ten Stunden wird sie lernen. Schulstreik hin oder her, es sind Prüfun­gen in diesen Wochen.

Ab und zu stellt Helena, eine Freun­din der Familie, Greta einen Reporter vor, dann tritt sie ein paar Schritte zur Seite, gibt ein Interview. Blickkontakt und Geplauder mit Fremden fallen ihr noch immer schwer, aber in Vorträgen und Interviews spricht sie präzise. «Ich bin dann nicht nervös», sagt sie. «Da habe ich eine Botschaft.»

Noch vor einem Jahr hätte sich Greta niemals allein auf einen Platz getraut. Panik hätte sie befallen.

Die nächsten Stunden sind ein Kom­men und Gehen auf dem Platz, aber mehr als 150 Leute sammeln sich nie an. Dafür, dass von hier aus eine weltweite Bewegung ausging, die Hunderttausende auf die Beine brachte und Millionen zum Nachdenken, in Pa­ris wie in Berlin, auf Vanuatu wie in Hongkong, geht es auf dem Mynttorget überschaubar und gemütlich zu.

Etwas ist vielleicht nur unter den höflichen Schwe­den vorstellbar: dass da ein Mädchen sitzt, das ein paar Tage später in London als «Rockstar» («Guardian») gefeiert wird, von dem hier aber sieben Stunden lang alle so tun, als hät­ten sie seine Anwesenheit nicht bemerkt. Greta Thunberg nimmt den Vormittag über kaum den Blick von ihrem Schulbuch, die anderen halten Ab­stand. Wenn jemand ihr zu nahe kommt, wie jene ältere Frau mit dem Terrier, die ihr kräftig die Wan­gen tätschelt, was Gre­ta schreckensstarr über sich ergehen lässt, eilen sofort vier, fünf der älteren Mitstreiter herbei und stellen sich im Halb­kreis schützend vor sie. Sonst aber scheinen die Schwe­den hier eine geheime Abmachung zu haben: Man hat sich, Greta zuliebe, nicht für Greta zu interessieren.

Stolz aber sind sie schon. «Wir hat­ten Abba, jetzt haben wir Greta», flüs­tert aufgeregt Hans Lindquist, 77 Jahre alt, hier als «Grossvater für die Zukunft». Das streikende Publikum ist ge­mischt. Die orangehaarige Umweltbewegte, der langhaarige Student, der Regierungsangestellte mit dem Blumen-Fahrrad. Lauter Erwachsene. Mittags stürmt eine Klas­se von Stockholmer Grundschülern johlend den Mynttorget. Greta blickt kurz auf von ihrem Buch, winkt den Kindern zu, ein Gruss, den die Schüler eben­so scheu erwidern.

Sie ass nicht, redete nicht

Als Greta in die fünfte Klasse kam, ging es ihr immer schlech­ter. «Unsere Tochter verschwindet in einer Art Dunkelheit», notiert damals ihre Mut­ter. «Sie hört auf zu la­chen. Sie hört auf zu reden. Und sie hört auf zu essen.» Kinder mit Asperger-Syndrom haben es nie leicht. Sie fallen auf. Greta wurde in der Schule schon früh ausgelacht, ausgegrenzt, geschlagen. Wenn ihre Mut­ter sie tröstete, auch sie werde Freunde fin­den, antwortete sie: «Ich will keine Freunde. Freunde sind Kinder, und Kinder sind gemein.» Als sie elf war und Filme über Umweltzerstörung gesehen hatte, kam etwas Neues dazu: die Angst um den Planeten. «Meine Depression hatte viele Gründe, aber die Sorge um das Klima hatte viel damit zu tun», sagt Greta Thunberg. «Ich hatte das Gefühl, nichts macht mehr Sinn, wo wir doch ohnehin alle sterben werden.» Sie verlor zehn Kilogramm. Die Eltern notierten akribisch ihre Mahlzeiten: «Frühstück: Ein Drittel Banane. Zeit: 53 Minuten».

Man kann dies nachlesen in einem Buch, das ihre Eltern vor einem Jahr geschrieben haben und das diese Woche auf Deutsch erschienen ist: «Szenen aus dem Herzen». Verschwörungstheoretiker werden das Buch als Beleg dafür lesen, dass Greta eine Marionette ihrer Eltern und anderer Kräfte ist, die mit ihr ein Vermö­gen scheffeln.

Aber ers­tens spendet die Familie die Tantiemen. Und zweitens merkt man dem Buch auch in seiner erweiterten deutschen Fassung an, dass es lange vor Gretas Ruhm geschrieben wurde. Das Buch ist kein Greta-Buch, es verdankt seine Entstehung der Popularität ihrer Mutter: Malena Ernman ist Opernsänge­rin; als sie 2009 den schwedischen Vorentscheid des Eurovision Song Contest gewann, wurde sie berühmt. Vater Svante Thun­berg war Schauspieler, bis er seiner Frau zuliebe seine Karriere aufgab, seit­dem kümmert er sich um die Kinder und arbeitet als Autor und Manager für seine Frau. In dem Buch be­schreiben sie das Leben mit den Diagno­sen ihrer Töchter und den Beinahezusammenbruch ihrer Familie. «Wir mussten darüber schrei­ben. Gemeinsam», heisst es da. «Es ging uns beschis­sen. Sogar dem Hund.»

Wie ein anderer Mensch

Irgendwann trafen die Eltern eine Entscheidung: Sie hörten ihrer Tochter zu. Auf dem Platz vor dem Parlament erzählt Vater Svante von seinem geliebten alten Sportwagen. Von den zwei Vielflieger-Goldkarten, die er besass. «Als ich so alt war wie Greta, wollte ich nur die Welt sehen, mich interessierten Thea­ter, Mu­sik, Klamotten», sagt er. Alte Fotos zeigen ihn und seine Frau als Glamourpaar, hier und heute fällt er kaum auf in Trekkingstiefeln und Parka. Greta möchte eigentlich nicht, dass er hier ist, er schaut freitags nur vorbei, um ihr das Mittagessen zu bringen. «Greta hatte alles gelesen», sagt Svante Thunberg. «Irgendwann gingen uns die Argumente aus.»

Die Mutter tat den ersten Schritt, vor drei Jahren schon: Sie, die in Tokio, in Madrid und Wien aufgetreten war, gab das Fliegen auf. Und der Vater begann, wie Greta, vegan zu essen, ein Jahr ist das her. «Greta war so glücklich. Weil wir zuhörten. Und reagierten.» Ja, sagt Greta, die­se Erfahrung habe ihr aus Ohnmacht und Depression geholfen: «Ich sah, dass ich Leute dazu bringen konnte, sich zu ändern.» Auf dem Platz vor dem Parlament wiederholte sich die Erfahrung.

Schon am zweiten Tag sass sie dort nicht mehr allein. «Es ist unfassbar, wie viel Energie sie daraus zieht», sagt ihr Vater. «Vier, fünf Jahre lang brachte sie nicht einmal die Kraft für einen langen Spaziergang auf, hatte ständig Kopfweh. Ein Jahr lang ging sie nicht zur Schule. Plötzlich wurde sie eine an­de­re.» Innerhalb von Wo­chen, sagt Svante Thunberg, habe seine Tochter begonnen, Dinge zu tun, die ihr zuvor unmöglich gewesen seien: mit Leuten sprechen. In der Öffentlichkeit essen. «Am dritten Tag brachte ihr einer ein Reisgericht vom Thailänder mit auf den Platz. Sie ass es. Für uns war das unglaublich.»

Messerscharf in der Aussage

Greta Thunberg hat sie nicht geschaffen, all die Fridays-for-Future-Gruppen. Sie war ein Auslöser. Eine globale Bewegung hat in ihr das Ge­sicht gefunden. Jetzt, da die Temperaturen steigen, wird es von Tag zu Tag schwerer wegzu­schauen. Und dann erklingt da die­se Stimme, leise und hell, in der Aussage messerscharf. Eine Stimme, die verzichtet auf den üblichen Puffer aus Höflichkeit und Rücksichtnahme.

Im November wurde Greta Thunberg zu einem TED-Talk geladen. «Ich verstehe es nicht», sagt sie da: «Wenn die Emissionen gestoppt werden müssen, dann stoppt man die Emissionen.» Im Dezember spricht sie vor der UNO-Klimakonferenz in Kattowitz: «Ihr seid nicht reif genug, die Fakten auszusprechen. Selbst diese Bürde überlasst ihr den Kindern.» Im Januar ruft sie in Davos der globalen Elite zu: «Ich will, dass ihr in Panik geratet.» Diesen Mai attestierte sie den britischen Parlamentariern in Westminster, ihre Klimapolitik sei «jenseits des Absurden».

Das Er­staunliche dabei: Auch viele der Kritisierten bejubeln das. «Oh, meine Greta», schrieb eine Followerin auf Gretas Facebook-Seite. «Danke, dass du uns ins Ge­sicht spuckst.»


«In meinem Leben hat sich vieles verändert»

Greta Thunberg beantwortete in Davos Fragen von Journalisten. Video: SDA


Überhaupt, die Reaktionen, die sie auslöst. Die Heiligenverehrung am einen Rand, die oft so komische Züge trägt, wie die Wut und die Abwehr am anderen. Entlarvend, die Piefigkeit konservativer Politiker, die sich übers Schulschwänzen mehr erregen, als sie es über die Klimakatastrophe tun. Verrückt, der Hass, der sich über sie ergiesst.

Greta, behaupten viele in rechten Kreisen, sei eine ferngesteuerte Puppe. Er finde es übel, wie dieses «arme Mädchen aus Schweden» von den linken Klima-Ideologen instrumentalisiert werde, sagte SVP-Nationalrat Roger Köppel in einem Interview. «Hinter der 16-Jährigen lauert eine Industrie wie bei einem Popstar», schrieb der deutsche Autor Henryk M. Broder.

Man versteht Greta Thunberg, wenn sie sagt, bisweilen müsse sie lachen über diese Vorwürfe. «Es ist traurig. Die Menschen können sich nicht mehr vorstellen, dass irgendjemand noch aus freien Stücken für eine gute Sa­che eintritt.» Dass moralisch vorbildlich handelnde Menschen anderen Leuten schwer auf die Nerven gehen, ist ein von Forschern viel dokumentiertes Phänomen: Sie führen den anderen die eigenen Mäkel und Versäumnisse vor. Mit Greta Thunberg, die nach Davos 65 Stunden mit dem Zug fährt, im Schnee zeltet, sich vegan ernährt und keine neuen Kleider kauft, werden nur die wenigsten mithalten können. Aber das verlangt nicht einmal sie selbst. Wichtiger als unser individuelles Verhalten, sagt sie, sei eine Kursänderung der Politik: «Dass die Politiker nicht nur schön reden, sondern endlich handeln.»

Greta Thunberg und all die anderen Schüler fordern nichts anderes als die Einhaltung eines Versprechens, das die Politiker der Welt längst gegeben haben. Sie verlan­gen, dass am Ende die Klimaerwärmung 1,5 Grad nicht übersteigt, pochen auf das Pariser Klimaabkommen, das 196 Staaten unterschrieben haben, um dessen Umsetzung sich aber fast alle drücken. «Alles, was ich sage, ist: Hört endlich den Wissenschaftlern zu!», sagt Greta Thunberg.

Austausch mit Forschern

Greta Thunberg redet viel von der Wissenschaft. Sie besucht, wo immer sie kann, Klimaforscher. Stefan Rahmstorf war einer der ersten, denen sie auf Twitter folgte, Ende März hat sie ihn getroffen. Er arbeitet am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung und gehört zu den weltweit bekanntes­ten Klima­forschern. Er sagt, der Hass wundere ihn kein bisschen: «Ich erlebe solch heftige Abwehrreaktionen seit 20 Jahren. Ich glaube, das hat damit zu tun, dass man der Überbrin­ger einer schlechten Nachricht ist. Auf der Sachebene können diese Menschen nicht gegen die Wissenschaft gewinnen. Also greifen sie zu persönlichen Angriffen und Ver­schwörungstheorien.»

Rahmstorf hat die Entwicklung der letzten Monate mit Staunen verfolgt. Er gehörte von Anfang an zu den «Scientists for Future». Das sind jene Profis, die öffentlich erklärten: Die Schüler haben recht! Innerhalb von zwei Wochen kamen 25000 Unterschriften zusammen, darunter befinden sich viele Professorinnen aus der Schweiz. «Auch in der Wissenschaft hat sich das Gefühl aufgestaut: Jetzt ist es allerhöchste Zeit, zu handeln», sagt Rahmstorf.

Sie fühlt sich beschützt

Wenn hier eine jemanden steuere, sagt Greta Thunberg, dann doch wohl sie ihre Eltern. Im Gespräch auf dem Mynttorget erzählt sie, dass es am Vorabend eine Auseinandersetzung mit dem Vater gegeben habe. Morddrohun­gen erreichten sie schon länger, sagt der Vater. «Und gestern war da dieses Bild mit einer Pistole, und darauf stand: ‹Für Greta›.» Der Vater sorgt sich. Manchmal stürmen Leute auf den Platz, wollen sie provozieren. «Mein Vater findet, ich solle nicht weiter hierherkommen, es sei zu riskant», sagt Greta Thunberg. «Aber mir ist das egal. Ich habe Menschen hier, die mich schützen.»

«Ich habe gestern ein Machtwort gesprochen», sagt der Vater. «Und ich habe ge­sagt: Nein. Nein. Nein», sagt die Tochter. Also ist sie heute wieder hier. «Sie kann solche Dinge gut wegschie­ben», sagt der Vater. «Sie schläft je­den Abend in Minutenschnelle ein.»

Nicht mehr allein: Greta und andere schwedische Jugendliche. Foto: Kai Strittmatter

Die Nachmittagssonne wärmt jetzt den Platz, Greta sitzt nicht mehr allein. Sie redet, lacht mit einem Mädchen, das einen Rettungsring um den Hals trägt. Der Vater sieht seiner Tochter zu. «Wir sind einfach so glücklich, dass es ihr gut geht», sagt er. «Vor einem Jahr wusste ich nicht: Wird Greta je in der Lage sein, eine Ausbildung zu machen? Für ihr eigenes Leben zu sorgen?» Das war, bevor seine Tochter für den Nobelpreis nominiert und vom Magazin «Time» in die Reihe der «100 einflussreichsten Per­sön­lichkeiten 2019» aufgenommen wurde.

«Ich fühle mich voller Energie», sagt Greta Thunberg. «Ich habe Einfluss. Ich habe eine Mission.» Eines aber hat sie nicht: falsche Hoffnungen. «Die öffentliche Debatte hat sich gedreht», sagt sie. «Aber gleichzeitig steigen die CO2-Emissionen noch immer.»

Auf dem Platz vor dem Parlament hat sich das Häuflein der Protestierenden mittlerweile sortiert. Es stehen hier: die «Architekten fürs Klima», die «Sozialarbeiter für die Zukunft», die «Lehrer für die Zukunft», die «Schriftsteller für die Zukunft», die «Softwareentwickler für die Zukunft», die «Künstler für die Zukunft», die «Prediger für die Zukunft». Fast alle stehen sie ganz allein. Wie Greta im letzten August.

Erstellt: 30.05.2019, 21:03 Uhr

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So viele Resultate zeigt die Internet-Suchmaschine Google an, wenn man den Namen Greta Thunberg eingibt. Zum Vergleich: Der Schweizer Bundespräsident Ueli Maurer (SVP) bringt es auf weniger als ein Zehntel davon.

50'000
Menschen demonstrierten am 6. April in der ganzen Schweiz für einen besseren Klimaschutz. Greta Thunberg hat dieser Bewegung stark geholfen.

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