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Ihr Bild ging um die Welt – nun ist die Staubfrau tot

9/11 war auch ihre Tragödie: Marcy Borders überlebte zwar den Anschlag, dann aber nahm ihr Leben eine traurige Wende.

Ein Foto, das sich ins kollektive Gedächtnis einbrannte: Marcy Borders in den Trümmern des World Trade Center.
Ein Foto, das sich ins kollektive Gedächtnis einbrannte: Marcy Borders in den Trümmern des World Trade Center.
Stan Honda, AFP

Das von Asche bedeckte Gesicht der Amerikanerin war eines der eindrücklichsten Bilder nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 und machte Marcy Borders als «Staubfrau» schlagartig berühmt. Nun ist sie im Alter von 42 Jahren an ihrer Krebserkrankung gestorben. Ihr Bruder und ihr Cousin veröffentlichten entsprechende Facebook-Einträge.

I can't believe my sister is gonePosted by Michael Borders on Montag, 24. August 2015

Letzterer schrieb, seine Cousine sei einer Krankheit erlegen, die ihren Körper seit 9/11 beherrscht habe. Er griff damit eine Vermutung auf, die Marcy Borders zu Lebzeiten selbst immer wieder geäussert hatte.

Erkrankung wegen Staub

Im Sommer 2014 erhielt Borders die Krebsdiagnose. Für sie sei klar gewesen, dass die Erkrankung eine Folge der Ereignisse vom 11. September 2001 sein musste, berichtete der «Spiegel», der die Geschichte der «Staubfrau» noch einmal aufgearbeitet hat. Demnach sagte Marcy Borders der Zeitung «The Jersey Journal» im vergangenen November: «Hat diese Sache Krebszellen in mir verursacht? Ich bin davon überzeugt, denn vorher war ich nie krank.» Sie habe keinen hohen Blutdruck, keine hohen Cholesterinwerte und leide nicht an Diabetes. «Wie passiert das: An einem Tag bist du gesund, und am nächsten wachst du mit Krebs auf?», fragte die Überlebende des Terroranschlags.

Ihr Schreibtisch stand im 81. Stockwerk im Nordturm des World Trade Centers, als das Attentat geschah. Wie Borders in verschiedenen Interviews erzählte, brauchte sie fast eine Stunde, bis sie sich ihren Weg durchs Treppenhaus, vorbei an verletzten und toten Menschen, ins Freie gebahnt hatte. Nur wenige Minuten später stürzte das Hochhaus in sich zusammen und überdeckte alles mit Staub und Asche. «Jedes Mal, wenn ich einatmete, füllte sich mein Mund damit. Ich dachte, ich ersticke. Ich konnte die Hand vor Augen nicht sehen», schilderte sie in einem Videointerview mit Mike McGregor die bangen Momente kurz vor ihrer Rettung.

Ein Fremder habe sie dann in Sicherheit gebracht. Da sei wohl das berühmte Bild der «Staubfrau» entstanden, so Borders im Videointerview. Sie versuche, es sich nicht allzu oft anzusehen, sagte sie der Zeitung «The Jersey Journal».

Vorwurf an die Behörden

Marcy Borders fühlte sich nach dem Ereignis im Stich gelassen. Sie erhielt keine Entschädigungszahlung, weil sie offiziell nicht als Opfer zählte. «Man muss wohl tot oder die Witwe eines Feuerwehrmanns sein, um Hilfe zu bekommen», sagte sie 2002 der «Bild am Sonntag». Manchmal wünschte sich die Überlebende, es wäre anders gekommen. Nach 9/11 litt sie unter Depressionen, fing an zu trinken und Drogen zu nehmen. Zudem konnte sie aus Angst vor der Welt das Haus nicht mehr verlassen und arbeiten.

Nur kurz schöpfte Borders noch einmal Hoffnung. Nach einem erfolgreichen Entzug im Jahr 2011 durften ihre Kinder wieder bei ihr wohnen, nachdem sie zwischenzeitlich das Sorgerecht verloren hatte. 2014 erkrankte sie dann aber an Magenkrebs, der sie nun das Leben kostete. Ihr Tod ruft in den USA eine der dunkelsten Stunden in der Geschichte des Landes wieder ins Gedächtnis. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio twitterte: «Marcy Borders' Tod ist eine schwierige Erinnerung an die Tragödie, die unsere Stadt vor fast 14 Jahren durchgemacht hat.»

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