Janna Jihad: Die jüngste palästinensische Reporterin

Sie ist erst zehn und berichtet seit fast drei Jahren über Vorfälle im Westjordanland. Was hinter dieser verrückten Geschichte steckt.

Will auf Ungerechtigkeiten israelischer Sicherheitskräfte aufmerksam machen: Janna Jihad Ayyad (Bild: Facebook)

Will auf Ungerechtigkeiten israelischer Sicherheitskräfte aufmerksam machen: Janna Jihad Ayyad (Bild: Facebook)

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Seit Oktober vergangenen Jahres ist die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern wieder eskaliert. Besonders im Westjordanland vergeht kaum ein Tag ohne Messerattacken, Schiessereien und Blutvergiessen. Attentate auf Sicherheitskräfte werden vor allem von jungen Palästinensern verübt, die keine Verbindung zu den politischen Gruppierungen wie der Fatah-Bewegung oder der Hamas haben. Sie sind verzweifelt ob ihrer misslichen Lage, sehen ihre Taten aber auch als Widerstand gegen die Ausweitung israelischer Siedlungen im Westjordanland an.

«Meine Kamera ist meine Waffe. Sie ist stärker als ein Gewehr.»Janna Jihad Ayyad, junge palästinensische Reporterin

Unter ihnen gibt es aber auch solche, die auf friedlichem Weg versuchen, etwas an ihrer Situation zu ändern. Allen voran Janna Jihad Ayyad, die erst vor kurzem ihren zehnten Geburtstag feierte und eine ganz andere Waffe einsetzt: ihre Kamera. Seit fast drei Jahren dokumentiert sie damit Aktionen von israelischen Sicherheitskräften, die sie als ungerecht empfindet, und stellt die Videos anschliessend auf Social-Media-Plattformen ins Internet. Auf Facebook hat die junge Journalistin bereits über 80'000 Follower.

Erklärt, warum sie alles dokumentiert: Die Palästinenserin Janna Jihad Ayyad. (Video: Youtube/al-Jazeera)

«Nicht viele Journalisten senden unsere Botschaft aus Palästina in die Welt», erzählte das Mädchen dem Nachrichtensender al-Jazeera. Deshalb habe sie zeigen wollen, was in ihrem Dorf passiere. Janna lebt in Nabi Saleh, einem Ort im von Israel besetzten Westjordanland. Ihre Videos zeigen Leute, die an Checkpoints verhaftet werden, Protestmärsche oder Gewalt gegen palästinensische Kinder und Jugendliche. «Ich spreche einfach über das, was passiert», sagt Janna über ihre Dokumentationen, die sie sowohl in Arabisch als auch Englisch abliefert.

«Ich sehe die Besatzung, Soldaten, Kanonen und Polizei. Sie machen viele Sachen, um uns von unserem Land zu vertreiben.»Janna Jihad Ayyad

Auslöser für den Ehrgeiz der jungen Journalistin war der Tod ihres Cousins und eines Onkels, die beide in Nabi Saleh durch israelische Hand umkamen. Seither hat Janna ihre Arbeit ausgeweitet, reist mit ihrer Familie und benutzt auch das iPhone ihrer Mutter, um Videos in Jerusalem, Hebron oder Nablus aufzunehmen. Als Kind habe sie den Vorteil, dass ihr von den Soldaten die Kamera nicht weggenommen werde. «So kann ich meine Botschaft anderen Leuten schicken, und diese können es wieder anderen schicken», so Janna zu al-Jazeera.

Ob es aber wirklich ihre eigene Botschaft ist oder die ihrer Familie, ist schwierig abzuschätzen. Gegenüber al-Jazeera bestätigt Bilal Tamimi, ein anderer Onkel Jannas, dass die Familie schon lange politisch aktiv ist. Er, der für die junge Journalistin ein Vorbild ist, hat früher selbst als Fotograf die Gewalt von israelischen Sicherheitskräften in Nabi Saleh dokumentiert und sagt: «Wir können unseren Kindern nicht das Schweigen beibringen, sie müssen für ihre Freiheit kämpfen.»

Erstellt: 31.05.2016, 17:55 Uhr

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