Jörg Kachelmann fordert Schmerzensgeld in Rekordhöhe

Nach dem Mannheimer Prozess verklagte der Ex-TV-Moderator mehrere Medien wegen Persönlichkeitsverletzung. Das Kölner Landgericht entscheidet heute über eine 2,25-Mio.-Euro-Klage.

Klage gegen die «Bild»-Zeitung und ihre Onlineausgabe: Jörg Kachelmann beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Köln. (25. Februar 2015)

Klage gegen die «Bild»-Zeitung und ihre Onlineausgabe: Jörg Kachelmann beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Köln. (25. Februar 2015) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach einem spektakulären Prozess hat das Landgericht Mannheim Ende Mai 2011 Jörg Kachelmann vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Seither kämpft der frühere TV-Wettermoderator mit juristischen Mitteln um seine persönliche Rehabilitation, aber auch um eine finanzielle Wiedergutmachung. Der 57-Jährige, der inzwischen das Portal Kachelmannwetter.com betreibt, verklagte seine Ex-Geliebte Claudia D. (siehe Infobox rechts), die Feministin Alice Schwarzer und die Mannheimer Staatsanwaltschaft. Dazu kamen hohe Entschädigungsforderungen gegen zwei grosse Medienhäuser, den Burda-Verlag («Focus» und «Bunte») sowie den Axel-Springer-Verlag («Bild» und Bild.de).

Vergleich mit Burda, nicht aber mit Axel Springer

Kachelmann klagte wegen persönlichkeitsverletzender Berichterstattung. Im Rechtsstreit gegen den Burda-Verlag, bei dem es um 1 Million Euro ging, kam es im vergangenen Mai zu einem aussergerichtlichen Vergleich. Über die ausgehandelte Genugtuungssumme für Kachelmann vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Keinen Vergleich gab es hingegen im Rechtsstreit mit dem Axel-Springer-Verlag, von dem Kachelmann 2,25 Millionen Euro verlangt. Das ist das bislang höchste in Deutschland eingeklagte Schmerzensgeld für Persönlichkeitsrechtsverletzungen.

Das Landgericht Köln wird heute Mittag sein Urteil zur Kachelmann-Klage gegen «Bild» und Bild.de bekannt geben. Dabei geht es um Dutzende Print- und Onlineartikel mit Details aus Kachelmanns Sexleben und andere Verletzungen der Privat- und Intimsphäre. Kachelmann beklagt ausserdem Verleumdungen, Vorverurteilungen und eine Medienhetze in den Jahren 2010 und 2011. Kachelmanns Anwalt ist der Kölner Medienrechtler Ralf Höcker, der schon Heidi Klum und andere Prominente vertreten hat. Höcker arbeitet seit über fünf Jahren für Kachelmann.

Gericht: 2,25 Millionen Euro sind unrealistisch

Beim ersten Gerichtstermin im letzten Februar hatte das Kölner Gericht eine Einschätzung zu Kachelmanns Entschädigungsforderung vorgenommen. Das Gericht stellte fest, dass es wegen der «Bild»-Berichterstattung durchaus zu schweren Verletzungen von Kachelmanns Persönlichkeitsrecht gekommen sei, allerdings nicht in dem Masse, wie vom Kläger dargestellt. Eine Medienkampagne, wie von Kachelmann behauptet, konnte das Gericht nicht erkennen. Das Gericht äusserte sich nicht zur Höhe des möglichen Schmerzensgeldes. Es liess aber durchblicken, dass die von Kachelmann geforderten 2,25 Millionen Euro nicht realistisch sind.

Der Vergewaltigungsprozess in Mannheim und die beispiellose Berichterstattung der Medien waren nicht nur für das Ansehen Kachelmanns verheerend, sondern auch für seine berufliche und finanzielle Situation. «Ich war hoch verschuldet», sagte Kachelmann kürzlich dem Magazin «Spiegel». «In den dunkelsten Momenten konnten wir uns nicht einmal Essen kaufen.» Er habe sich von Grundstücken, Häusern und Wohnungen trennen müssen, auch die Anteile an seiner Firma Meteomedia habe er verkauft.

400’000 Euro sind bisher höchstes Schmerzensgeld

Im selben «Spiegel»-Artikel gab sich Kachelmanns Anwalt Ralf Höcker zuversichtlich, dass das Landgericht Köln ein Schmerzensgeld in Rekordhöhe aussprechen werde, auch wenn der Betrag deutlich kleiner sein werde als die geforderten 2,25 Millionen Euro. Den bisherigen Rekord in der deutschen Mediengeschichte hält Madeleine von Schweden. Der Klambt-Verlag musste 2009 eine Entschädigung von 400’000 Euro bezahlen, weil die Zeitschrift «Frau mit Herz» 86 erfundene Klatschgeschichten über die jüngste Tochter des schwedischen Königspaars veröffentlicht hatte. Kachelmann ist nun der Anwärter für den neuen Schmerzensgeld-Rekord in Deutschland.

Jörg Kachelmann ist ein eifriger Twitterer. In seinen Tweets veröffentlicht er nicht nur regelmässig Wettermeldungen. Er polemisiert auch gerne und oft gegen Medien, die er als seine Feinde betrachtet. Beispielsweise kritisiert Kachelmann die Arbeit von «Bild» und Bild.de unter der Bezeichnung #vollpfostenjournalismus, Verlegerin Friede Springer heisst bei ihm #fiesefriede. Aber auch die ARD, die ihn wegen der Vergewaltigungsaffäre als Wettermoderator fallen liess, kommt schlecht weg (siehe Tweet oben).

Erstellt: 30.09.2015, 07:04 Uhr

Jörg Kachelmann vs. Claudia D.

Schadenersatzpozess gegen Ex-Geliebte und neues Gutachten

Am 19. November hat Jörg Kachelmann bereits den nächsten Gerichtstermin. Dann entscheidet das Oberlandesgericht Frankfurt am Main über eine Schadenersatzforderung von Kachelmann gegen seine Ex-Geliebte, die ihn wegen Vergewaltigung angezeigt hatte. In dem Zivilverfahren geht es um den Ersatz von Gutachterkosten in der Höhe von rund 13'000 Euro. In diesem Zusammenhang will das Gericht aber auch die Frage klären, ob Claudia D. sich die Verletzungen selbst zugefügt hatte, die sie im Frühjahr 2010 als Beleg für eine Vergewaltigung vorzeigte. Im Auftrag des Frankfurter Oberlandesgerichts untersuchte nun ein Rechtsmediziner die DNA-Spuren am Messer, das bei Kachelmanns Ex-Geliebter gefunden worden war.

Falls das neue Gutachten die Version von Claudia D. widerlegt, bedeutete dies nicht nur eine Bestätigung des Freispruchs für Kachelmann im Vergewaltigungsprozess. Es wäre auch ein entscheidender Schritt zu seiner Rehabilitation, da das Mannheimer Urteil nach dem Grundsatz «in dubio pro reo» erfolgte. Das Landgericht Frankfurt hatte Kachelmanns Klage gegen Claudia D. Ende des Jahres 2013 abgewiesen, dagegen hatte der frühere TV-Moderator Berufung eingelegt.

«Falschbeschuldigerin» Claudia D.

Ein anderer Rechtsstreit zwischen Kachelmann und seiner Ex-Geliebten hatte vor einem Jahr das Oberlandesgericht Karlsruhe beschäftigt. Im Zusammenhang mit dem Buch «Recht und Gerechtigkeit», das Kachelmann und seine Frau Miriam im Oktober 2012 veröffentlicht hatten, entschied das Karlsruher Gericht, dass er den Vergewaltigungsvorwurf gegen sich als unzutreffend bezeichnen darf. Seine ehemalige Geliebte dürfe Kachelmann aber nicht als «Kriminelle» persönlich herabwürdigen. Die Bezeichnung «Falschbeschuldigerin» könne er hingegen weiter benutzen. (vin)

Bildstrecke

Der Kachelmann-Prozess in Mannheim

Der Kachelmann-Prozess in Mannheim Jörg Kachelmann wurde am 31. Mai 2011 vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen.

Artikel zum Thema

Kachelmann verklagt «Bild»-Zeitung auf Millionen

Schwerwiegende Verletzung des Persönlichkeitsrechts: Der Fernsehmoderator zieht deutsche Medien vor Gericht. Er unterlag schon einmal. Mehr...

Schwarzer verliert gegen Kachelmann

Alice Schwarzer hatte nach Jörg Kachelmanns Freispruch in einer Glosse den Eindruck erweckt, der Moderator habe seine Ex-Freundin vergewaltigt. Das sei persönlichkeitsverletzend, entschied nun ein Gericht. Mehr...

Kachelmann verliert Schadenersatz-Prozess

Jörg Kachelmann beschuldigt seine Ex-Geliebte, im Prozess gegen ihn gelogen zu haben. Sie habe ihn ins Gefängnis bringen wollen. Deshalb verklagte er sie auf Ersatz der Gutachterkosten. Vergeblich. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...