Keine Lust auf Lotterien

Der Politiker Ettore Rosato gibt Italiens neuem Wahlgesetz seinen Namen.

«Rosatellum»: So nennen alle das neue Wahlgesetz, das sich einen Weg durch das römische Parlament bahnt. Bild: PD

«Rosatellum»: So nennen alle das neue Wahlgesetz, das sich einen Weg durch das römische Parlament bahnt. Bild: PD

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Wenn Ettore Rosato dieser Tage Zeitung liest und fernsieht, begegnet er ständig seinem Namen. Überall. Die italienischen Medien haben den Namen leicht abgeändert und ein lateinisches Neutrum draus gemacht: «Rosatellum». So nennen nun alle das neue Wahlgesetz, das sich gerade unter viel Drama einen Weg durch das römische Parlament bahnt. Im kommenden Frühjahr sollen die Italiener dann damit wählen.

Fragt man Rosato, wie es kam, dass die Reform seinen Namen trägt, sagt er: «Keine Ahnung, das ist eine Erfindung von euch Journalisten.» Und lacht dazu, ganz angetan. Eine solche Namensgebung ist zwar kein Ritterschlag, aber viel fehlt nicht. Das «Rosatellum» wird mal in den Geschichtsbüchern stehen neben all den anderen Wahlgesetzen von unterschiedlicher Güte und Fortüne: neben dem «Mattarellum», dem «Porcellum», dem «Italicum».

Natürlich gibt es gute Gründe dafür, dass die Medien Ettore Rosato als Paten auswählten. Der gelernte Buchhalter aus Triest, 49 Jahre alt, Vater von vier Kindern, ist Fraktionschef des sozialdemokratischen Partito Democratico. Ein Charismatiker ist er nicht. Seine Stärke liegt im stillen Formen von Bündnissen, die es eigentlich gar nicht geben dürfte, solche über tiefe Parteigräben hinweg. Rosato kommt ursprünglich von der Democrazia Cristiana, und die war zu ihrer Zeit bekannt für schlaues Schmieden unheiliger Allianzen. In diesem Fall gelang es Rosato, Silvio Berlusconis Forza Italia und die fremdenfeindliche Lega Nord zu gewinnen.

Zählen kann Rosato auch ganz gut, er war früher bei der Bank. Doch sicher war er sich seiner Sache trotz allem nicht. Und so überzeugte er den Premierminister davon, dass es gescheiter sei, das Schicksal des «Rosatellum» mit dem der Regierung zu verbinden und die Vertrauensfrage zu stellen. So konnten auf einen Schlag mehrere Hundert Änderungsanträge und 120 geheime Abstimmungen abgewendet werden. Hübsch ist das nicht. Doch ohne etwas Dampf von oben kämen in Italien nur wenige Reformen durch. Geheime Abstimmungen seien wie «Lotterien», sagt Rosato. Da könne man sich nicht einmal auf die eigenen Leute verlassen. Wirklich stolz ist er nicht auf sein Gesetz, es sei aber nun mal der bestmögliche Kompromiss.

Das Urteil der Gegner ist drastischer. Die Protestpartei Cinque Stelle, die sich durch den Mix aus Majorz und Proporz benachteiligt fühlt, nennt das «Rosatellum» nun auch «Fascistellum». Nicht einmal Benito Mussolini, brüllte einer ihrer Exponenten, habe es gewagt, das Parlament so zu behandeln. Rosato sagt, da werde heillos dramatisiert, man stehe eben kurz vor Wahlen. Jemand warf den Befürwortern der Reform auch vor, sie würden sich an ihrem Gesetz «besaufen». Und dieser Spruch war durchaus geistreich: Rosato ist nämlich das italienische Wort für Rosé, den Wein, der weder rot noch weiss ist.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.10.2017, 20:35 Uhr

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