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Spacey reagiert auf Anklage mit bizarrem Video

Der US-Schauspieler schlüpft kurz nachdem eine Anklage wegen sexueller Nötigung bekannt geworden war, erneut in die Rolle von US-Präsident Frank Underwood.

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Eine andere Klage wegen mutmasslichen sexuellen Missbrauchs wurde vor ein paar Monaten zu den Akten gelegt: Kevin Spacey bei der Premiere der 4. Staffel der Netflix-Serie «House of Cards» in Washington. (Archiv)
Eine andere Klage wegen mutmasslichen sexuellen Missbrauchs wurde vor ein paar Monaten zu den Akten gelegt: Kevin Spacey bei der Premiere der 4. Staffel der Netflix-Serie «House of Cards» in Washington. (Archiv)
Nicholas Kamm, AFP

US-Schauspieler und Oscar-Gewinner Kevin Spacey droht eine Anklage wegen sexueller Nötigung. Er soll einen 18-Jährigen betrunken gemacht und begrapscht haben.

Spacey werde am 7. Januar vor dem Bezirksgericht Nantucket im US-Bundesstaat Massachusetts zu Vorwürfen wegen unsittlichen Verhaltens und Körperverletzung angehört, erklärte der zuständige Staatsanwalt am Montag. Dabei handle es sich um die mutmassliche sexuelle Nötigung eines 18-Jährigen in einem Restaurant im Jahr 2016.

Die Staatsanwaltschaft nannte zwar nicht den Namen des angeblichen Opfers. Die ehemalige Nachrichtensprecherin Heather Unruh hatte im vergangenen Jahr jedoch erklärt, dass die Polizei gegen Spacey ermittle, weil dieser ihrem Sohn auf der Ferieninsel Nantucket vor zwei Jahren Alkohol angeblich aufgedrängt habe und dann sexuell übergriffig geworden sei.

Der Schauspieler habe ihrem Sohn einen Drink nach dem nächsten gekauft. Dann habe er «seine Hand in die Hose meines Sohnes gesteckt und nach seinen Genitalien gegriffen». Als Spacey später auf die Toilette gegangen sei, habe ihr Sohn die Gelegenheit zur Flucht genutzt und seiner Schwester später alles erzählt.

Spacey reagiert mit bizarrem Video

Kurz nachdem die Anklage bekannt geworden war, veröffentlichte Spacey auf Youtube ein Video mit dem Titel «Let Me Be Frank» und twitterte einen Link dazu. Damit meldete er sich nach über einem Jahr öffentlichen Schweigens in den sozialen Medien zurück.

Spaceys dreiminütiges Video mit dramatischer Musik. (Quelle: Youtube/Kevin Spacey)

In dem bizarren dramatischen Monolog, den er mit der Stimme seiner Rolle Frank Underwood aus der Netflix-Serie «House of Cards» spricht, sagte Spacey: «Ich weiss, was du willst. Du willst mich zurück.» Nach Bekanntwerden von Missbrauchsvorwürfen war Spacey aus der Hitserie entlassen worden.

«Natürlich haben einige alles geglaubt und nur mit angehaltenem Atem darauf gewartet, dass ich alles gestehe», sagte Spacey weiter. «Sie wollen nur, dass ich erkläre, dass alles, was sie gesagt haben, wahr ist, und ich habe bekommen, was ich verdient habe. ... Ich werde sicherlich nicht für das bezahlen, was ich nicht getan habe.»

Es ist unklar, ob Spacey sich im Video auf die drohende Klage bezieht. Später fügt er hinzu: «Bald wirst du die ganze Wahrheit erfahren.» Dann endet das dreiminütige Video mit dramatischer Musik.

Andere Vorwürfe verjährt

Die Staatsanwaltschaft in Los Angeles hatte Anfang September eine andere Klage gegen den 59-jährigen Spacey wegen mutmasslichen sexuellen Missbrauchs zu den Akten gelegt, weil die Vorwürfe aus dem Jahr 1992 inzwischen als verjährt gelten. Zudem gibt es noch weitere Vorwürfe in den USA und in London.

Der Erste, der mit Missbrauchsvorwürfen gegen Spacey an die Öffentlichkeit gegangen war, war der Schauspieler Anthony Rapp. Er soll 1986 als 14-Jähriger von Spacey sexuell bedrängt worden sein. Spacey hatte sich bei Rapp entschuldigt, aber gesagt, er könne sich nicht an den Vorfall erinnern.

Der Schauspieler hat sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, seine Karriere liegt auf Eis. Unter anderem verlor er seine Hauptrolle in der Netflix-Serie «House of Cards».

Negative Reaktionen auf Video

Am Londoner Old Vic Theatre könnte Spacey in seiner Zeit als künstlerischer Direktor Berichten zufolge mindestens 20 Männer belästigt haben. In England waren in mehreren Fällen polizeiliche Ermittlungen angelaufen.

Die meisten Reaktionen auf den Videoclip des Schauspielers waren deutlich negativ. «Ich bin sicher, dass keiner der Männer, die zum Zeitpunkt ihrer sexuellen Übergriffe Kinder waren, Kevin Spaceys seltsames Video befürwortet», schreibt Schauspielerin Patricia Arquette. «Nein. Einfach Nein.»

Anthony Rapp antwortete ihr mit «#Truth» («#Wahrheit»). Viele weitere Schauspieler, Comedians und Autoren bezeichneten das Video als «gruselig» und absolut ungeeignet, um Sympathie auszulösen oder Spaceys Glaubwürdigkeit zu erhöhen.

Die Anschuldigungen gegen ihn waren im Herbst 2017 kurz nach den Missbrauchsvorwürfen gegenüber Filmmogul Harvey Weinstein bekanntgeworden. Beide haben sich seitdem öffentlich nicht geläutert gezeigt. Mehrere solcher Fälle in der Unterhaltungsbranche lösten unter dem Stichwort #MeToo eine breite gesellschaftliche Debatte über Belästigung und Missbrauch aus.

(AFP)

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