Kevin Spacey war tatsächlich da

Dem US-Schauspieler werden in mehr als 30 Fällen sexuelle Übergriffe und Belästigungen vorgeworfen. Um einen dieser Fälle ging es gestern. In der Anhörung sagte Spacey kein Wort.

Medienrummel beim Gerichtsauftritt des Hollywoodstars. Foto: Reuters

Medienrummel beim Gerichtsauftritt des Hollywoodstars. Foto: Reuters

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Als Kevin Spacey am Montagvormittag den Verhandlungsraum des Bezirksgerichts von Nantucket betrat, wurde es schlagartig still. Er war tatsächlich hier, der Star aus Hollywood, der seit gut einem Jahr nicht mehr in der Öffentlichkeit aufgetreten war. Hier in der amerikanischen Provinz, auf einer Insel vor der Nordostküste, die sich im Winterschlaf befindet. Die meisten Hotels haben geschlossen, Restaurants sind dicht, selbst die Bäume sind vielerorts in Stoffbahnen eingepackt, um sie vor Frost zu schützen. Weiter weg von Hollywood kann man in Amerika kaum sein.

Dass Spaceys Rückkehr ins Licht der Öffentlichkeit sich an diesem abgelegenen Flecken Erde vollzog, liegt daran, dass am Bezirksgericht von Nantucket eine Klage wegen sexueller Belästigung und Körperverletzung gegen den 59 Jahre alten Schauspieler anhängig ist.

Im Sommer 2016 soll er einem damals 18 Jahre alten Mann in einer Bar auf der Ferieninsel Nantucket mehrmals ans Genital gefasst haben. Spacey bestreitet die Vorwürfe.

Richter Thomas Barrett hatte das Erscheinen Spaceys angeordnet, obwohl der Beschuldigte schriftlich darum gebeten hatte, der Anhörung fernbleiben zu dürfen. Er fürchte, dass sein Erscheinen die negative Publicity um den Fall noch erhöhen werde, schrieb er. Das beeindruckte den Richter nicht.

Dass das Erscheinen des Schauspielers zu grosser Aufmerksamkeit führte, ist allerdings richtig. Bereits am Sonntag hatten Übertragungswagen vor dem Gericht geparkt. Die wenigen Restaurants, die geöffnet hatten, waren voll mit Reportern. Einziges Thema: Wird Spacey erscheinen?

Meistens lächelte er

Um 10.54 Uhr betrat Spacey am Montag den Gerichtssaal, begleitet von seinem Anwalt. Das vermeintliche Opfer war nicht anwesend. Der Schauspieler sagte kein einziges Wort, meistens lächelte er leicht. Es wirkte, als betrachtete er die Vorbereitungen auf einem Filmset. Formal passierte nicht viel.

Die Anhörung war nach sechs Minuten beendet. Der Richter sagte, dass Kevin Spacey sich dem Kläger nicht mehr nähern dürfe. Anschliessend wurde darüber verhandelt, wann man wieder zusammenkomme. Der Staatsanwalt und Spaceys Anwalt einigten sich darauf, das Verfahren am 4. März fortzusetzen. Spacey muss zu diesem Termin nicht persönlich erscheinen.

Seit Herbst 2017 sind in mehr als 30 Fällen Vorwürfe von sexuellen Übergriffen und Belästigung gegen Spacey öffentlich vorgebracht worden. Hollywood reagierte rasch. Seine Rolle als Frank Underwood in der eminent erfolgreichen Serie «House of Cards» wurde gestrichen. Noch radikaler ging Regisseur Ridley Scott vor, der mit Spacey gerade den Film «Alles Geld der Welt» abgedreht hatte. Er schnitt Spacey komplett aus dem Film.

Gut ein Jahr lang war Spacey mehr oder weniger verschwunden. Ende Dezember vergangenen Jahres veröffentlichte er schliesslich ein bizarr anmutendes Video, in dem er offenbar die Rolle des amoralischen Politikers Frank Underwood aus der Netflix-Serie «House of Cards» wieder aufnahm, die er mehrere Jahre lang gespielt hatte. Ansonsten war so gut wie nichts zu sehen und zu hören von Spacey, der als einer der besten Schauspieler seiner Generation gilt.

Sagen mochte er auch beim Verlassen des Gerichts nichts. Er setzte sich auf den Rücksitz eines Fords, der in Richtung des Inselflughafens davonbrauste.

Erstellt: 07.01.2019, 23:44 Uhr

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