Konferenz im Treibhaus

Der Bürgermeister Ashok-Alexander Sridharan macht Bonn zur Klimabühne.

Seit 2015 ist Ashok-Alexander Sridharan Oberbürgermeister von Bonn.

Seit 2015 ist Ashok-Alexander Sridharan Oberbürgermeister von Bonn.

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Es passt eigentlich ganz gut, dass ausgerechnet Bonn einen Oberbürgermeister indischer Abstammung hat. Die Stadt am Rhein ist bekannt für ihre schwülheissen Sommer. Man sprach vom Bonner Reizklima, als die deutsche Regierung noch hier ihren Sitz hatte. Für den Autor Wolfgang Koeppen war Bonn in seinem Schlüsselroman über die junge Bundesrepublik schlicht «Das Treibhaus».

Hier wurde Ashok-Alexander Sridharan vor 52 Jahren als Sohn eines Diplomaten der indischen Botschaft und einer deutschen Mutter geboren. Er kann trotz seines Namens und seiner nussbraunen Hautfarbe mit gutem Gewissen von sich sagen: «Ich bin ne bönnsche Jung!»

Entsprechend unspektakulär kleindeutsch verlief sein Werdegang. Abitur am Aloisiuskolleg, Dienst in der Bundeswehr, Studium am Bonner Juridicum. Da lernte er seine Frau Petra kennen, die einer alteingesessenen Familie der Bonner Altstadt entstammt. Dann Verwaltungskarriere im benachbarten Städtchen Königswinter, Aufstieg zum Ersten Beigeordneten und Kämmerer und schliesslich Stellvertreter des ­Bürgermeisters.

Überraschend das absolute Mehr übertroffen

Im September 2015 trat Sridharan zur Oberbürgermeisterwahl in seiner Geburtsstadt an. Überraschend übertraf er mit 50,1 Prozent der Stimmen das absolute Mehr. Damit konnte er gleich zwei politische Coups für sich verbuchen: erster Bonner CDU-Bürgermeister nach zwei Jahrzehnten ununterbrochener SPD-Vorherrschaft und erstes Stadtoberhaupt der Merkel-Partei mit ausländischen Wurzeln. Das schlug Wellen bis in seine väterliche Heimat Kerala, wo die Zeitungen stolz über seinen Aufstieg berichteten.

Die erste Amtshandlung Sridharans bestand darin, sein Büro aus dem historischen Rathaus in die nüchterne Verwaltungszentrale zu verlegen. Umgekehrt versprach er der Stadt, die lange gehadert hatte mit dem Verlust ihres Status als Nabel der Bundesrepublik, wieder mehr internationalen Glanz. Im Blick hatte er die Feier zum 250. Geburtstag jenes anderen grossen Sohnes von Bonn: Ludwig van Beethoven. Die steht 2020 an, aber dann verhalf ein Zufall zu einem ganz anderen globalen Grossanlass.

Fischdi ausserstande die Konferenz zu organisieren

Die Klimakonferenz der UNO hätte nach Paris und Marrakesch dieses Jahr in Fidschi stattfinden sollen. Der Inselstaat im Südpazifik erklärte sich aber ausserstande, für 25'000 Teilnehmer eine zehntägige Konferenz zu organisieren. Darum findet das Ereignis diese Woche in Bonn statt, das auch Sitz des UNO-Klimasekretariats ist.

Dieser Entscheid fiel Ende letzten Jahres. Seither bereitet sich die 320'000-Seelen-Stadt wieselhaft auf die grösste internationale Konferenz vor, die je in Deutschland stattgefunden hat. Ein ganzer Park wird in eine Zeltstadt verwandelt, die einstigen Parlamentsräume werden durch Containerbauten erweitert. Sridharan ist zuversichtlich: «Wir sind», sagt er beamtenhaft, «insgesamt sehr gut aufgestellt.»

Erstellt: 05.11.2017, 20:55 Uhr

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