Mama rät Boris zur Malerei

Charlotte Johnson-Wahl, die Mutter des britischen Premiers, kann das Verhalten ihres Sohnes nur bedingt verstehen.

Er sei eigentlich ein ganz und gar «gutherziger» Junge, sagt Charlotte Johnson-Wahl über ihren Sohn Boris Johnson. Foto: Imago

Er sei eigentlich ein ganz und gar «gutherziger» Junge, sagt Charlotte Johnson-Wahl über ihren Sohn Boris Johnson. Foto: Imago

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Bei seiner Familie kann Boris Johnson nicht automatisch mit Unterstützung rechnen. Schwester Rachel hat ihm kürzlich vorgehalten, manche seiner Bemerkungen im Unterhaus seien «echt geschmacklos» gewesen. Bruder Jo, ehedem Staatssekretär seiner Regierung, hat diesen Sommer sein Amt abgegeben mit der Begründung, er wolle nicht länger «zwischen Familienloyalität und nationalem Interesse» abwägen müssen. Und Vater Stanley hat just Partei für die Klimaaktivisten ergriffen, die gegenwärtig in London demonstrieren und die sein Sohn Boris als «unkooperative, verkrustete Gesellen» abtat.

Wie soll ein Politiker, dessen Familienangehörige sich als Proeuropäer und grüne Freigeister verstehen, ungestört einen harten Brexit-Kurs fahren, in so turbulenten Zeiten? Zumindest, verkündete Boris Johnson Anfang Oktober auf dem Tory-Parteitag, habe seine Mutter Charlotte beim Referendum 2016 für Brexit gestimmt.

Ihre Protestaktion hiess Boris nicht gut

Der Applaus, den ihm diese «Enthüllung» einbrachte, half ihm aber nicht lange. Gerade ist bekannt geworden, dass Charlotte Johnson-Wahl eine Zeitungsanzeige gegen Mängel im Nationalen Gesundheitswesen (NHS) zurückzog, nachdem die Regierungszentrale ihr das «nahegelegt» hatte.

In der Tat war die 77-jährige Dame seit langem für bessere Pflege bei Parkinson-Erkrankungen durch das NHS zu Felde gezogen. Sie hatte energisch gegen Kürzungen in diesem Bereich protestiert. Selbst seit ihren Vierzigern an der Krankheit leidend, hatte sie in einem offenen Brief an die Londoner «Times» mehr Engagement seitens der Regierung gefordert. Den Brief zog sie freilich kurz vor der Veröffentlichung zurück, nachdem ihr aus No 10 Downing Street zugetragen worden war, der Regierungschef billige eine solche Protestaktion nicht.

«Es ist ein entsetzlicher Job, Premierminister zu sein.»Charlotte Johnson-Wahl

Schon seit vielen Jahren von Stanley geschieden, spielte die Mutter von Boris, Rachel, Jo und dem politisch abstinenten Leo stets eine gewisse Aussenseiterrolle bei den Johnsons. Charlotte war eine Tochter Sir James Fawcetts, eines früheren Präsidenten der Europäischen Menschenrechtskommission.

Sie betrachtete sich immer als «ganz links». Nie im Leben habe sie konservativ gewählt, erklärte sie einmal – während der Rest der Familie sich bei den Tories ansiedelte. Ihre Eltern seien «Sozialisten» gewesen, und Labour-Chef Jeremy Corbyn erinnere sie an ihre Jugend.

«Schockiert» von der Prominenz ihrer Kinder

Zeitweise in Amerika ansässig, heiratete Charlotte dort den Akademiker Nick Wahl, der allerdings verstarb nach wenigen Jahren. Sie selbst, die nun wieder in England lebt, brachte sich als leidenschaftliche Malerin durch. Als Boris 2008 Bürgermeister von London wurde, gab er bei ihr ein Panorama der Themsestadt in Auftrag. Auch Boris habe ein ausgesprochenes Maltalent, bestätigte sie einmal.

Ihre Mutter, meint Rachel Johnson, verachte allen Rummel und sei «schockiert» von der Prominenz ihrer Kinder. Dass Boris nun die Spitze erklommen hat, tut seiner Mutter geradezu leid. «Es ist ein entsetzlicher Job, Premierminister zu sein», findet sie. Dabei sei Boris «gar nicht so dumm und albern» – sondern ein ganz und gar «gutherziger» Junge. Er könne «genauso gut in Rente gehen und malen», rät ihm die Mama.

Erstellt: 13.10.2019, 19:09 Uhr

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