Meghan und Harry, kommt in die Schweiz!

Die Schweiz ist eine Fluchtburg des gefallenen Hochadels. Schon viele Royals haben hier Unterschlupf gefunden.

Die königliche Familie 1996 in den Skiferien in Klosters, Graubünden. Prinz Harry (l.) mit seinem Vater Prinz Charles und seinem Bruder Prinz William. Foto: Getty Images

Die königliche Familie 1996 in den Skiferien in Klosters, Graubünden. Prinz Harry (l.) mit seinem Vater Prinz Charles und seinem Bruder Prinz William. Foto: Getty Images

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Queen hat gesprochen: Sie entlässt Meghan und Harry in die Freiheit ohne royale Pflichten. Sie sind nicht länger offizielle Mitglieder der königlichen Familie mit dem Zwang zum Dauerlächeln. Einem unbeschwerten Leben in Kanada und im internationalen Jetset steht nichts mehr im Weg.

Aber die beiden hätten sich auch für die Schweiz entscheiden können. Da die Sussexes Ruhe vor Paparazzi suchen, bietet sich die diskrete Alpenrepublik besonders an. In Klosters und Verbier hat Harry hat ja schon Ferien verbracht. Zudem kamen schon viele andere Blaublüter hierzulande unter, nachdem sie sich von ihrer aristokratischen Herkunft losgesagt hatten. Die Schweiz eignet sich als Fluchtburg gefallener Royals.

Gustav IV. Adolf von Schweden floh ins Schweizer Exil wie Hortense de Beauharnais, die Königin der Niederlande, ebenso ihr Sohn Louis Napoleon, der spätere Kaiser Napoleon III., aber auch Louis-Philippe, der Bürgerkönig Frankreichs, König Leopold III. von Belgien, Kaiser Karl I. oder Königin Ena von Spanien. Zwei, die sich komplett von ihrem blaublütigen Elternhaus verabschiedeten und in der Schweiz Zuflucht fanden, waren Erzherzog Leopold Ferdinand von Österreich-Toskana und seine Schwester Herzogin Luise.

Als Luise von Österreich-Toskana sich 1902 in ihren Sprachlehrer verliebte, floh sie mit ihm in die Schweiz.

Er sagte sich vom Hause Habsburg los, weil er eine Prostituierte heiraten wollte, und türmte mit ihr in die Schweiz. 1902 schrieb er aus Zürich an Kaiser Franz Joseph: «Ich bitte Eure Majestät, meine Stellung und Rang als Erzherzog ablegen und den Namen Wölfling annehmen zu dürfen.» Der Kaiser entsprach der Bitte, und Leopold Wölfling heiratete 1903 seine Wilhelmine – der Skandal liess den europäischen Adel erschaudern.

Der Neo-Bürgerliche liess sich einbürgern und wandte sich der Fotografie zu; sie aber interessierte sich vor allem für die Lebensreformer auf dem Monte Verità bei Ascona. Leopold war es dann bald satt, das Leben seiner Frau mit Körnern und kultischen Tänzen zu teilen. Er liess sich scheiden.

Für einen ebenso grossen Skandal sorgte Leopolds Schwester: Luise von Österreich-Toskana hatte Kronprinz Friedrich August III. von Sachsen geheiratet und war dadurch Kronprinzessin geworden. 1902 verliebte sie sich in den Sprachlehrer ihrer fünf Kinder und floh mit ihm in die Schweiz.

Allfällige Einkünfte werden Bankiers in der Schweiz sicherlich gern steueroptimiert anlegen.

Zuerst traf Luise in Zürich ihren Bruder Leopold, der als Einziger der Familie noch zu ihr hielt. Dann reiste sie nach Genf und landete in der psychiatrischen Klinik La Métairie bei Nyon, die sie für ein privates Sanatorium gehalten hatte. Dann kam sie bei Verwandten im Schloss Wartegg auf dem Rorschacherberg unter.

Leopold endete nach erneuter Heirat mit einer Dirne als Wurstverkäufer in Berlin, er verdiente noch etwas dazu als Fremdenführer und als Darsteller seiner eigenen Lebensgeschichte auf zweitklassigen Kabarettbühnen. Luise erging es nicht besser: Sie verarmte komplett und starb 1947 als mittellose Blumenfrau in Brüssel.

Ein so bitteres Ende ist bei Meghan und Harry nicht zu erwarten. Gefallenen Royals steht es heutzutage ja frei, aus der adligen Vergangenheit Celebrity-Kapital zu schlagen. Lukrative Werbe- und Influencer-Verträge warten. Die reichlichen Erträge werden die hiesigen Bankiers sicher gerne steueroptimiert anlegen.

Erstellt: 04.02.2020, 17:49 Uhr

Artikel zum Thema

Vielleicht könnten Harry und Meghan jetzt Socken verkaufen

Der Prinz und die Herzogin gelten bald nicht mehr als «arbeitende Mitglieder» der Krone. Das führt zu schwierigen Fragen – und einer hohen Monatsmiete. Mehr...

«Völlig undurchdacht»: Scharfe Kritik an Harry und Meghan

Die Ankündigung des Paars, sich aus der Royal Family zurückzuziehen, löst bei der Presse und Insidern Kopfschütteln aus. Mehr...

Meghan und Harry wollen den Fünfer und das Weggli

Kommentar Bettina Weber hat zwar Verständnis für das abtrünnige Paar. Und doch stört sie etwas an dieser royalen Privatisierung. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Aufwändige Feier: Farbenfroh ist der Karneval in Macedo de Cavaleiros, Portugal. (25. Februar 2020)
(Bild: Octavio Passos/Getty Images) Mehr...