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Miss Schweiz: Schlechtes Deutsch als Erfolgsfaktor

Die Schweiz schaut ihren Missen aufmerksam aufs Maul. Wichtiger als das, was sie sagen, ist wie sie es sagen.

Muss sich daran gewöhnen, nicht nur Französisch zu sprechen: Die neue Miss Schweiz Whitney Toyloy.
Muss sich daran gewöhnen, nicht nur Französisch zu sprechen: Die neue Miss Schweiz Whitney Toyloy.
Keystone
Das Rethorik-Talent unter den Missen: Miss Schweiz 2007 Amanda Ammann.
Das Rethorik-Talent unter den Missen: Miss Schweiz 2007 Amanda Ammann.
Keystone
Falsche Orthografie im Dienste des Kaffee: Miss Schweiz 2006 Christa Rigozzi.
Falsche Orthografie im Dienste des Kaffee: Miss Schweiz 2006 Christa Rigozzi.
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Whitney Toyloy – der Name der neuen Miss Schweiz braucht etwas Sprachtalent, um ihn auszusprechen. Doch was bringt die neue Miss selbst an Sprachfertigkeit mit? An der Wahl selber hörte man die multikulturelle Schönheit nur in Französisch sprechen. Doch um als Miss erfolgreich zu sein, muss man vor allem auch die Deutschschweizer um den Finger wickeln. Toyloy sagt von sich selber, dass sie gut Deutsch spreche. Und die welschen Wurzeln müssen kein Hindernis für den grossen Missen-Erfolg sein. Das nämlich Missen mit französischem Akzent in der ganzen Schweiz äusserst beliebt sein können, das bewies die Westschweizerin Lauriane Gilliéron.

Pluspunkte dank charmantem Akzent

Gilliéron sprach von Beginn ihrer Amtszeit weg sehr gut Deutsch, was ihr vor allem in der Deutschschweiz Sympathien einbrachte. Noch mehr Pluspukte holte sie aber dadurch, dass ihr Deutsch nicht ganz akzentfrei war. Diese verspielte sie jedoch schnell wieder, als sie sich für ihre Hollywood-Karriere plötzlich Laurie-Anne Gill nannte und Interviews mit Deutschschweizer Journalisten nur noch auf Englisch führen wollte.

Mit Englischem Akzent eckte Ex-Miss Bianca Sissing an. Sofort nach der Wahl wurde die damalige Psychologie-Studentin unter Beschuss genommen wegen ihrer «limitierten Ausdrucksweise». Vielerorts wurde gefordert, dass eine Miss mindestens eine Landessprache perfekt beherrschen müsse und es wurde sogar ohne weitere Anhaltspunkte als das gebrochene Deutsch über die mangelnde Intelligenz der Schönheit gemutmasst.

Auch die frischgebackene Ex-Miss-Schweiz Amanda Ammann kam nicht ohne Kritik davon, Audrücke wie «Miss Kompromiss» und auch «Miss Pferdegebiss» las man über sie, vor allem in Boulevard-Medien. Doch was ihr rethorisches Talent betraf, wurde sie gemeinhin mit Lob überhäuft. Auch ihr St.Galler-Dialekt wurde nie gross thematisiert. Wahrscheinlich ebnete ihr Miss Schweiz 1999 Anita Buri den Weg, die sich zu Beginn ihrer Amtszeit ein paar scharfe Bemerkungen zu ihrem Thurgauer-Dialekt gefallen lassen musste. Doch während ihres Amtsjahres hatte Buri das vollbracht, was zum Beispiel einer Sportgrösse wie Martina Hingis niemals gelungen ist: Ihr Ostschweizer-Dialekt wurde akzeptiert und viele fanden ihn sogar süss.

Kohle machen mit Akzent

Doch nicht nur die deutsche und die italienische Schweiz können mit sprachlichen Besonderheiten aufwarten: Die Tessinerin und Miss Schweiz 2006 Christa Rigozzi hat die Schweiz mit ihrem feurigen, italienischen Charme und vor allem ihrem Akzent bezaubert. So sehr, dass eine Kaffee-Firma seit kurzem sogar damit wirbt: «Ich liebe jedem seiner Stärken» kann man auf einem Plakat lesen, wo die blonde Tessinerin mit einer Tasse in der Hand posiert.

Man darf also gespannt sein, ob Whitney Toyloy die Sprachbarriere überwindet. Den Anspruch, ohne Akzent zu sprechen, muss sie auf alle Fälle nicht haben: Viel mehr kann sie hoffen, dass sie ihren französischen Akzent vielleicht sogar einmal in Geld umwandeln kann.

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