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Mit 500 Pfund zu 1 Million

Die Engländerin Lucy Earl lehrt die Welt Englisch. Via Youtube.

MeinungChristian Zürcher
Youtuberin Lucy Earl bringt der Welt die Finessen der englischen Sprache näher. Bild: Screenshot Youtube/English with Lucy
Youtuberin Lucy Earl bringt der Welt die Finessen der englischen Sprache näher. Bild: Screenshot Youtube/English with Lucy

Sie hat eines der grössten Klassenzimmer der Welt. Hunderttausende schauen Lucy Earl zu, wenn sie auf Youtube Englisch lehrt. Humorvoll, direkt, unprätentiös. Sie lehrt, wie man Verben konjugiert; wie man moderne Babynamen wie Joaquin korrekt ausspricht (Choa-kiin und nicht Wa-kiin); wie man wie ein Kutscher flucht (Beispiel: «twat», sehr vulgär, steht für «Blödmann»), wie man authentisches «British English» spricht (man streue oft «bloody» ein, zum Beispiel «bloody twat»). Und: Die 23-Jährige hat Erfolg.

Vergangene Woche hat sie die Millionengrenze an Youtube-Followern geknackt, «Lucifers» genannt (hier gehts zu ihrem Channel). Sie feiert das Zahlenjubiläum typisch englisch: im Grünen, mit einer Flasche Bulmers, einem Most, eher süss, mit Alkohol. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Karriere, die mit einer Idee, 500 Pfund und viel Mut begonnen hatte.

Nach dem Marketingstudium stellt Earl bei einem Austauschjahr in Madrid fest, dass es kein kluges Lerntool auf Youtube gibt, um Englisch zu lernen. Der Vater leiht ihr 500 Pfund (und verlangt Zinsen). Sie kauft Kamera und Stativ und beginnt, Lektionen bei sich zu Hause zu filmen. Eine Vollzeitbeschäftigung. Während Kollegen bei Banken viel Geld verdienten, lebt sie «on the breadline» (englisch für «Existenzminimum»). Irgendwann zieht die Sache an, irgendwann kann sie Werbung verkaufen. Als 350'000 Lucifers ihr folgen, verdient sie 30'000 Pfund pro Jahr, heute beträgt die Zahl ein Vielfaches.

Chinesen melden Gewichtszunahme

Earl fordert die Lucifers auf, ihr zu schreiben und Fragen zu stellen. So erfährt sie beiläufig, wie die Welt Englisch lernt: Italiener und Spanier fokussieren vor allem auf die Aussprache. Inder wollen erfahren, weshalb Engländer um vier Uhr Tee trinken. Chinesen wiederum sind fasziniert von der britischen Kultur und fragen, wann die Leute in England heiraten. Oder melden Earl, dass sie an Gewicht zugelegt haben. «Erst dachte ich, das seien Hasskommentare, doch die Fragen sind einfach kulturell bedingt.» Beleidigungen gehören aber in der Internetfamilie zum Alltag. Earl beschrieb sich einmal als: sehr jung, sehr blond, sehr verletzlich aussehend. Vielleicht lade das die Leute ein, sie zu beleidigen, mutmasst sie.

Manche Reaktionen haben wohl auch damit zu tun, dass Earl viel von sich preisgibt. Sie erzählt, was sie tut, wenn sie traurig ist (gärtnern), und was, wenn sie so richtig traurig ist (nachdenken, was sie so richtig traurig macht, und dies ändern). Sie gibt Lebenstipps: Finde nicht die beste Person, sei die beste Person. Verlasse toxische Beziehungen (Earl war in einer). Verstehe deine Hormone (Earl leidet an starken Menstruationssymptomen). Und am Weltfrauentag spricht sie mit einer Gesprächstrainerin. Thema: Wie rede ich selbstbewusst vor Leuten?

Noch ein Sache: Die meistgestellte Frage handelt nicht von Aussprache und Grammatik. Die Lucifers wollen wissen, ob Earl einen Freund habe. Hat sie. Beziehungsstatus: sehr glücklich.

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