Mit 80 Jahren um die Welt

Die frühere Opel-Händlerin Heidi Hetzer inszeniert sich meisterhaft.

Zurück in Berlin nach zwei Jahren und sieben Monaten am Steuer ihres Hudson, Baujahr 1930: Heidi Hetzer am Brandenburger Tor.

Zurück in Berlin nach zwei Jahren und sieben Monaten am Steuer ihres Hudson, Baujahr 1930: Heidi Hetzer am Brandenburger Tor. Bild: Jörg Carstensen/Keystone

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Sie symbolisieren einen Fortschritt, es brachte die Gesellschaft weiter und sie selbst vorwärts: die Menschen, die um die Erde kamen. Da sind Phileas Fogg und sein Diener, die Leser reisten mit ihnen in 80 Tagen in Jules Vernes gleichnamigem Roman um die Welt. Charles Lindbergh überflog 1927 den Atlantik zwischen New York und Paris ohne Zwischenstopp. Im selben Jahr umkurvte die Deutsche Clärenore Stinnes als Erste die Erde im Auto.

Fast 90 Jahre später ist Heidi Hetzer, 79 Jahre, ihrem Vorbild gefolgt. Die zweifache Mutter hat mit ihrem blauen Oldtimer, einem Hudson, in 960 Tagen 85'000 Kilometer durch 5 Kontinente und 60 Länder zurückgelegt: von Osteuropa nach Teheran, über China nach Australien, mit dem Schiff nach Amerika und weiter bis nach Afrika. Am Sonntag fuhr sie «Hudo» vor dem Brandenburger Tor ein – von Hunderten umjubelt.

Sie mag es schnell

Nicht nur deswegen gibt die Berlinerin in Deutschland zu reden. Heidi Hetzer mag es unangepasst. Und sie mag es schnell. Autos sollten für sie mehr sein als ein Spielzeug, das zeichnete sich schon früh ab. 1933 übernahm der Vater das Opel-Autohaus. Zwanzig Jahre später fuhr die Tochter ihr erstes Rallye, lernte Fahrzeuge reparieren, gründete eine Firma und vermietete Autos – nachts auch stundenweise «zum Bumsen», wie sie dem «Stern» sagte.

1969 gehörte Heidi Hetzer mit 31 Jahren zur West-Berliner Prominenz: Sie war Automechanikerin, Rennfahrerin und – nach dem Tod ihres Vaters – Chefin von Opel-Hetzer. Und Opel war damals sexy. Die Medien berichteten über sie, und sie trat in Talkshows auf. Erst vor fünf Jahren ging die Autohändlerin in Pension. Da habe ihre Tochter sie gefragt, sagte Heidi Hetzer nach ihrer Weltumrundung in eine der vielen Kameras: «Du stirbst, wenn du nicht arbeitest, was willst du jetzt machen?» Also fuhr sie mit «Hudo» weg. Man müsste sie für das alles bewundern – und bleibt trotzdem unbeeindruckt.

Heidi Hetzer fährt um die Welt und will, dass es alle wissen. Aufmerksamkeit und Interesse sind ihr gewiss, denn sie ist eine Meisterin der Inszenierung. Aber da war eben auch ihr Auftritt am Montag in der ZDF-Morgenshow. Dort berichtete sie von der schönen Natur in Südafrika. Und sprach die Nachteile des Landes an: «Sie klauen. Die Schwarzen klauen alles.» Die Moderatorin, selbst schwarz, war fassungslos. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.03.2017, 21:04 Uhr

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