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«Natürlich hat mein Boss mich ausgenutzt»

Zwei Jahrzehnte nach ihrer folgenschweren Affäre mit Bill Clinton: Monica Lewinsky, die einst berühmteste Praktikantin der Welt, legt erstmals ihre Sicht der Ereignisse dar.

Wieder in den Medien: Monica Lewinsky in der «New York Post». (7. Mai 2014)
Wieder in den Medien: Monica Lewinsky in der «New York Post». (7. Mai 2014)
AFP
«Scham und Überleben»: Monica Lewinsky äussert sich zu ihrer Affäre mit Bill Clinton. (6. Mai 2014)
«Scham und Überleben»: Monica Lewinsky äussert sich zu ihrer Affäre mit Bill Clinton. (6. Mai 2014)
Screenshot «Vanity Fair»
Clinton musste die Affäre schliesslich zugeben: Der US-Präsident liest vor laufender Kamera ein entsprechendes Statement ab. (21. September 1998)
Clinton musste die Affäre schliesslich zugeben: Der US-Präsident liest vor laufender Kamera ein entsprechendes Statement ab. (21. September 1998)
AP Photo/APTV
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«Ich bedaure zutiefst, was zwischen mir und Präsident Clinton passiert ist», schrieb Monica Lewinsky in einem Artikel für das Magazin «Vanity Fair». Der Sexskandal habe ihr berufliche Chancen verbaut und sie zum Opfer weltweiten Spotts gemacht. «Natürlich hat mein Boss mich ausgenutzt», schrieb Lewinsky über das 1995 begonnene Verhältnis mit Clinton. «Aber ich werde immer auf diesem Punkt beharren: Es war eine Beziehung im gegenseitigen Einverständnis.» Nach der Liebesaffäre sei es allerdings zu einem «Missbrauch» gekommen, als sie zum «Sündenbock» gemacht worden sei, um Clintons «Machtposition zu schützen».

Nach dem Skandal Ende der 90er-Jahre habe sie mehrere «Angebote» abgelehnt, die ihr «mehr als zehn Millionen Dollar» eingebracht hätten, schrieb Lewinsky. Stattdessen habe sie sich um Jobs im Bereich Kommunikation und Marketing bemüht, sei wegen ihrer «Vorgeschichte» aber stets von potenziellen Arbeitgebern abgelehnt worden. Später versuchte sich die Ex-Praktikantin an einem eigenen Handtaschen-Label und studierte in London Psychologie.

«Die Baskenmütze verbrennen»

Wegen des Spotts, dem sie sich weltweit ausgesetzt sah, habe sie zeitweise Selbstmordgedanken gehegt, schrieb Lewinsky in dem Artikel. Ihre Mutter habe damals befürchtet, «dass ich wortwörtlich zu Tode verspottet würde».

Mit 40 Jahren wolle sie dieses Kapitel ihres Lebens nun endlich hinter sich lassen. «Es ist an der Zeit, die Baskenmütze zu verbrennen und das blaue Kleid zu beerdigen», erklärte Lewinsky in Anspielung auf zwei Kleidungsstücke, die während des Skandals zu zweifelhafter Berühmtheit gelangten. Die Baskenmütze trug die damalige Praktikantin auf einem Foto, das sie bei einer öffentlichen Umarmung mit Clinton zeigte. Ihr blaues Kleid, auf dem sich Spermaspuren von Clinton befunden haben sollen, wurde zu einem der wichtigsten Beweismittel im Amtsenthebungsverfahren gegen den Demokraten.

Es sei an der Zeit, damit aufzuhören

Die aussereheliche Affäre mit Lewinsky hätte den Präsidenten fast zu Fall gebracht. Das Repräsentantenhaus leitete im Dezember 1998 ein Amtsenthebungsverfahren wegen Verdachts des Meineids und der Behinderung der Justiz ein. Clinton hatte ausgesagt, kein sexuelles Verhältnis mit der Praktikantin gehabt zu haben. Der Präsident überstand das Amtsenthebungsverfahren, weil bei der Senatsabstimmung im Februar 1999 nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit zustande kam.

Lewinsky deutete an, dass sie die Affäre auch mit Blick auf die Ambitionen von Clintons Ehefrau Hillary auf das Präsidentenamt endlich aus der Welt schaffen wolle. Es sei an der Zeit, damit aufzuhören, «auf Zehenspitzen um meine Vergangenheit und um die Zukunft von anderen Leuten herumzuschleichen».

«Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein»

Hillary Clinton gilt als Favoritin für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten im Jahr 2016. Noch erklärte sich die frühere Aussenministerin und First Lady aber nicht offiziell, ob sie nach ihrer Niederlage im Vorwahlkampf 2008 noch einmal antreten wolle.

Die frühere Praktikantin wies Spekulationen zurück, dass sie im Gegenzug für ihr Schweigen in den vergangenen Jahren von den Clintons Geld erhalten habe. «Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein», betonte sie.

(AFP)

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