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Punkrock-Version des WEF

Unternehmer und Zampano des digitalen Wandels: Fabian Hediger.

Gründete vor fünf Jahren das World Web Forum: Fabian Hediger. Bild: Geri Born
Gründete vor fünf Jahren das World Web Forum: Fabian Hediger. Bild: Geri Born

Selbst wenn die «Schweizer Illustrierte» ihn zu Hause besucht, beim ganz normalen Morgenessen mit seiner Familie, schwärmt Fabian Hediger mit leuchtenden Augen von den Segnungen der Digitalisierung. Die Frühstücksbrötchen, sagte er den Journalisten, würden in Zukunft nicht mehr von seinen beiden Kindern mit Butter und Konfi bestrichen, sondern von Robotern.

Um den digitalen Wandel zu fördern und der Schweiz mehr hyperdynamischen Start-up-Geist aus dem Silicon Valley einzuhauchen, hat Hediger die Konferenz World Web Forum gegründet. Er begann vor fünf Jahren mit 15 Teilnehmern. Deren sechste Ausgabe lockte gestern und heute schon über 2000 Besucher nach Oerlikon. Im Publikum: die obersten Chefs und Internetstrategie-Verantwortlichen Hunderter etablierter Firmen und Start-ups.

Geboten wurde ihnen ein Mix aus staatstragenden Worten von Bundesrat Johann Schneider- Ammann und Vorträgen von Digitalunternehmern, Managern und Beratungsgurus, die vor allem eines beschwören: Wie ihre Geschäftsmodelle dank Internet unser Leben noch umfassender, noch schneller und noch profitabler verwandeln werden.

«Nationen wissen viel weniger über ihre Bürger als Google oder Facebook.»

Fabian Hediger

Und nicht nur das. «End of Nation» ist dieses Jahr das Thema der Veranstaltung. Das Ende des Nationalstaats, glaubt Hediger, ist schon absehbar, dessen Ersatz durch Datenströme ist möglich. «Nationen wissen viel weniger über ihre Bürger», sagt er, «als Google oder Facebook.» Staatliche Regulierung, findet er, würde nur den Fortschritt behindern.

Dem World Web Forum wurde schon nachgesagt, die Punkrock-Version des Davoser Weltwirtschaftsforums WEF zu sein. Hediger ist stolz auf diese Etikette. Das Schweizer Fernsehen und Ringier, der Verlag von «Blick», «SonntagsBlick» und der «Schweizer Illustrierten», jedenfalls halten den Anlass für wichtig genug, dass sie ihn mit viel Aufwand unterstützen und auf ihren Websites live übertragen.

Telefoniert wird auf dem Velo

Dem heute 47-jährigen Hediger, der sich nach der Matura während drei Jahren ganz dem Triathlonsport verschrieben hatte, geht es eigent­lich nie schnell genug. Als Chef seiner Firma mit gegen zwei Dutzend Angestellten telefoniert er am liebsten vom Velo aus, wenn er zur Arbeit oder über Mittag zum Schwimmen fährt.

Der Absolvent der Universität St. Gallen hatte seine Beratungsfirma zum scheinbar ungünstigsten Zeitpunkt gegründet: im Jahr 2000, als die erste Internetblase gerade am Platzen war. Sein halsbrecherischer Optimismus zahlt sich aus. Die Beecom AG hat heute sechshundert Kunden und meldet regelmässig Umsatzsteigerungen. Sie installiert Software, die Firmen den vollständigen Zugriff auf Produktions-, Kunden- und Lieferantendaten erlaubt. «Im Prinzip ist es ein grosses Facebook für Firmen», sagt Hediger. Und sagt damit alles über seine Ambitionen.

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