Rabiat für das Recht des Tiers

Die Zürcher Kunsthändlerin Katharina Büttiker in ganz anderer Mission.

Tierschützerin Katharina Büttiker in der SRF-Sendung «Reporter: Frau Büttikers Gespür für Tiere - Unterwegs mit einer Tierschützerin». Bild: SRF

Tierschützerin Katharina Büttiker in der SRF-Sendung «Reporter: Frau Büttikers Gespür für Tiere - Unterwegs mit einer Tierschützerin». Bild: SRF

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Katharina Büttiker hat gerade viel am Hals. Ihr altmodisches Klapphandy surrt in kurzen Abständen, Anrufer werden vertröstet. Zum ersten Mal veranstaltet ihre Tierschutzorganisation Animal Trust einen Wohltätigkeitsabend (heute ab 18 Uhr im Lake Side). Der Philosoph Richard David Precht («Tiere denken») wird auftreten, Euro­visions-Gewinner Jonny Logan und Prinzessin Dr. Auguste von Bayern – allerdings nicht als Ihre Königliche Hoheit, sondern als Verhaltensforscherin. Auch sie spricht über die Intelligenz von Tieren, die sie bei Raben untersucht hat.

Gleichzeitig ist Büttiker derzeit im Gespräch, weil sie offen zu einem im Parlament diskutierten Importverbot von koscherem Fleisch steht. Das Schächten, das rituelle Schlachten nach religiösen Vorschriften der Juden, ist für Büttiker ganz klar «tierquälerisch». Sie schert sich keinen Moment darum, dass ihr das den Vorwurf einträgt, die Religionsfreiheit anzugreifen. Büttikers Blick wird intensiv: «Ich habe jüdische Freunde, die genau wie ich das Schächten verurteilen und jederzeit offen dazu stehen.»

Büttiker, vier Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in Bayern geboren, kann mit dem Vorwurf auch darum nichts anfangen, weil ihr Vater von den Nazis zweimal ins Gefängnis geworfen wurde. «Er hat viel für Juden getan», sagt sie. Freigekommen sei er nur, weil er als Industrieller für die Kriegswirtschaft wichtig war.

Die Eltern gaben ihr den Respekt vor jeglicher Kreatur ins Leben mit. Aber aktiviert wurde sie, als sie als junge Frau Bilder von Tierversuchen sah. Darauf wurde sie schwer krank, erzählt sie, schlief nächtelang nicht mehr. «Ich habe nicht begriffen, wie Menschen das den Tieren antun können.»

Sie schloss ein Rechtsstudium ab, stieg nachher aber bei einer Zürcher Kunstgalerie ein. Deren Besitzer übergab der jungen Juristin das Geschäft. Spezialgebiet: Jugendstil und Art déco. «Damit können Sie nicht so viel Geld verdienen wie mit zeitgenössischer Kunst, aber es reicht, um eine Familie zu ernähren.» Das aber war nie nötig: Büttiker ist mit dem Schweizer Unternehmer Gerold Büttiker verheiratet. Die beiden haben ausgemacht, dass sie das in der Galerie verdiente Geld ganz in den Tierschutz steckt.

Das allerdings spielt bei ihrem Engagement die kleinere Rolle als die Energie und Kompromiss­losigkeit, mit der sie Tierschutzprojekte genauso hartnäckig verfolgt wie die Parlamentarier in Bern, denen sie Vorstösse vorschlägt wie jenen über das Importverbot von tierquälerisch erzeugten Lebensmitteln. Konkret setzt sich Büttiker für Esel und Pferde ein, die auf einem (von der Familie privat gekauften) Gnadenhof ihr Leben geniessen.

Und jetzt eben ein Wohltätigkeitsabend. Ob dabei viel Geld herausschaut, weiss sie nicht. «Wissen Sie», sagt sie, «die Menschen müssen doch ihr Herz auftun für die Tiere.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.08.2017, 21:45 Uhr

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