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Sie bekämpft männliche Diven

Die Australierin Cate Blanchett wird Jurypräsidentin in Cannes.

Cate Blanchett am IWC Filmmakers Award in Dubai. Bild: Getty Images
Cate Blanchett am IWC Filmmakers Award in Dubai. Bild: Getty Images

Auf der Dachterrasse des Festivalpalasts von Cannes hat man einen unverschämt schönen Blick auf die unverschämt schönen Menschen am Strand und das glitzernde Meer dahinter. Was man aber alles sofort ignoriert, wenn eine Schauspielerin wie Cate Blanchett die Szenerie betritt. Sie hat auch im echten Leben eine Aura, die viele Hollywoodstars jenseits der Leinwand verlieren.

Dieses Jahr wird Blanchett, ein Dauergast in Cannes, zum ersten Mal in einer neuen Rolle das Festival besuchen: als Präsidentin der Jury, die im Mai die Goldene Palme vergeben wird. Dass die Cannes-Verantwortlichen sich für die 48-jährige Australierin entschieden haben, darf man auch als politisches Statement lesen. Blanchett engagiert sich energisch gegen sexuelle Belästigung und Nötigung, nicht nur in der Filmindustrie, sondern in der gesamten Arbeitswelt. Sie war eine der ersten Prominenten, die sich nach den Missbrauchsvorwürfen gegen den Produzenten Harvey Weinstein zu Wort meldeten. Und sie ist Mitbegründerin der Initiative #TimesUp, in der sich mehr als 300 Schauspielerinnen gegen sexuellen Missbrauch zusammengetan haben.

Schon vor drei Jahren berichtete sie enttäuscht über die misogynen Machtstrukturen in Hollywood: «Es heisst immer nur über Frauen im Filmgeschäft, sie seien schwierig oder eine Diva, über Männer sagt man das nie.»

«Wenn man die Brustwarzen von jemandem küssen soll, den man kaum kennt, bleibt das immer komisch.»

Damals stellte sie ihr Drama «Carol» im Wettbewerb vor. Es geht darin um die Liebesbeziehung zweier Frauen in den konservativen Fünfzigerjahren. So eine Story lässt sich laut Blanchett selbst im Hollywood des 21. Jahrhunderts kaum verkaufen, weil viele der männlichen Produzenten auch heute noch der Meinung seien, dass die Zuschauer keinen Film mit zwei weiblichen Hauptrollen sehen wollen. Sechs Jahre brauchte sie, um «Carol» finanziert zu bekommen.

Blanchett, geboren 1969 in Melbourne, kommt eigentlich vom Theater. Schon mit Anfang zwanzig wurde sie in ihrer australischen Heimat zur Bühnenberühmtheit, zum Beispiel als Ophelia im «Hamlet». Mit dem Shakespeare-Zeitalter kam sie bestens zurecht, auch in ihrer ersten grossen Kinorolle als «Elizabeth» (1998), die sie dann doch vom Theater weglockte und die ihr gleich eine Oscar-Nominierung einbrachte. Seitdem hat sie den Oscar gleich zweimal gewonnen, für «The Aviator» (2005) und «Blue Jasmine» (2014).

Blanchett erstellt gerne Listen von Dingen, die sie erreichen möchte. In Sachen Schauspielkarriere konnte sie schon recht viel abhaken: Sie hat mit den besten Regisseuren gedreht, vor allem aber hat sie das alte Rollenmodell von der Frau als hübschem Beiwerk gnadenlos aufgebrochen. Mit «Carol» oder auch im Episodenfilm «I’m Not There» von 2007 – darin spielte sie Bob Dylan.

Nur an Erotikszenen könne sie sich einfach nicht gewöhnen, sagt sie: «Wenn man die Brustwarzen von jemandem küssen soll, den man kaum kennt, bleibt das immer komisch.»

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