So ist es halt – wap bap

Der Youtube-Star Bianca «Bibi» Heinicke singt und erntet dafür Häme.

Sie kann von der Youtuberei offensichtlich nicht schlecht leben: Bianca Heinicke an einer Filmpremiere 2016 in Köln. Foto: Horst Galuschka (Imago)

Sie kann von der Youtuberei offensichtlich nicht schlecht leben: Bianca Heinicke an einer Filmpremiere 2016 in Köln. Foto: Horst Galuschka (Imago)

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Bianca Heinicke ist eine Frau für die Massen: 4,5 Millionen haben ihre Schminktipps und Backfisch-Scherzchen auf dem Youtube-Kanal «Bibis Beauty Palace» abonniert. Laut «Bravo» (der Teeniezeitschrift, die solche Dinge misst) ist sie in der Altersgruppe der 12- bis 19-Jährigen die beliebteste Deutsche. Wenn sie Autogramme gibt, muss die Polizei hysterische Mädchen betreuen, es kam auch schon zu Verletzten.

Jetzt ist die 24-jährige Kölnerin in neue Dimensionen vor­gestossen: Ihr Liedchen «How it is (wap bap ...)» hat es mit 1,8 Millionen nach unten gerichteten Daumen in die Top Ten der am schlechtesten bewerteten Videos auf Youtube geschafft. Und zwar weltweit.

«Nur weil mir der Song gefällt, heisst das noch lange nicht, dass der Song jedem gefallen muss»: Bibi bleibt cool.

Um das in eine Perspektive zu setzen: Das blondierte Plappermaul, das ausserhalb von Googles Videokanal bisher keine Spuren hinterlassen hat, bewegt sich auf Augenhöhe mit den Popstars Justin Bieber, Miley Cyrus und Psy («Gangnam Style»). Dass es sich dabei um eine Bestmarke in Internethäme handelt, kann Bibi wegstecken: Das Video, erst seit letztem Freitag aufgeschaltet, wurde 28 Millionen Mal angeklickt, Tendenz weiter steigend. Der meistgeklickte Song von Prince, «Cream», bringt es nach fünf Jahren auf 24 Millionen. (Nur das Verhältnis der «Likes» und «Dislikes» bei Prince ist besser.)

Bis Youtube dazwischenkam

Als Kind wollte Bianca Heinicke Tierärztin oder Kunsttherapeutin werden. Sie studierte dann Sozialwissenschaften – bis Youtube dazwischenkam. Weil sie im Internet keine Anleitung für eine bestimmte Frisur gefunden hatte, filmte sie sich selber beim Haareflechten und stellte das Video ins Internet.

In ihrem «Beauty Palace» verrät sie seither Tipps fürs Frisieren und Schminken, mit zunehmendem Erfolg von der Schönheitsindustrie mehr und mehr kräftig unterstützt: mit Produkten und barem Geld. Auch der Reiseveranstalter Neckermann wirbt unterdessen mit der smarten Bibi. Sie lässt sich nun von einer Künstleragentur vertreten, wird von der selbst gegründeten Firma vermarktet und kann von der Youtuberei offensichtlich nicht schlecht leben.

Das ist eine herzliche Einladung für unzählige Parodien.

Nebst der halbseidenen Produktion ist es vor allem der in Fistelstimme geträllerte englische Text, der im Netz Abscheu provoziert. Die schönsten Stellen in deutscher Übersetzung: «Mein Freund ist weg, ich fühl mich so fett, ich kann nicht mal meine Katze behalten – so ist es halt.» Das ist eine herzliche Einladung für unzählige Parodien, die schon Stunden nach der Erstveröffentlichung auftauchten.

Vor Millionenpublikum im Internet derart veräppelt zu werden, hätte vor ein paar Jahren noch zu Suizidpräventionsalarm geführt. Bibi nimmts gelassen: «Nur weil mir der Song gefällt, heisst das noch lange nicht, dass der Song jedem gefallen muss», sagt sie achselzuckend – in ihrem jüngsten Video, das auch schon mehr als 2,6 Millionen Mal angeklickt wurde.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.05.2017, 19:53 Uhr

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