Strafverfahren gegen Kevin Spacey wird eingestellt

Zuerst verschwand das Handy des Opfers, dann zog der Mann auch noch die Zivilklage zurück. Nun lässt die Staatsanwaltschaft die Anklage gegen Kevin Spacey ganz fallen.

Die Vorwürfe gegen ihn sind fallen gelassen worden: Kevin Spacey. Archivfoto: Steven Senne (Keystone)

Die Vorwürfe gegen ihn sind fallen gelassen worden: Kevin Spacey. Archivfoto: Steven Senne (Keystone)

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Seit Herbst 2017 wurden zahlreiche Vorwürfe gegen Hollywoodstar Kevin Spacey wegen sexueller Übergriffe laut. Ein Fall sollte als Strafprozess vor Gericht gehen. Nun wird das Verfahren überraschend eingestellt. Denn: Der Zeuge spielt nicht mit.

Der Strafprozess gegen den US-Schauspieler Kevin Spacey wegen Vorwürfen sexueller Nötigung ist überraschend eingestellt worden. Wie die Staatsanwaltschaft in Nantucket im US-Bundesstaat Massachusetts am Mittwoch bekanntgab, wird das Verfahren fallen gelassen, weil das mutmassliche Opfer, ein heute 21-jähriger Mann, nicht vor Gericht aussagen wollte.

Der junge Mann hatte Spacey vorgeworfen, ihn im Juli 2016 in einem Restaurant auf der Insel Nantucket vor der US-Ostküste betrunken gemacht und dann unsittlich berührt zu haben.

Bei einem Gerichtstermin vorige Woche verweigerte der Mann aber die Aussage darüber, ob er möglicherweise Textnachrichten von der angeblichen Tatnacht auf seinem Handy gelöscht haben könnte. Das Handy ist seinen Angaben zufolge nicht auffindbar. Unter Berufung auf das Verfassungsrecht (Fifth Amendment) kann eine Aussage verweigert werden, um sich nicht selbst zu belasten.

Bereits Zivilklage fallen gelassen

Der Fall war dadurch ins Wanken geraten. Der zuständige Richter, Thomas Barrett, meldete bereits Anfang Juli Bedenken an, dass der Prozess ohne Kooperation des Zeugen «eine ganz schön schwierige Sache» sei. Kurz zuvor hatte der 21-Jährige zudem eine Zivilklage gleichen Inhalts gegen Spacey schnell wieder fallen gelassen. Sein Klient befinde sich auf einer «emotionalen Achterbahn», sagte Mitchell Garabedian, der Anwalt des jungen Mannes, kürzlich.

Die Verteidigung des früheren «House of Cards»-Stars plädierte schon länger dafür, dass die Anklage gegen Spacey fallen gelassen wird. Der Fall sei «lächerlich», erklärte Spaceys Verteidiger Alan Jackson im Juni.

Seit Herbst 2017 sind in mehr als 30 Fällen Vorwürfe zu sexuellen Übergriffen und Belästigungen gegen Spacey öffentlich vorgebracht worden. Als erstes hatte der Schauspieler Anthony Rapp («Star Trek: Discovery», «Rent») angegeben, als 14-Jähriger in den 80er Jahren belästigt worden zu sein.

Karriere in Scherben

Am Londoner Old Vic Theatre könnte Spacey in seiner Zeit als künstlerischer Direktor Berichten zufolge mindestens 20 Männer belästigt haben. In England waren in mehreren Fällen polizeiliche Ermittlungen angelaufen. Der Fall aus Nantucket war allerdings bislang der einzige, der vor ein Strafgericht gekommen war.

Der zweifache Oscar-Preisträger steht seither vor den Scherben seiner Karriere. Der Streaming-Dienst Netflix kündigte im Zuge der Enthüllungen die Zusammenarbeit mit dem Star der Serie «House of Cards» auf, in der es um Intrigen und das politische Washington geht.

Die Anschuldigungen gegen Spacey waren 2017 kurz nach den Missbrauchsvorwürfen gegen Filmmogul Harvey Weinstein bekanntgeworden. Mehrere solcher Fälle in der Unterhaltungsbranche lösten unter dem Stichwort #MeToo eine breite gesellschaftliche Debatte über Belästigung und Missbrauch aus. (chk/sda)

Erstellt: 18.07.2019, 02:51 Uhr

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