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«Surrealer» Freispruch für Sarkozy-Sohn

Jean Sarkozy, Sohn des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, ist vom Vorwurf der Fahrerflucht freigesprochen worden. Das Urteil hinterlässt einen faden Beigeschmack.

In dem Prozess ging es um eine Bagatelle, die wegen des prominenten Beschuldigten für viele Schlagzeilen sorgte: Der Sarkozy-Sprössling soll im Oktober 2005 auf der Place de la Concorde mit seinem Motorroller den BMW es 37-jährigen Arbeitslosen M'Hamed Bellouti gerammt und sich anschliessend aus dem Staub gemacht haben. Der Beifahrer hatte sich das Kennzeichen des Rollers gemerkt. Als der Eigentümer des Scooters auf das Anschreiben von Belloutis Versicherung nicht reagierte, stellte dieser Anzeige - zunächst ohne zu wissen, dass es sich um den Präsidentensohn handelte.

Sarkozy erhält 2000 Euro Schadensersatz

Der Pariser Strafgerichtshof brummte nun dem Kläger Schadensersatz wegen Verfahrensmissbrauchs auf. 2000 Euro muss er dem aufstrebenden Jean Sarkozy zahlen, weil er diesen zu Unrecht angezeigt haben soll.

«Ich wusste, dass wir vor der Justiz nicht gleich sind», sagte der Prozessverlierer Bellouti. «Aber sich 2000 Euro wegen böswilliger Beschuldigung von mir zahlen zu lassen, das ist surreal.» Ob er in Berufung geht, liess Bellouti, sichtlich geknickt, am Montag offen. Er selbst hatte 260 Euro für den Unfallschaden und 4000 Euro Erstattung für seine Auslagen verlangt.

Jean Sarkozy wurde in dem Prozess von Staranwalt Thierry Herzog vertreten. Dieser hatte das Verfahren immer wieder verzögert und liess schliesslich ein Gutachten einholen, wonach der Schaden am BMW gar nicht vom Motorroller habe stammen können. Jean Sarkozy erklärte vor Gericht, er sei zum Zeitpunkt des angeblichen Unfalls in der Universität gewesen. Wie der Kläger aber an das Kennzeichen seines Zweirades gekommen ist, konnten weder er noch sein Anwalt erklären. Statt dessen warfen sie Bellouti vor, er habe von der Prominenz Jean Sarkozys profitieren wollen.

Schaden von politischer Karriere abgewendet

Der junge Mann mit dem schulterlangen Engelshaar hatte im Frühjahr mit viel Furore und reichlich Ellenbogeneinsatz seine politische Karriere gestartet. «Ich wusste, dass er über dem Gesetz steht», sagte Bellouti nach der Urteilsverkündung. «Aber in dem Ausmass? Das ist beunruhigend für die Justiz und für die Republik.»

Herzog, Familienanwalt der Sarkozys, wies die Anschuldigungen zurück. «Wir haben nie etwas anderes gesagt, als dass die Vorwürfe haltlos sind», betonte er. «Das Recht ist für alle gleich, die Justiz hat nur ihre Aufgabe erfüllt.»

Der Eindruck, es sei von Vorteil, Nicolas Sarkozy als Vater oder Freund zu haben, wird von dem jüngsten Urteil allerdings nicht korrigiert. Vor zwei Jahren war Jean Sarkozy sein Roller gestohlen worden. Sein Vater war damals noch Innenminister. Sein Polizeiapparat wurde heftig auf Trab gebracht, DNA-Spuren wurden genommen. Nach zwei Tagen war der Scooter wieder da und drei Verdächtige gefasst - während vergleichbare Fälle sonst in der Regel im Sande verlaufen. Und vor wenigen Wochen liess Sarkozy den Polizeichef von Korsika feuern. Der Grund: Er hatte nicht verhindert, dass Demonstranten in den Garten eines engen Freundes des Präsidenten eindrangen.

AP/cpm

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