«Top Gear» und der Erzengel Gabriel

Jeremy Clarkson gibt sich scheinheilig. Er hatte Argentinier mit dem Falklandkrieg von 1982 provoziert.

Der Porsche mit dem umstrittenen Kennzeichen. Foto: Autoblog Argentina

Der Porsche mit dem umstrittenen Kennzeichen. Foto: Autoblog Argentina

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In Argentinien wird gegen ihn ermittelt. Auch in London muss er Rede und Antwort stehen. Jeremy Clarkson, der langjährige Moderator der britischen Fernsehserie «Top Gear», hat bei einer Porsche-Testfahrt in Südamerika viel Staub aufgewirbelt. Er hat so viel Ärger erregt, dass er und sein Team das Land fluchtartig verlassen mussten.

Clarkson selbst hält sich für völlig unschuldig. Aber das nehmen ihm die Argentinier nicht ab. Anlass für den Streit war das Kennzeichen H982 FKL, mit dem der Brite vor kurzem in seinem Luxusgefährt in Patagonien aufkreuzte.

Darin sahen die Einheimischen eine klare Anspielung auf den Falklandkrieg von 1982. Der Krieg ist bis heute eine offene Wunde in Argentinien geblieben. Clarkson habe in dieser Wunde stochern wollen, klagten seine Gastgeber. Der Brite wies das nachdrücklich zurück. Es habe sich um «reinen Zufall» gehandelt, versicherte er.

Tatsächlich ist es in England möglich, für einen Aufpreis spezielle Autokennzeichen zu kaufen. Und genau das, hiess es in Argentinien, habe Clarkson getan. Immerhin haftet dem 54-jährigen Autofreak und «Top-Gear»-Moderator der Ruf an, ein unverbesserlicher Chauvinist und Militarist zu sein.

«Nazis», «Schlitzaugen»

Clarkson hat sich in der Vergangenheit schon einen Spass daraus gemacht, ganze Völker zu beleidigen. Fabrikarbeiter bei BMW hat er einmal locker als «Nazis» abgetan. Zu Leuten aus Burma fiel ihm das Wort «Schlitzaugen» ein. Von Rumänien bis Mexiko hat er verspottet, was ihm als minderwertige Kultur vorkam. In einer Weihnachtssondersendung zog er dermassen abfällig über Indien her, dass die indische Regierung eine förmliche Beschwerde an die BBC richtete. Zwischendurch hat er die «Boys» in Bagdad besucht, um ihnen zu ihrem heroischen Kampf gegen Britanniens Feinde zu gratulieren.

Kein Wunder, dass man in Argentinien Übles witterte, als Clarkson mit dem Nummernschild H982 FKL ins Land gerollt kam. Wütende Stimmen erhoben sich. Fäuste wurden geschüttelt. Ein paar Steine flogen. Eine üble Meute sei mit Axtstielen auf das Team losgegangen und habe «Brennt die Autos nieder!» gerufen, berichtete Clarkson später.

In ihrem Fünfsternhotel belagert von zornigen Argentiniern, unter denen sich offenbar auch Falklandveteranen befanden, beschlossen Clarkson und seine Mitarbeiter, ihre Lateinamerikatour abzubrechen. Sie wurden unter Polizeischutz zum Flughafen gebracht. Ihre drei Testwagen liessen sie zurück.

Die Argentinier öffneten die Kofferräume der abgestellten Wagen. Und fanden darin zusätzliche Nummernschilder, die Clarkson und seine Leute als Reserve mit sich geführt und anscheinend auch benutzt hatten. Die Rechtmässigkeit dieser Benutzung auf argentinischen Strassen untersucht jetzt die argentinische Justiz.

Grobe Beleidigung

Eines der Schilder war von besonderem Interesse. Es trug den Schriftzug BE11 END. «Bellend», etwa «Pimmelkopf», ist im Englischen ein grobes Schimpfwort. Die Entdeckung des BE11 END-Nummernschilds hat nun auch die BBC aufhorchen lassen, die ihren Star Clarkson bisher hartnäckig verteidigte.

War H982 FKL vielleicht doch kein Zufall gewesen? Sondern gewollte Provokation? Im Mai dieses Jahres hatte der Sender bereits «eine letzte Warnung» ausgesprochen, als Clarkson einen Kinderreim vor sich hin murmelte, in dem das Wort «Nigger» vorkam.

Clarkson aber seufzt nur noch, wenn ihm solche Warnungen überbracht werde. Den Ansprüchen seiner Chefs, meint er, könne ja niemand genügen – «nicht mal der Erzengel Gabriel».

Erstellt: 14.10.2014, 22:03 Uhr

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