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Warum sich Gunter Sachs das Leben nahm

Er habe erkannt, dass er «an der ausweglosen Krankheit A.» erkrankt sei, schrieb Gunther Sachs in einem Abschiedsbrief. Der 78-Jährige erschoss sich am Samstag in seinem Haus in Gstaad.

Gunter Sachs im Winter 2009 auf einem Winterspaziergang in St. Moritz.
Gunter Sachs im Winter 2009 auf einem Winterspaziergang in St. Moritz.
Reuters
Gunter Sachs hat sich am 7. Mai 2011 in Gstaad das Leben genommen. Zuletzt war er auch als Fotograf tätig. Hier bei seiner Ausstellung «Gunter Sachs, Die Kunst ist weiblich ...» im Museum der bildenden Künste in Leipzig, 1. März 2008.
Gunter Sachs hat sich am 7. Mai 2011 in Gstaad das Leben genommen. Zuletzt war er auch als Fotograf tätig. Hier bei seiner Ausstellung «Gunter Sachs, Die Kunst ist weiblich ...» im Museum der bildenden Künste in Leipzig, 1. März 2008.
Eckehard Schulz, Keystone
Gunter Sachs vor seinen grossformatigen Portraits von jungen Frauen an der Photexpo-Ausstellung, undatierte Aufnahme.
Gunter Sachs vor seinen grossformatigen Portraits von jungen Frauen an der Photexpo-Ausstellung, undatierte Aufnahme.
Keystone
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Der deutsch-schweizerische Kunstsammler, Lebemann und Fotograf Gunter Sachs ist tot. Der 78-Jährige hat sich am Wochenende im bernischen Gstaad das Leben genommen. In einem Abschiedsbrief (siehe Kasten) schrieb er, dass er an «der ausweglosen Krankheit A.» litt. «Der Verlust der geistigen Kontrolle über mein Leben wäre ein würdeloser Zustand, dem ich mich entschlossen habe, entschieden entgegenzutreten», heisst es in dem Brief.

Die Veröffentlichung des Briefes, der von Sachs unterschrieben worden ist, sei dessen persönlicher Wunsch gewesen, schrieb seine Familie in einer Mitteilung.

Laut einem Mitarbeiter der Einsatzzentrale der Polizei in Thun BE habe sich Sachs in seinem Haus in Gstaad erschossen. Die Kantonspolizei Bern wollte diese Angaben auf Anfrage nicht bestätigen.

Wachsende Vergesslichkeit

Sachs schrieb in seinem Abschiedsbrief weiter, er stelle «heute noch in keiner Weise» ein Fehlen oder einen Rückgang seines logischen Denkens fest. Eine wachsende Vergesslichkeit, die rapide Verschlechterung seines Gedächtnisses und des seiner Bildung entsprechenden Sprachschatzes würden aber schon jetzt zu «gelegentlichen Verzögerungen in Konversationen» führen.

«Jene Bedrohung galt mir schon immer als einziges Kriterium, meinem Leben ein Ende zu setzen», schrieb Sachs. Seine Familie teilte weiter mit, das Begräbnis finde im engsten Familienkreis statt. Sie bittet darum, ihre Privatsphäre zu respektieren.

Ehe mit Brigitte Bardot

Sachs, der drei Jahre lang mit der französischen Film-Diva Brigitte Bardot verheiratet war, galt in den 60er-Jahren wegen seines ausschweifenden Lebensstils als Playboy. Der Ururenkel des Opel-Gründers Adam Opel sorgte 1962 durch eine Liaison mit der persischen Ex-Kaiserin Soraya für Schlagzeilen.

Der Deutsche, der sich 1976 in der Schweiz einbürgern liess, war drei Mal verheiratet. Seine erste Frau Anne-Mari Faure starb 1958 an den Folgen eines Diagnosefehlers. 1966 heiratete er in Las Vegas Bardot. Die Ehe hielt nur drei Jahre.

Seit 1969 war der Industriellensohn mit dem ehemaligen schwedischen Fotomodell Mirja Larsson verheiratet. Er hatte drei Kinder - den 1955 geborenen Sohn Rolf aus erster Ehe und die Söhne Christian Gunnar und Claus Alexander aus der Verbindung mit Mirja.

Viele Schicksalsschläge

Sachs' Leben wurde von Schicksalsschlägen begleitet. Sein Vater nahm sich 1958 in seinem Jagdhaus das Leben. Im selben Jahr verlor Sachs seine erste Frau. Sein Bruder Ernst Wilhelm kam 1977 bei einem Lawinenunglück ums Leben.

Sachs, dessen erster Vorname Fritz war, wurde auf Schloss Mainberg bei Schweinfurt geboren. Er wuchs aber in der Schweiz bei seiner Mutter Eleonore von Opel auf. Sachs war von klein auf für Sensationen gut - mit 14 gewann er im Simultanschach gegen neun Lehrer seines Internats in St. Gallen.

Nach seinem Schulabschluss studierte er Mathematik und Wirtschaft. Danach absolvierte er eine Feinmechaniker- sowie eine Banklehre und erwarb schliesslich noch ein französisches Dolmetscherdiplom. Bis in die sechziger Jahre vertrat er die Auslandsaktivitäten der Schweinfurter Sachs-Gruppe, die sein Bruder Ernst Wilhelm nach dem Tod des Vaters leitete.

Erfolg als Fotograf

Doch Sachs gab sich nicht nur dem Luxusleben hin. Er etablierte sich als international renommierter Fotograf. Seine Hauptmotive waren weibliche Akte und surreale Szenen. Seine Werke wurden in zahlreichen Ausstellungen gezeigt und erwiesen sich oft als Zuschauermagneten. Anerkennung bekam er für seine Ausstellung bei der Photokina 1974.

Sachs stand zu seiner Vorliebe für die schönen Dinge des Lebens. «Ob Pfau oder Frau, Fauna oder Flora. Jeder präsentiert sich lieber attraktiv als unscheinbar», sagte er 2009 anlässlich einer Ausstellung im Museum Frieder Burda. Ausserdem widmete sich Sachs der modernen Kunst. Er baute eine der bedeutendsten Kunstsammlungen mit Werken von Salvador Dalí, Andy Warhol, Roy Liechtenstein und Yves Klein auf.

Sachs drehte auch Dokumentarfilme, unter anderem über fremde Kulturen und Mythologien in der Südsee. Sein Wintersport-Film «Happening in White» erhielt zudem vor rund 40 Jahren den ersten Preis des Internationalen Olympischen Komitees.

SDA/ dapd/kpn,jak, pbe

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