Wildester Mensch des Internets nach Irrfahrt festgenommen

Software-Millionär John McAfee fällt immer wieder auf. Waffen, eine Jacht und die CIA sind Teil seiner neusten Eskapade.

John McAfee vor seiner Jacht in der Marina Hemingway auf Kuba. Der exzentrische Unternehmer wurde offenbar in der Dominikanischen Republik festgesetzt. Foto: Reuters

John McAfee vor seiner Jacht in der Marina Hemingway auf Kuba. Der exzentrische Unternehmer wurde offenbar in der Dominikanischen Republik festgesetzt. Foto: Reuters

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Waffen, Flucht, Verschwörungstheorien, Mordverdacht: John McAfees Leben ist so aufregend, dass Netflix daraus eine Serie machte – und Hollywood einen Film seiner Lebensgeschichte mit Johnny Depp in der Hauptrolle drehen wollte. Geplanter Titel: «Welcome to the Jungle».

Der exzentrische IT-Unternehmer ist so etwas wie das Maskottchen des Internets. Er hat Millionen mit Software verdient, Millionen verloren, inszeniert sich als Renegaten gegen alles und jeden, und behauptet, die CIA sei hinter ihm her. Auf Fotos hat er meist eine Kippe, einen Drink oder eine Pumpgun in der Hand. Er unterhält auf Twitter mehr als eine Million Follower mit seinen Eskapaden. In den vergangenen Tagen ist ein weiteres Kapitel in der McAfee-Saga dazugekommen.

Nach einer Irrfahrt durch die Karibik wurden McAfee, seine Frau Janice und vier andere Personen, darunter ein deutscher Staatsbürger, in einem Hafen der Dominikanischen Republik festgenommen. Die Sicherheitskräfte des Landes bestätigten die Festnahme vom Montag der Nachrichtenagentur AP zufolge. Seit Mittwochnacht ist er wieder auf freiem Fuss, wie er auf Twitter verkündete, garniert mit Fotos, auf denen er grinsend dominikanische Polizisten umarmt.

Am Dienstag hatte die dominikanische Internetplattform «Al Momento» berichtet, dass der 73-Jährige und seine Frau in einem Hafen in der Nähe der dominikanischen Stadt Puerto Plata an der Atlantikküste festgenommen worden seien. Die Zeitung «Puerto Plata Times» zeigte ein Video, das die Polizei bei der Durchsuchung der Jacht und bei der Präsentation ihrer Fundstücke zeigt: grosskalibrige Waffen, Munition und bündelweise Bargeld.

Probleme mit der US-Steuerbehörde

Reich wurde McAfee zunächst mit der nach ihm benannten Virenscanner-Software. Er verliess das Unternehmen schon 1994, seinen Namen trägt es bis heute. Einen Grossteil seines Vermögens soll er in der US-Immobilienkrise 2007 wieder verloren haben. Arm dürfte McAfee aber nicht sein. Er setzte früh auf den Erfolg von Kryptowährungen, in der Bitcoin-Szene gilt er als Influencer. Als CEO des McAfee Crypto Teams berät er Unternehmen, die mit Kryptowährungen Erfolg haben wollen.

Es ist eine Szene, in der Schwätzer und halbseidene Geschäftsleute an der Gier der Menschen auf hohe Spekulationsgewinne mitverdienen wollen. Vor allem lässt sich McAfee aber für Werbung gut bezahlen: 2018 erzählte er The Verge, dass er für einen einzigen Werbe-Tweet mehr als 100 000 Dollar verlangt.

Auf Fotos hat er meist eine Kippe, einen Drink oder eine Pumpgun in der Hand.

Im Januar hatte McAfee angekündigt, nach einem erfolglosen Versuch 2016 im kommenden Jahr Präsident werden zu wollen. Seine Kampagne müsse er jedoch von seinem Boot aus führen, da er zurzeit wegen seit acht Jahren nicht bezahlter Steuern von der US-Steuerbehörde IRS gesucht werde. Die Posse passt zu McAfees Politik, er bezeichnet sich als Libertären, er inszeniert sich als Freidenker-Genie, der so wenig Staat wie möglich braucht.

Weltweit bekannt wurde McAfee, als er 2012 nach dem Mord an seinem Nachbarn in seinem damaligen Wohnort in Belize von der Polizei befragt werden sollte. McAfee wurde nie als Verdächtiger gesucht, dennoch floh er unter abenteuerlichen Umständen nach Guatemala. Der damalige Präsident von Belize nannte McAfee öffentlich «paranoid, sogar bekloppt». In Haft täuschte er nach eigener Aussage mehrere Herzattacken vor, um nicht ausgeliefert zu werden.

In Guatemala war er festgenommen worden, weil ein Reporter des Magazins «Vice» ein Foto von McAfee im Netz gepostet hatte, ohne die Geodaten des Bildes zu löschen. Etwas Ähnliches könnte McAfee auch diesmal zum Verhängnis geworden sein.

Wie ein Plakat für einen billigen Actionfilm

Die vergangenen Monate verbrachte er auf seiner Jacht und in verschiedenen Häfen der Karibik wie den Bahamas oder Kuba. Von dort aus meldete er sich immer wieder zu aktuellen Themen der US-Politik – zuletzt am 16. Juli. Vor wenigen Tagen ging dann ein Tweet des 73-Jährigen durchs Internet, der seine Fans ebenso elektrisierte wie jene, die ihn für einen Spinner halten.

In der viel geteilten Fotonachricht behauptete McAfee, der US-Auslandsgeheimdienst CIA habe versucht, ihn «einzusammeln». Er sei aber entkommen und jetzt wieder auf hoher See. Das zugehörige Bild zeigte McAfee und seine Frau Janice schwer bewaffnet auf ihrer Jacht, der Great Mystery. Das Foto erinnerte an Werbeplakate für billige Actionfilme aus den 1980ern. Es passte also perfekt zu John McAfee, dem Trash-König der IT-Szene.

Einige Tage nach Veröffentlichung des Waffen-Fotos schrieb McAfee, dass er hoffe, bald wieder an Land gehen zu können. Wasser und Klimaanlage an Bord seien ausgefallen. Einer der Tweets, die er an diesem Tag absetzte, war jedoch, ob absichtlich oder nicht, mit einer Ortsangabe versehen: Puerto Plata, Dominikanische Republik. Mit dem Waffenbild könnte McAfee den dortigen Behörden einen guten Grund geliefert haben, seine Jacht zu durchsuchen, mit dem Tweet ein paar Tage später einen Hinweis, wo sie ihn finden könnten.

Erstellt: 25.07.2019, 16:04 Uhr

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