Wo ist der Mann mit dem faltbaren Kajak?

Arjen Kamphuis ist ein Fachmann fürs Verborgen bleiben und soll Wikileaks beraten haben. Nun ist er verschwunden.

Sein Verschwinden beschäftigt die Welt: Wikileaks-Berater Arjen Kamphuis. Bild: Dennis van Zuijlekom

Sein Verschwinden beschäftigt die Welt: Wikileaks-Berater Arjen Kamphuis. Bild: Dennis van Zuijlekom

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Seine Sachen trieben im Meer, ein norwegischer Fischer hat sie geborgen. Um was es sich genau handelt, will die Polizei nicht verraten, doch offenbar sind es Dinge, die eindeutig Arjen Kamphuis zugeordnet werden können. Der Niederländer war im nördlichen Norwegen in den Wanderferien und wird seit bald vier Wochen vermisst.

Kamphuis’ Verschwinden beschäftigt die Welt. Die «New York Times» berichtet, «Russia Today» ebenfalls, im Internet rumort es. Denn Kamphuis soll ein Mitarbeiter oder zumindest Unterstützer von Wikileaks sein, der Enthüllungsplattform, die seit 2010 mit einiger Fahrlässigkeit geheime Armee- und Regierungsdokumente der USA öffentlich macht und deren Gründer Julian Assange sich seit Jahren auf der ecuadorianischen Botschaft in London versteckt. Ist Arjen Kamphuis ermordet worden, entführt? Von der CIA? Russland? Oder ist Kamphuis selber untergetaucht?

Zuletzt gesehen worden sei er am 20. August, schreibt die niederländische Polizei. Kamphuis habe aus seinem Hotel im Städtchen Bodø ausgecheckt und wohl dunkle Outdoorkleidung getragen und ein faltbares Kajak dabeigehabt. Er habe durch die Fjorde paddeln wollen. Kamphuis ist etwa 1,80 Meter gross, 46 Jahre alt, trägt langes, rotblondes Haar. Trotz der Brille kann man ihn sich gut als Darsteller in einem «Herr der Ringe»-Film vorstellen. Auf Twitter beschreibt er sich als stolzen Geek und Wanderer.

Die norwegische Polizei veröffentlichte dieses Foto des faltbaren Kajaks. Bild: Keystone

Am 22. August hätte Kamphuis heim in die Niederlande fliegen sollen. Er trat den Flug nie an. Kollegen aus seiner Beratungsfirma meldete ihn am 29. August als vermisst, Freunde starteten eine Kampagne, #FindArjen. Noch am 30. August sei Kamphuis’ Handy für 20 Minuten eingeschaltet gewesen, schreibt die niederländische Polizei. Dann sei die SIM-Karte entfernt und gegen eine deutsche ausgetauscht worden. Dies alles in der Nähe von Vikeså im Süden Norwegens, 1500 Kilometer von Bodø entfernt. Die Polizei schliesst weder Unfall noch Verbrechen aus. Anfang September will ihn ein Zeuge in Dänemark gesehen haben, andere meldeten ein verlassenes Zelt auf den Lofoten. Aber keine Spur führte weiter.

Mit Arjen Kamphuis wird ein Mann gesucht, dessen Geschäft das Unentdecktbleiben ist. Er selber nennt sich einen «digital defence instructor», also einen Lehrer für digitale Verteidigung. Kamphuis hat ein Gratishandbuch über aktiven Datenschutz geschrieben und bringt Journalisten, Anwälten und eben auch Aktivisten bei, wie sie ihre Daten und Kommunikationskanäle vor unerwünschtem Zugriff bewahren. Er arbeite für «Menschen überall auf der Welt, die ein Geheimnis für sich bewahren müssen», wie er im März bei einem Auftritt an der Universität Delft sagte. Auf Twitter zeigt er ein Foto von sich, wie er in Schutzweste Kriegsreporter zu sicherer Kommunikation berät.

Ob er wirklich auch Wikileaks beraten hat, ist bis jetzt unklar. Er kritisiert die US-Geheimdienste, aber ist kein radikaler Staatsgegner. Er hat niederländische und europäische Abgeordnete in Sachen Datenschutz beraten – und dabei auch vor China gewarnt, das Europa über freiwillig gekaufte chinesische Software ausspioniere. China. Noch ein Tatverdächtiger.

Erstellt: 14.09.2018, 09:47 Uhr

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