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Zwischen Blumen und Verfassung

Die russische Weltmeisterin Jelena Issinbajewa soll an der neuen Verfassung mitwirken – auch wenn sie das kaum interessiert.

MeinungEkaterina Kel
Steht eindeutig hinter Wladimir Putin: Die ehemalige russische Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa. Foto: Imago
Steht eindeutig hinter Wladimir Putin: Die ehemalige russische Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa. Foto: Imago

Zwei Olympiasiege, drei Weltmeistertitel, Unmengen von Muskeln – und der russische Präsident Wladimir Putin lacht ein wenig verlegen. Warum? Weil die ehemalige russische Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa, eine der erfolgreichsten Leistungssportlerinnen seines Landes, frohlockend zugibt, eigentlich kein grosses Interesse an der Staatsverfassung zu haben – bisher jedenfalls. Aber jetzt, da habe sie das Dokument schätzen gelernt, sagt Issinbajewa. «Das ist ein sehr wichtiges Buch. Ich habe sehr viel Interessantes erfahren.»

Was genau ihr Interesse weckte, liess die 37-Jährige in einer kurzen Rede allerdings offen. Dabei ist diese Information durchaus von Belang für die etwa 144 Millionen Einwohner des Staates. Schliesslich sitzt Issinbajewa zusammen mit 74 anderen Auserwählten in einer Arbeitsgruppe zur Verfassungsänderung. Gemeinsam mit systemtreuen Bürokraten sollen sie Vorschläge ausarbeiten, welche Änderungen die Verfassung des russischen Staates benötigt. Putin kündigte am 15. Januar einen Umbau der Verfassung an. Seitdem rätselt das ganze Land, wie genau er seine Macht darin nach Ende seiner Amtszeit 2024 verankern will.

Der Auftritt der Leichtathletin, der wie eine kokette Nebenbemerkung wirkt, soll wohl die etwas unpassende Ehre kaschieren, die sie von Kremls Gnaden erhalten hatte. Warum sollte jemand an der Änderung der Verfassung mitarbeiten, der sich noch nie zuvor damit beschäftigt hat? So lautet auch die Kritik an der Arbeitsgruppe, dass nur wenige Mitglieder sich in Fragen des Verfassungsrechts auskennen. Vorschläge wie die Nennung Russlands als Sieger des Zweiten Weltkriegs oder das Verankern der Ehe zwischen Mann und Frau in der Verfassung finden umso schneller glühende Anhänger unter den Beratern.

Den militärischen Dienstgrad Major trägt die ewig lächelnde Prominente mit Stolz.

Issinbajewa hätte gegen Letzteres nichts einzuwenden. Im Jahr 2013 kommentierte sie die in Regenbogenfarben lackierten Fingernägel schwedischer Athletinnen mit den Worten: «Wenn wir dieser Kultur erlauben, sich auszubreiten und das alles auf der Strasse zu treiben, müssen wir um unser Land fürchten.» Dieser Satz brachte ihr harsche Kritik ein, kurz nachdem Russland per Gesetz «homosexuelle Propaganda» verboten hatte. Wenig später ruderte sie zurück und verwies auf ihr schlechtes Englisch.

Mittlerweile hat sie mit Englisch kein Problem mehr. Als Putin der Arbeitsgruppe zur Verfassungsänderung einen Besuch abstattete, hat sie auf ihrem Instagram-Profil eher die Frage interessiert, mit welcher Blume ihre Follower sie assoziierten: «Friends, what flower or plant do you associate me with?», postete die Sportlerin unter einem Selfie. Ob dieser Versuch der Selbstfindung in irgendeiner Weise in die russische Verfassung einfliesst, bleibt offen. Denkbar wäre auch, dass Issinbajewa sich darauf vorbereitet, aus ihrem Namen eine Marke zu machen – der entsprechende Antrag ging wohl schon vor einigen Jahren im russischen Patentamt ein.

Politisch steht Issinbajewa eindeutig hinter Putin: Vor den letzten Wahlen schloss sie sich dem sogenannten Putin-Team an, einer Unterstützergruppe des Präsidenten. Den militärischen Dienstgrad Major trägt die ewig lächelnde Prominente mit Stolz.

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