«Meine Grossmutter hatte ihn gewarnt»

Boris Nemzows Tochter war zu Gast bei Günther Jauch: Zhanna Nemzowa sprach kaum über Trauer – sie klagte lieber Präsident Putin an.

«Man wird Schuldige finden. Aber ob dies die wahren Schuldigen sind, wissen wir nicht»: Zhanna Nemzow bei Günther Jauch. (9. März 2015)

«Man wird Schuldige finden. Aber ob dies die wahren Schuldigen sind, wissen wir nicht»: Zhanna Nemzow bei Günther Jauch. (9. März 2015) Bild: ARD

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«Putins Russland – auf dem Weg zur Diktatur?»: Unter dieses Thema stellte Günther Jauch seine gestrige Sendung. Unter anderem war die Tochter des ermordeten Oppositionspolitikers Boris Nemzow zu Gast. Zhanna Nemzowa arbeitet als Wirtschaftsjournalistin beim Fernsehen in Russland. Sie trug vergangene Woche ihren Vater zu Grabe.

Jetzt ist Zhanna Nemzowa zu Besuch in Deutschland. Sie hat eine klare Meinung zum Thema der Sendung: «Es gibt bereits eine Diktatur in Russland, und dieser dreiste Mord bedeutet, dass die Machthabenden die rote Linie überschritten haben.»

Die 30-Jährige wirkt souverän und gefasst. Nemzowa dankte den Tausenden Menschen für deren Anteilnahme. Sie spricht wenig über Trauer und den Verlust ihres Vaters. Stattdessen klagt sie die politischen Machthaber in Russland an.

Zum Mord sagte die 30-Jährige:

  • «Für mich war der Mord ein Schock. Mein Vater stand unter Druck. Die komplette russische Medienlandschaft war gegen ihn. Er wurde beschattet, er wurde abgehört.»»

  • «Boris Nemzow dachte, man würde ihn ins Gefängnis stecken.»

  • «Meine Grossmutter hatte ihn gewarnt, dass Putin ihn umbringen werde.»

Ist skeptisch gegenüber den Behörden: Zhanna Nemzowa (Foto: Keystone; 9. März 2015)

Gestern wurden in Moskau fünf Verdächtige vor Gericht gestellt. Alle Männer stammen aus Tschetschenien, dem Krisenherd im Süden Russlands. Einer der Männer hat laut russischer Justiz ein Geständnis abgelegt.

Zu den Ermittlungen sagte Nemzowa:

  • «Ich traue den Ermittlungsbehörden nicht.»

  • «Natürlich werden sie die Schuldigen finden. Aber ob dies die wahren Schuldigen sind, wissen wir nicht.»

  • «Wir wissen nicht, wer die Auftraggeber sind, und ich glaube, dass wir die Wahrheit lange nicht erfahren werden.»

Jetzt reise die 30-Jährige nach Italien, um Freunde zu treffen, sagte sie. Danach werde sie nach Russland zurückkehren und nannte den 15. März als Datum, als müsste sie dies beweisen.

(spu)

Erstellt: 09.03.2015, 09:58 Uhr

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