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Miss Unverfroren

Eine junge Frau vertritt Usbekistan an der Miss-World-Wahl. Doch ihr Land scheint etwas dagegen zu haben.

Die 18-jährige Rachima Ganiewa ist angeblich die erste Vertreterin Usbekistans bei der Miss-World-Wahl.
Die 18-jährige Rachima Ganiewa ist angeblich die erste Vertreterin Usbekistans bei der Miss-World-Wahl.
PD
Stimmt, was auf Ganiewas Scherpe steht? In Taschkent weiss man nichts von Ganiewas Teilnahme, ...
Stimmt, was auf Ganiewas Scherpe steht? In Taschkent weiss man nichts von Ganiewas Teilnahme, ...
Made Nagi, Keystone
... Im muslimischen Land kam es zu heftigen Protesten. Und zu einer Alternativveranstaltung: Der Wahl zur Miss Mulismah World.
... Im muslimischen Land kam es zu heftigen Protesten. Und zu einer Alternativveranstaltung: Der Wahl zur Miss Mulismah World.
Dita Alangkara, Keystone
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Sie ist jung, hübsch, hat lange Beine und lange Haare. Sie trägt eine Schärpe mit der Aufschrift «Miss Usbekistan» und will in einer guten Woche Miss World werden. Das einzige Problem: Rachima Ganiewa wurde nie zur Miss Usbekistan gewählt. Und dürfte deshalb auch nicht unter den 131 Bewerberinnen für den Miss-World-Titel sein.

Eigentlich begann Ganiewas Geschichte rosig: Sie sei die erste Schönheitskönigin ihres Landes, sagten die Miss-World-Veranstalter. Eine kleine Revolution für ein Land, das bis 1991 Teil der Sowjetunion war und in dem fast 90 Prozent der Bevölkerung Muslime sind. Es wäre also auch nicht überraschend, gäbe es in der Hauptstadt Taschkent tatsächlich gar keine Misswahl.

Und genau das sagte das usbekische Kulturministerium, als die Vorbereitungen zur Wahl schon in vollem Gange waren. Wie die zentralasiatische Radiostation Free Europe/Radio Liberty herausfand, hatten weder das Kulturministerium noch das nationale Frauenkomitee Usbekistans etwas von Rachima Ganiewas Kandidatur gewusst. Geschweige denn von einer angeblichen Miss-Usbekistan-Wahl. Das regionale News-Portal Mezon kontaktierte zehn verschiedene Modelagenturen in Taschkent. Auch dort kannte niemand Ganiewa oder hatte etwas von einer Wahl in Taschkent gehört.

Ähnlichkeit mit der Präsidententochter

Doch diese vermeintliche Wahl wird immer noch auf der Website der Miss-World-Veranstalter aufgeführt. Am 20. Juli dieses Jahres habe sich Geniewa in ihrem Land für die Miss-World-Wahl qualifiziert. Und die 18-Jährige befindet sich weiterhin auf der Teilnehmerliste.

In Usbekistan ist ob der ominösen Miss eine heftige Debatte im Gange. Ganiewa ähnle der Präsidententochter Gulnara Karimowa, sagen manche. Diese war über den Vergleich aber wenig erfreut und tweetete: «Sie ähnelt eher einem tadschikischen Mädchen», was für eine Usbekin eine üble Beleidigung ist. Auch Zhawon Komolow, ein usbekischer Modelscout, scheint nicht sehr glücklich mit der selbst ernannten Kandidatin. «Hätte eine Miss-Wahl in unserem Land stattgefunden, hätten wir mit Sicherheit ein schöneres Mädchen gewählt», sagte er gegenüber Mezon.

Ausser der Tatsache, dass Rachima Ganiewa aus dem Nichts auftauchte, ist wenig über sie bekannt. Sie spiele Klavier und beginne im Herbst mit einem Wirtschaftsstudium in Taschkent, sagt sie in ihrem Vorstellungsvideo auf der Miss-World-Website. Und sorgte damit für eine weitere Minikontroverse: Das Video wurde am 15. August aufgeschaltet, die Taschkenter Studenten erhalten aber erst später Bescheid, ob sie von der Uni aufgenommen wurden oder nicht.

Kein Kommentar

Rachima Ganiewa ignoriert derweil den ganzen Trubel. Ebenso die Miss-World-Veranstalter, die wohl mit den Querelen um den Austragungsort der Wahl in Indonesien genug zu tun haben. Muslime protestierten gegen die Wahl – alternativ wurde in Jakarta vor kurzem die Miss Muslimah World gekürt.

Der Ärger der Usbeken über die unverfrorene Miss ist verständlich, wenn man bedenkt, wie viel Konkurrenz Rachima Ganiewa bei einem Wettbewerb gehabt hätte. Usbekistan ist zwar nicht sehr dicht besiedelt. 17 Millionen – mehr als die Hälfte – der Einwohner sind allerdings unter 30 Jahre alt. Bleiben 8,5 Millionen Usbekinnen im besten Missenalter.

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