Polizei findet Mädchen nach 18 Jahren wieder

18 Jahre lebt ein Mädchen bei einer Frau, die sie für ihre Mutter hält. Dann befällt sie ein Verdacht – sie gibt eine DNA-Probe ab, deren Ergebnis ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt.

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Die US-Behörden haben ein vor 18 Jahren als Säugling entführtes Mädchen wohlbehalten wiedergefunden. Die Jugendliche sei mithilfe einer DNA-Analyse identifiziert worden, sagte heute der Sheriff von Jacksonville in Florida, Mike Williams. Die 18-Jährige habe in Walterboro in South Carolina gelebt und sei bei guter Gesundheit, aber von der Nachricht völlig überwältigt. Die 51-jährige Frau, die das Mädchen grossgezogen habe, sei wegen Entführung festgenommen worden.

Williams sagte, die Verdächtige habe sich als Krankenschwester ausgegeben und das gerade einmal acht Stunden alte Kind 1998 aus dem Spital entführt. Ein grossangelegte Suche mit Hubschraubern und einer Stadt im Alarmzustand sei ohne Ergebnis geblieben. Tausende im Laufe der Jahre eingegangene Hinweise hätten die Ermittler nie auf eine heisse Spur geführt.

Torte zum Geburtstag

Die leibliche Mutter gab die Hoffnung nie auf. Sie backe jedes Jahr eine Geburtstagtorte und wickle sie in Folie, sagte sie 2008, am zehnten Geburtstag ihrer verschollenen Tochter, in einem Zeitungsinterview. Doch es reibe sie auf, jeden Morgen aufzuwachen und zu wissen, dass ihre Tochter irgendwo sei, sie aber keine Möglichkeit habe, mit ihr zu sprechen oder sie zu erreichen.

Williams sagte, das Mädchen habe all die Jahre keine Ahnung von seinem wirklichen Namen gehabt. Vor ein paar Monaten habe sie aber wohl doch eine Ahnung befallen. Damals habe das Zentrum für vermisste und ausgebeutete Kinder in dem Fall noch einmal die Initiative ergriffen. Die Jugendliche habe einen Abstrich für eine DNA-Analyse machen lassen, der sich jetzt als Treffer erwies.

«Wie ihr Vater...»

Die leibliche Familie der jungen Frau brach in Freudentränen aus, als sie ein Beamter über das Ermittlungsergebnis informierte. Stunden später hatten die Verwandten per Videoschaltung Kontakt zu ihrer verloren geglaubten Tochter. «Sie sieht genau wie ihr Papa aus», sagte ihre Grossmutter väterlicherseits anschliessend der Nachrichtenagentur AP. «Sie sagte uns, dass sie bald hier sein will, um uns zu sehen.»

Sheriff Williams sagte, die 18-Jährige stehe erst am Beginn eines Prozesses, in dem sie damit klarkommen müsse, dass ihr ihre Identität gestohlen wurde. «Sie hat viel aufzuarbeiten», sagte Williams. Er selbst habe noch nicht einmal angefangen, das zu begreifen. Die Jugendliche werde betreut und mache ihre Sache so gut, wie man sich das nur vorstellen könne.

Ihre Grossmutter bekannte, sie sei sehr aufgeregt. «Ich habe immer gebetet: «Lass mich nicht sterben, bevor ich mein grosses Baby sehe», sagte sie. «Mein Gebet ist erhört worden.» (nag/sda)

Erstellt: 13.01.2017, 20:02 Uhr

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