Gegen Kreuzfahrtkapitän aus Budapest wird bereits ermittelt

Der 64-jährige Ukrainer soll im April in den Niederlanden in einen Zusammenprall mit einem Öltanker verwickelt sein.

Wegen der starken Strömung der Donau gestalten sich die Rettungsaktionen als besonders schwierig. (Keystone/Laszlo Balogh/31. Mai 2019)

Wegen der starken Strömung der Donau gestalten sich die Rettungsaktionen als besonders schwierig. (Keystone/Laszlo Balogh/31. Mai 2019)

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Gut eine Woche nach dem tödlichen Schiffsunglück auf der Donau in Budapest sind neue Vorwürfe gegen den Kapitän des beteiligten Flusskreuzfahrtschiffes bekannt geworden. Gegen den 64-jährigen Ukrainer wird bereits wegen eines Vorfalls in den Niederlanden ermittelt, wie die Budapester Staatsanwaltschaft am Donnerstag bestätigte.

Ungarische Medien hatten berichtet, der Mann habe am 1. April nahe der niederländischen Stadt Terneuzen mit einem anderen Schiff der Reederei Viking einen Öltanker gerammt. Die Staatsanwaltschaft bestätigte unter Berufung auf Angaben der europäischen Justizbehörde Eurojust, dass in den Niederlanden gegen den Mann ermittelt werde. Zu dem Vorfall selbst macht sie aber keine Angaben.

Die Basler Reederei Viking River Cruises stellt den Fall anders als die ungarischen Medien dar. Der 64-jährige Ukrainer sei wohl am 1. April in Holland an Bord der Viking Idun gewesen, er habe zum Zeitpunkt des Vorfalls aber nicht als Kapitän des Schiffes gedient. «Die Viking Idun stand unter dem Kommando eines anderen Kapitäns», erklärt ein Sprecher der Viking River Cruises. «Wir können jedoch momentan keine weiteren Kommentare abgeben, solange die Untersuchungen zu beiden Vorfällen noch nicht abgeschlossen sind.»

Mittlerweile 17 geborgene Tote

Der ukrainische Kapitän war nach dem Unglück auf der Donau verhaftet worden. In Ungarn wird gegen ihn wegen einer Gefährdung des Schiffsverkehrs mit Todesfolge ermittelt. Seine Anwälte waren am Donnerstag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Zwei Tage nach dem Unglück hatten sie erklärt, der 64-Jährige sei wegen den Unfalls «am Boden zerstört», er habe aber keinen Fehler gemacht.

Das Flusskreuzfahrtschiff «Viking Sigyn» war am Mittwoch vergangener Woche auf einem bei Touristen beliebten Abschnitt der Donau im Stadtzentrum von Budapest mit einem kleineren Ausflugsboot zusammengestossen. Das kleine Boot mit 33 südkoreanischen Passagieren und zwei Besatzungsmitgliedern an Bord sank innerhalb weniger Sekunden. Nur sieben Insassen konnten sich retten.

Video: Zusammenprall auf der Donau

Eine Webcam hat den Zusammenprall der beiden Boote in Budapest festgehalten. (Video: Idökep)

Die Zahl der geborgenen Toten ist mittlerweile auf 17 gestiegen. Am Donnerstag wurden nach Angaben der ungarischen Behörden die Leichen von zwei weiteren südkoreanischen Urlaubern identifiziert. Elf Menschen wurden noch vermisst – neun Südkoreaner und die beiden ungarischen Besatzungsmitglieder.

Wegen der starken Strömung konnten Taucher bisher nicht ins Innere des Schiffswracks vordringen. Am Mittwoch traf in Budapest zwar ein Kran ein, mit dem das Wrack aus der Donau gezogen werden soll. Dies wird jedoch frühestens am Wochenende möglich sein, wenn der Pegelstand der Donau gesunken ist. (fal/afp)

Erstellt: 06.06.2019, 20:39 Uhr

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