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Trumps erste Mauer steht in Schottland

In Schottland versprach Donald Trump einen Golfplatz. Gebaut hat er aber vor allem eins: eine Mauer.

In Schottland ist man gar nicht gut zu sprechen auf den neuen US-Präsidenten. (Video: Tamedia/AFP)

Hunderte Arbeitsplätze hat er versprochen, doch getan hat Donald Trump in Schottland vor allem eins: eine Mauer gebaut. Auf der Website seines Golfplatzes in Balmedie an der Nordsee wird dem künftigen US-Präsidenten zwar artig zum Wahlsieg gratuliert.

Doch die Einwohner finden kaum ein gutes Wort für den Milliardär aus Übersee, dessen Mutter in Schottland geboren wurde. «Man hat uns 1400 Jobs versprochen, ein Fünf-Sterne-Hotel, zwei Golfplätze und ein Reitzentrum», erinnert sich Michael Foote an die Anfänge von Trump in dem nördlich von Aberdeen gelegenen Ort. «Doch bekommen haben wir nichts davon.» Nur eine grosse Mauer habe der 70-Jährige errichten lassen. Er wolle die Wahlentscheidung der US-Bürger ja nicht kommentieren, sagt Foote, dessen Grundstück direkt an den Golfplatz grenzt. «Aber viel Spass mit ihm.»

«Nicht der ideale Nachbar»

Auch Finlay Muro ist wütend auf Trump. Auch er hat tatenlos zusehen müssen, wie entlang seiner Grundstücksgrenze die Golfplatz-Mauer hochgezogen wurde. «Das ist wirklich nicht der ideale Nachbar», sagt der junge Mann mit dem roten Bart über den US-Milliardär. «Wir hatten eine Menge Probleme mit ihm in den vergangenen zehn Jahren.»

Dabei sah 2006 alles so vielversprechend aus: Mit Enthusiasmus begrüssten die Einwohner die Pläne von Trump, der in Schottland auch noch einen anderen Golfplatz besitzt. Mehrere hundert Arbeitsplätze wolle er schaffen und eine Milliarde Euro investieren, kündigte der Immobilienmogul an. Damit überzeugte er auch die Politiker, von der schottischen Regierung wurde Trump zum Botschafter für Investitionen ernannt.

Titel entzogen

Diesen Titel ist der 70-Jährige inzwischen wieder los. Er wurde ihm nach seinem Wahlkampfvorschlag entzogen, im Kampf gegen den Terrorismus einfach die US-Grenzen für Muslime zu schliessen. «Die Aussagen von Herrn Trump haben gezeigt, dass er nicht würdig ist, Botschafter für Schottland zu sein», begründete im Dezember ein Regierungssprecher die Entscheidung.

Schon zuvor war es zu heftigem Streit zwischen dem Investor aus Übersee und der Regionalregierung gekommen. Trump wollte die Aufstellung von Windrädern bei seinem Golfplatz verhindern und machte sich dafür persönlich auf ins schottische Parlament. Unter anderem argumentierte er, dass sein Golfplatz den Tourismus fördere und die Region ernähre.

Schottland als böse Vorhut?

Darüber konnten Politiker und Anwohner nur lachen: Der Golfplatz zählt derzeit 95 Angestellte und machte 2014 und 2015 umgerechnet mehr als eine Million Euro Verlust.

«Schottland ist ein Beispiel dafür, was der Welt mit einem Präsidenten Trump bevorsteht», sagt der Dokumentarfilmer Anthony Baxter, der zwei Trump-kritische Filme gedreht hat. «Er hat angekündigt, dass er eine grosse Mauer zwischen Mexiko und den USA bauen wird. Wir hier in Schottland, wir wissen eins: Mauern bauen kann er.»

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