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Über 100 Festnahmen nach Razzien in Bordellen und Sexclubs

Um 6 Uhr fiel in Deutschland der Startschuss zum grössten Einsatz in der Geschichte der Bundespolizei. Im Visier: Menschenhändler.

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Polizisten überprüfen Personalien im Rotlichtmilieu. (18. April 2018)
Polizisten überprüfen Personalien im Rotlichtmilieu. (18. April 2018)
Axel Vogel, Keystone

Schlag gegen die organisierte Kriminalität: Mit einer bislang beispiellosen Grossrazzia hat die deutsche Bundespolizei ein mutmassliches Netzwerk im Schleuser- und Rotlichtmilieu zerschlagen. Mehr als 1500 Beamte durchsuchten am Mittwochmorgen zeitgleich 62 Bordelle, Büros und Wohnungen in zwölf Bundesländern, wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main mitteilte. Dabei vollstreckten die Beamten sieben Haftbefehle.

Laut Bundespolizei wurden mehr als 100 Menschen vorläufig festgenommen. Allerdings war zunächst unklar, um wen es sich bei den vorläufig Festgenommenen handelte und ob es gegen alle Betroffenen Verdachtsmomente im Zusammenhang mit dem Grosseinsatz gab, der sich gegen Schleusung, Zwangsprostitution, Vorenthalten von Löhnen sowie Steuerhinterziehung richtete. Nach Angaben der Ermittler handelte es sich bei der Razzia um die «grösste Zugriffs- und Durchsuchungsmassnahme seit Bestehen der Bundespolizei».

Zwei Hauptbeschuldigte

Hauptbeschuldigte in dem Verfahren sind laut Generalstaatsanwaltschaft eine 59-jährige Thailänderin und ihr 62-jähriger deutscher Lebensgefährte. Beide wurden in Siegen verhaftet. Sie sollen mit weiteren Mittätern ein bundesweites Netzwerk aufgebaut haben, das thailändische Frauen und Transsexuelle per Flugzeug nach Deutschland brachte, damit sie sich hier prostituieren.

Zum Kern der Gruppierung gehören nach Behördenangaben 17 Beschuldigte. Die 59-jährige mutmassliche Drahtzieherin soll in Thailand mit unbekannten Komplizen gezielt Frauen und Transsexuelle angeworben und mit Touristenvisa nach Deutschland gebracht haben. Hier arbeiteten die Betroffenen demnach zunächst überwiegend in drei Bordellen der beiden Hauptbeschuldigten in Siegen.

Rotationsprinzip

Die Eingeschleusten sollten nach Erkenntnissen der Behörden auf diese Weise vermeintliche Schulden für die Schleusung in Höhe von 16'000 bis 36'000 Euro sowie die Kosten für «Miete» und Verpflegung abarbeiten. Nach einer gewissen Verweildauer in den Siegener Bordellbetrieben sollen die Betroffenen dann «in einer Art Rotationsprinzip» in andere Bordelle gebracht worden sein, unter anderem in Maintal, Rastatt, Speyer und Saarbrücken.

Die Polizei konnte im Vorfeld der Razzia 32 betroffene Frauen und Transsexuelle konkret ermitteln. Die sieben Haftbefehle vollstreckten die Beamten in Siegen, Eschborn, Maintal, Rastatt und Saarbrücken. Insgesamt richten sich die Ermittlungen wegen bandenmässigen Einschleusens, Zwangsprostitution, Zuhälterei, Ausbeutung und Steuervergehen gegen 56 Beschuldigte – 41 Frauen und 15 Männer im Alter zwischen 26 und 66 Jahren.

Schwerpunkte der Grossrazzia waren Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen und Baden-Württemberg. An dem Einsatz war auch die Spezialeinheit GSG9 beteiligt. Nach den Worten des Oberstaatsanwalts Alexander Badle von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt gab es bei den Durchsuchungen «keine grösseren Widerstandshandlungen». Badle sprach vor Journalisten von einer «sehr erfolgreichen Massnahme».

Seehofer: Beispielloser Schlag

Bundesinnenminister Horst Seehofer erklärte, der Bundespolizei sei «ein harter und in seinem Ausmass beispielloser Schlag gegen ein bundesweit verzweigtes Netzwerk der Organisierten Kriminalität gelungen». Dem «skrupellosen Vorgehen» der mutmasslichen Täter und der damit verbundenen sexuellen Ausbeutung «in einem abscheulichen Ausmass» sei Polizeiaktion ein Ende gesetzt worden.

Bundespolizeipräsident Dieter Romann hob hervor, es gehe «den Kriminellen nicht um humanitäre Fluchthilfe, sondern um persönliche Bereicherung in Form menschenverachtender Ausbeutung». «Erneut zeigt sich: Organisierte Schleusungskriminalität ist häufig erst der Anfang für weitere Verbrechen.»

(AFP)

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