19-Jähriger erschiesst mit Kalaschnikow drei Menschen

Ohne erkennbares Motiv hat ein junger Mann in Südfrankreich mit einer Kalaschnikow auf offener Strasse drei Menschen getötet. Ein Augenzeuge berichtet, der Schütze sei während der Tat völlig «ruhig» gewesen.

Das Werk eines «Waffennarrs»: Ermittler suchen Beweise am Tatort. (26. April 2013)

Das Werk eines «Waffennarrs»: Ermittler suchen Beweise am Tatort. (26. April 2013) Bild: AFP

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Der offenbar psychisch gestörte 19-Jährige tötete in dem Ort Istres bei Marseille drei Männer und verletzte eine Frau, wie die Staatsanwaltschaft mitteilt. Laut Angaben vom Freitag kaufte der Mann die Waffe im Internet.

Der Schütze feuerte zunächst auf zwei 35 und 45 Jahre alte Männer, die vor ihren Häusern arbeiteten, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Die Männer erlagen ihren Verletzungen. Anschliessend verletzte der Angreifer eine Frau durch einen Schuss am Ohr, bevor er einen Mann am Lenkrad seines Autos erschoss. Kurz nach der nur einige Minuten dauernden Schiesserei wurde der Schütze von der Polizei gestellt. Er liess sich ohne Gegenwehr festnehmen.

Täter lief «ruhig» weiter

Ein Augenzeuge berichtete, nach den Schüssen auf das Auto sei der Täter völlig «ruhig» weitergelaufen. Die Kalaschnikow habe er gehalten wie beim Jagen, «wenn man sich dem Wild nähert».

Aus Ermittlerkreisen hiess es, der Schütze habe psychische Probleme. Bei seiner Festnahme habe er eine Gruppe mit Verbindung zum Terrornetzwerk al-Qaida erwähnt, die es nicht gibt. Wenig später habe er gesagt, er könne sich nicht erinnern, was geschehen sei. Demnach war er als «Waffennarr» bekannt und stand seit einem Jahr wegen Waffenbesitzes unter Überwachung der Justiz. Innenminister Manuel Valls reiste noch am Abend an den Tatort. Er versprach, es werde «alles getan, um zu verstehen, was passiert ist».

Kalaschnikow im Internet gekauft

Die Ermittler tappen aber weiter im Dunkeln. «Er hat keine rationale Erklärung gegeben und hatte keine Verbindung zu den Getöteten», sagte ein Ermittler. Demnach kaufte der 19-Jährige die Kalaschnikow im Internet. Die Waffe sei vor dem Verkauf zwar funktionsuntüchtig gemacht worden; der junge Mann habe das Sturmgewehr aber wieder scharf gemacht. Bei Durchsuchungen in den Wohnungen seiner Eltern fanden die Ermittler weitere Munition.

Die Behörden gingen davon aus, dass der Täter allein handelte. Es würden jedoch möglich kriminelle Verbindungen geprüft, hiess es. Bei seiner Festnahme gab der 19-Jährige aber den Namen eines Mannes an und sagte, dieser wolle in Paris ebenfalls eine Tat begehen. Der 24-Jährige wurde in der französischen Hauptstadt festgenommen, Innenminister Valls mahnte aber «Vorsicht» an. Es sei noch unklar, was dahinter stehe.

In der Hafenstadt Marseille und ihrer Umgebung haben sich in den vergangenen Monaten die Morde auf offener Strasse gehäuft. Bei den meisten Gewalttaten geht die Polizei von Abrechnungen unter Drogenbanden aus. Im Grossraum Marseille wurden im vergangenen Jahr bei solchen Abrechnungen 24 Menschen getötet. Auch dieses Jahr gab es bereits mehrere Morde. Vielfach wurden dabei Kalaschnikows eingesetzt. (bru/AFP)

Erstellt: 26.04.2013, 13:55 Uhr

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