2000 Kubikmeter Eis donnern vom Eiger

Zwischen Eigergipfel und dem Eigerjoch lösten sich am Dienstag Eismassen, was eine grosse Staubwolke zur Folge hatte.

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500 Höhenmeter westlich unterhalb des Eigergipfels sind rund 80 000 Kubikmeter Eis abbruchgefährdet. Am Dienstagmittag sind jetzt erstmals 2000 Kubikmeter vom untersten Bereich des Hängegletschers an der Eigerwestflanke abgebrochen, nachdem sich in den letzten Monaten immer wieder kleinere Eispakete abgelöst hatten.

Die Eis- und Schneemassen sind über die ganze Westflanke und neben dem Rotstock vorbei bis hinter den Bereich der Zwischenstation Eigergletscher der Jungfraubahn gestürzt. Zu Schaden kamen weder Mensch noch Tier, noch Infrastruktur; und auch von künftigen Abbrüchen geht laut Experten keine unmittelbare Gefahr aus – selbst wenn diese noch weit grössere Dimensionen annehmen sollten.

Trotzdem wird die Entwicklung des Gletscherverhaltens mit einem eigens dafür installierten Frühwarn- und Alarmsystem bestehend aus zwei Radargeräten und Webcams rund um die Uhr beobachtet. Als sehr nützlich erweist sich dabei das interferometrische Radar – eine Messmethode der neuesten Generation, welche genaueste Messungen des Rutschverhaltens selbst bei Nacht und Nebel erlaubt und jetzt erstmals auch bei einem Gletscher angewendet wird.

Dieses Frühwarnsystem ermöglicht den Jungfrau­bahnen, bei einem Worst-Case-Szenario den Aussenbereich des Bahnhofs Eigergletscher rechtzeitig zu evakuieren und die Züge anzuhalten.

Einzige Gefahr: Druckwelle

«Im allerschlimmsten Fall müssten wir den Aussenbereich des Bahnhofs Eigergletscher vorübergehend räumen lassen und die Züge stoppen», erklärt der Leiter Infrastruktur der Jungfraubahnen Jürg Lauper auf Anfrage. Die grösste Gefahr für bei der Station Eigergletscher im Freien herumstehende Menschen könnten bei einem wirklich grossen Abbruch nicht die Eis- und Schneemassen selber darstellen, sondern die Druckwelle, die durch die Eislawine entstehen könnte.

Die Jungfraubahnen liessen vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) in Davos eigens ein Gutachten erstellen, welches die möglichen Auswirkungen einer Eislawine aufzeigt. Berechnet wurden verschiedene Gefahrenszenarien wie Eisabbrüche mit und ohne Schneeaufnahme. «Mit den darin definierten Szenarien wurde uns sofort klar, dass eine intensive, kon­tinuierliche Überwachung unerlässlich ist», sagt Daniel Tobler.

Der Geologe und Geschäftsleiter der Geotest AG weiter: «Die Firma Geopraevent AG erhielt den Auftrag zur Entwicklung und Installation der Überwachungsanlage, und wir selber erarbeiteten das Sicherheitskonzept, kümmern uns um die Dateninterpretation, die tägliche Information der Jungfraubahnen und im Falle einer kritischen Situation die Koordination aller Aktivitäten.»

Mechanisch begründet

Die Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich beobachtet den namenlosen Hängegletscher am Eiger schon seit zehn Jahren. Im letzten Herbst stellte der ETH-Glaziologe Martin Funk eine Spaltenbildung fest – es entstand eine 200 Meter breite, absturzgefährdete Eislamelle – Grund genug für den Beizug der SLF-Fachleute.

«Dies hat übrigens nichts mit dem allgemeinen Gletscherrückgang zu tun, sondern ist rein mechanisch bedingt, da der Gletscher im betreffenden Bereich über die Felsen hinaushängt, sodass das Eis früher oder später wegen des eigenen Gewichts abbricht», erklärt Martin Funk. Der Glaziologe geht davon aus, dass die im Schnitt rund fünf Zentimeter pro Tag rutschenden Eismassen «nicht in einem grossen Paket runterkommen werden, sondern in wiederholten kleinen Abbrüchen». (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.04.2016, 12:53 Uhr

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