28 Stunden mit Ebola im Flugzeug

Monrovia - Brüssel - Dallas: Ein Ebola-Infizierter fliegt im Nebensitz, eine beunruhigende Vorstellung für Fluggäste.

Der später als Ebola-Fall entdeckte Eric Duncan flog als normaler Fluggast mit: Formular, das er vor Antreten des Fluges ausfüllen musste. (3. Oktober 2014)

Der später als Ebola-Fall entdeckte Eric Duncan flog als normaler Fluggast mit: Formular, das er vor Antreten des Fluges ausfüllen musste. (3. Oktober 2014) Bild: Keystone

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28 Stunden: So lange dauerte der Rückflug von Thomas Eric Duncan aus der liberianischen Hauptstadt Monrovia nach Dallas, wo er zu einem Familienbesuch erwartet wurde. Dann wurde er krank, Ärzte in einer texanischen Spezialklinik wiesen bei ihm Ebola nach - die erste Diagnose des tödlichen Virus innerhalb der Vereinigten Staaten überhaupt.

Anders als mehrere vorherige Patienten aus den USA wurde Duncan nicht mit einer isolierten Spezialmaschine von Liberia in die Heimat zurückgebracht - er sass stattdessen als regulärer Passagier neben anderen Fluggästen. 28 Stunden lang.

Trotz Beruhigung der Behörden beängstigend

Der erste offizielle Ebola-Fall in den USA besorgt nun Fluglinien, weil verängstigte Reisende von Flügen von oder über Westafrika absehen könnten. Dabei haben Gesundheitsexperten längst festgestellt: Ebola wird nicht übertragen, solange keine Symptome auftreten. Auch bei Duncan traten die Ebola-typischen Anzeichen erst Tage nach der Reise auf.

Beängstigend ist die Vorstellung trotzdem, dass ein Ebola-Infizierter auf dem Sitz neben einem Platz nimmt. Der US-Patient flog mit zwei Fluglinien und nahm insgesamt drei Flüge, bis er von Monrovia nach Dallas gelangt war. Dazwischen hatte er mehrere, längere Aufenthalte auf Flughäfen.

«Ausserordentlich unwahrscheinlich»

Duncan verliess Monrovia demnach am 19. September an Bord einer belgischen Fluggesellschaft zunächst in Richtung Brüssel. Nach sieben Stunden Aufenthalt stieg er in ein zweites Flugzeug, das ihn zum Dulles International Airport nahe Washington brachte. Nach weiteren drei Stunden am Flughafen brachte ihn eine dritte Passagiermaschine nach Dallas, wie die zuständige amerikanische Fluglinie bestätigte.

Bundesbehörden berichteten mehrmals davon, dass die weiteren Passagiere in den betroffenen Fliegern keinerlei Infektionsrisiken ausgesetzt waren. Ebola-Symptome bemerkte Duncan erst am 24. September, also fünf Tage nach dem Abflug. Am 25. September kam er dann ins Texas Health Presbyterian Hospital, wie die US-Seuchenschutzbehörde CDC klarstellte. Der Direktor der Allergie-Abteilung der Nationalen Gesundheitsinstitute NIHin Washington, Anthony Fauci, sagte, ohne die Symptome zur Flugzeit sei es «ausserordentlich unwahrscheinlich», dass Duncan irgendjemanden in den Flugzeugen angesteckt habe.

Fluglinien zittern

Der wirtschaftliche Aspekt des Vorfalls ist unabhängig von einer Ansteckung nicht ausser Acht zu lassen: Die Aktienkurse von amerikanischen Airlines fielen um 2,8 Prozent und mehr, ähnliche Werte meldeten europäische Fluglinien.

«Die Befürchtung ist: Wenn dies (die Ebola-Epidemie) schlimmer wird, würde das auch das Reiseverhalten der Menschen beeinflussen», sagt der Analyst Joseph DeNardi. Man könne aus Sicht der Fluglinien nur hoffen, dass die Gesundheitsbehörden Recht damit behielten, dass sie Ebola unter Kontrolle halten können. Gesundheitsmitarbeiter weltweit berichten, Flughäfen in Afrika, Europa und den USAhätten alle notwendigen Schutzmassnahmen ergriffen, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Die Seuchenschutzbehörde hatte die Fluggesellschaften darüber informiert, dass Duncan in ihren Maschinen gesessen hatte.

Der Fokus der Gesundheitsbehörden liegt dennoch woanders: In einem Interview der Nachrichtenagentur AP sagte CDC-Direktor Tom Frieden, seine Behörde konzentriere sich darauf, jeden aufzufinden, der in Kontakt mit Duncan kam - allerdings erst, nachdem bei ihm die Symptome aufgetreten seien. Insgesamt 18 Menschen aus dem Umfeld des Patienten wurden bislang unter Beobachtung gestellt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.10.2014, 09:36 Uhr

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