300 Neonazis an Konzert in Ebnat-Kappel

Letzte Woche verhinderten Behörden, dass in Gossau ZH ein Konzert rechtsradikaler Bands stattfinden konnte. Doch die Veranstalter fanden eine Alternative: Die Neonazis feierten in einem Berggasthaus.

Die Konzerte wurden auf Flugblättern angekündigt: «Blood and Honour»-Mitglieder an einer Demonstration.

Die Konzerte wurden auf Flugblättern angekündigt: «Blood and Honour»-Mitglieder an einer Demonstration. Bild: Keystone

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Zwischen 250 und 300 Personen haben am Samstagabend im Berghaus Girlen im toggenburgischen Ebnat-Kappel an einem Konzert rechtsextremer Bands teilgenommen. Die St. Galler Kantonspolizei beobachtete den Anlass. Dieser sei friedlich verlaufen.

Die Polizei habe erst sehr kurzfristig von der Durchführung des Konzerts in Ebnat-Kappel erfahren, sagte Polizeisprecher Gian Rezzoli auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Polizisten hätten den Anlass begleitet und beobachtet. Es seien keine Rechtsverletzungen festgestellt worden.

Über die Teilnehmer des privaten Anlasses und ihre Herkunft machte Rezzoli keine weiteren Angaben. Die Besucher reisten mit Autos an. Ein Teil von ihnen übernachtete im Berghaus, das auf 1150 Metern über Meer liegt, und reiste am Sonntag wieder ab.

Antifa Ostschweiz berichtete

Die Organisation Antifa Ostschweiz berichtete über das Neonazi-Konzert in Ebnat-Kappel. Die mehreren hundert Teilnehmer aus der Schweiz und dem Ausland hätten den 20. Todestag von Ian Stuart Donaldson begangen, heisst es in einer Mitteilung der Organisation vom Montag.

Donaldson war laut Antifa der Leadsänger einer rechtsextremen Band und Mitbegründer des internationalen Neonazi-Netzwerks «Blood&Honour» (Blut und Ehre). Er starb 1993 bei einem Autounfall. Beim Konzert in Ebnat-Kappel trat laut Antifa unter anderem die Schweizer Rechts-Rockband «Amok» auf.

Absage in Gossau ZH

Die Durchführung des Konzerts war ursprünglich im zürcherischen Gossau geplant. Dort wollten die Veranstalter eine Festhütte mieten, angeblich für eine Geburtstagsparty. Als die Behörden in Gossau ZH erfuhren, dass rechtsextreme Bands auftreten sollten, erteilten sie den Veranstaltern eine Absage (Tagesanzeiger.ch berichtete).

Diese wichen kurzfristig nach Ebnat-Kappel SG aus. Im Dorf habe man vom Konzert nichts gemerkt, sagte der Gemeindepräsident von Ebnat-Kappel, Christian Spoerlé, auf Anfrage. Gegenüber dem Vermieter hätten die Veranstalter angegeben, eine Geburtstagsfeier oder eine Hochzeit mit 50 Personen durchzuführen.

Sachbeschädigungen

Laut Spoerlé soll es während des Konzerts im Berghaus Girlen zu Sachbeschädigungen gekommen sein. Die Veranstalter hätten diese Schäden bezahlt.

Das Berghaus Girlen diente im vergangenen Winter als Unterkunft für 50 Asylsuchende. Ende Oktober sollen die Asylbewerber für die Wintermonate ins Berghaus zurückkehren. Während des Sommers sind sie in Heiligkreuz bei Mels SG untergebracht. (kpn/sda)

Erstellt: 23.09.2013, 12:35 Uhr

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