42,6 Grad: Ein Tag für die Wettergeschichte

Glutofen Europa: In Deutschland, den Benelux-Ländern und Paris fielen die Temperaturrekorde am Donnerstag im Minutentakt.

Temperaturrekord in Paris: Am Donnerstag wurden in der Metropole 42,6 Grad gemessen. Foto: Getty Images/Owen Franken

Temperaturrekord in Paris: Am Donnerstag wurden in der Metropole 42,6 Grad gemessen. Foto: Getty Images/Owen Franken

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Die Hitzewelle pulverisierte am Donnerstag europaweit historische Temperaturrekorde – zumindest seit dem Start der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. In Deutschland wurde erstmals überhaupt über 41 Grad gemessen – und kurz darauf auch die 42-Grad-Marke geknackt.

Die Rekordhitze konzentrierte sich auf die Region rund um die Benelux-Länder, den Norden Frankreichs und den Westen Deutschlands.

Das niedersächsische Lingen war am Donnerstag mit 42,6 Grad nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) der heisseste Ort in Deutschland. An mehreren Orten gab es über 41 Grad, 25 Messstationen meldeten Werte über 40 Grad.

Erst am Mittwoch gab es mit 40,5 Grad in Geilenkirchen in Nordrhein-Westfalen einen Rekord. Zuvor hatte das unterfränkische Kitzingen vier Jahre lang seinen Ruf als heissester Ort Deutschlands behauptet. Dort waren im Sommer 2015 gleich zweimal 40,3 Grad gemessen worden. Dieser «Alt»-Rekord wurde nun gleich an 15 Messstationen gebrochen, in sechs der 16 Bundesländer gab es neue Höchstwerte.

Wegen der Hitze erlaubte die Deutsche Bahn ihren Kunden, ihre Fahrten kostenlos zu stornieren oder auf ein anderes Datum bis zum 4. August zu verschieben. Das Angebot gelte auch für Spartickets und Platzreservierungen, erklärt ein DB-Vorstand bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz.

Die Hitzewelle zeigte auch Auswirkungen auf technische Anlagen. So wird wegen steigender Wassertemperaturen in der Weser das Atomkraftwerk Grohnde in Südniedersachsen voraussichtlich am Freitagmittag vom Netz genommen.

«Normal ist das nicht mehr»

Die deutsche Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sieht in der aktuellen Hitzewelle eine Folge des Klimawandels. «Normal ist das in dieser Häufung jedenfalls nicht mehr», sagte Schulze zum derzeitigen Extremwetter. Vielmehr passten die langen Hitze- und Dürreperioden, wie sie derzeit zu beobachten seien, «exakt zu dem, was die Klimaforschung für Deutschland prophezeit hat».

In Lingen war es am Donnerstag 42,6 Grad heiss. Foto: Keystone

Die Ministerin äusserte die Erwartung, dass wegen des Klimawandels «solche Hitzewellen in Zukunft noch zunehmen» werden. Die Erderwärmung sei «in vollem Gange». «Gerade für ältere Menschen und Kinder ist das eine enorme Belastung», warnte Schulze. Als Gegenmittel helfe nur «konsequenter Klimaschutz» und «eine kluge Anpassung an die jetzt schon nicht mehr vermeidbaren Folgen des Klimawandels».

Erstmals 42 Grad in Paris

Erstmals über 42 Grad gab es auch in Paris. In der französischen Hauptstadt war es damit so heiss wie nie zuvor seit Beginn der Temperaturaufzeichnung. Gemessen wurde die Rekordhitze am Parc Montsouris im Süden der Metropole. Um 16.30 Uhr verzeichneten die Meteorologen dort 42,6 Grad. Der bisherige Rekord liegt bereits mehr als 70 Jahre zurück: Am 28. Juli 1947 wurden in Paris 40,4 Grad gemessen.

Abkühlung im Trocadero-Brunnen gegenüber dem Eiffelturm: Paris erlebte mit 42,6 Grad einen Hitzerekord. Foto: Reuters

Die linksgerichtete Pariser Tageszeitung «Libération» forderte aufgrund der Hitzerekorde ein Umdenken in der Städteplanung: «Wir müssen mehr Land in der Stadt schaffen. Niemand behauptet, dass Bäume in den Städten oder Gärten auf den Dächern von Hochhäusern die einzige Lösung sind. Dennoch ist es eine Tatsache, dass etwa in Frankreich die Oberfläche der Städte zwischen 1982 und 2011 um 42 Prozent zugenommen hat, was zur Versiegelung der Böden führt. Es ist an der Zeit, dass die Kommunalpolitiker mehr Grün in unsere Städte bringen.»

Französischer Rekord Ende Juni

Frankreich stöhnt in diesem Sommer bereits unter der zweiten Hitzewelle – Ende Juni wurde mit 46 Grad der Temperaturrekord für das ganze Land gebrochen. Der Spitzenwert wurde im südfranzösischen Ort Vérargues im Département Hérault am 28. Juni gemessen.

Abkühlung für einen Hund: Die heisseste Zeit des Hochsommers, vom 24. Juli bis 23. August, wird umgangssprachlich Hundstage genannt – abgeleitet vom Sternbild. Foto: Reuters

Wegen der extremen Hitze herrschte am Donnerstag in zahlreichen Départements im Nordosten des Landes Alarmstufe Rot. Innenminister Christophe Castaner erklärte, dass der öffentliche Dienst – also etwa Feuerwehren und Rettungskräfte – komplett mobilisiert worden sei.

Er appellierte, auf Mitbürger zu achten – ganz besonders auf Senioren und Kinder. Jeder könne einen Hitzeschlag erleiden, warnte er. Im Hitzesommer 2003 waren in Frankreich Tausende Menschen gestorben – seitdem gibt es bei Hitze zahlreiche Vorsichtsmassnahmen.

Über 40 Grad in Belgien und Holland

In Belgien wurde mit 40,6 Grad Celsius der erst am Mittwoch aufgestellte Rekord erneut gebrochen. Nach jüngsten Angaben wurden am Vortag 40,2 Grad gemessen, damit überschritt das Land erstmals seit Beginn der Wetteraufzeichnungen die 40-Grad-Marke.

Kühlendes Nass: Kinder spielen während der Rekordhitze von Brüssel. Foto: Reuters

Auch in den Niederlanden wurde der erst am Mittwoch aufgestellte Rekord schon wieder gebrochen und dabei auch erstmals die 40-Grad-Marke geknackt: 40,4 Grad war es am Donnerstag – noch mal ein halbes Grad heisser als am Mittwoch.

Schweizer Rekord aus dem Jahr 2003

In der Schweiz gab es keine Rekorde. Hier liegt der absolute Höchstwert in Genf bei 39,8 Grad, in Basel bei 38,6 Grad. Am Rhein gab es am Donnerstag 37,4 Grad, das ist immerhin der vierthöchste gemessene Wert. Auch in der Schweiz wurden aber schon mehr als 40 Grad gemessen: Am 11. August 2003 erreichte das Thermometer in Grono GR 41,5 Grad, respektive 40,5 Grad nach heutigen Messmethoden.

Die Hitzewellen dürften sich nach jüngsten Studien angesichts des von Menschen verursachten Klimawandels in Zukunft häufen und verstärken. Die in den Fachmagazinen «Nature» und «Nature Geoscience» veröffentlichten Forschungsarbeiten von Wissenschaftlern an der Universität Bern zeigen, dass der weltweite Temperaturanstieg der vergangenen Jahrzehnte in der jüngeren Menschheitsgeschichte beispiellos ist. Demnach gab es in den vergangenen 2000 Jahren noch nie einen so schnellen und weitverbreiteten Anstieg der Temperatur wie zum Ende des 20. Jahrhunderts.


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(anf/pvo/sda/afp)

Erstellt: 26.07.2019, 11:36 Uhr

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