Zahl der Todesopfer in Kalifornien steigt auf 59

Im Norden des US-Bundesstaats wurden acht weitere Leichen gefunden. Der Wiederaufbau dürfte Jahre dauern.

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Die Grossbrände in Kalifornien fordern jeden Tag mehr Opfer. Beim «Camp»-Feuer im Norden des Bundesstaats stieg die Zahl der Toten auf 59, nachdem in Trümmern acht weitere Leichen gefunden worden waren, wie der Sheriff von Butte County, Kory Honea, am Mittwochabend (Ortszeit) mitteilte. Dies sind mehr Tote als je zuvor bei einem Feuer in dem Bundesstaat. Von dem kleinen Ort Paradise blieben nur qualmende Ruinen übrig.

Die kalifornischen Behörden veröffentlichten am Mittwoch eine Liste mit 130 Vermissten. Die meisten von ihnen stammen aus Paradise. Bei der Suche nach Opfern durchkämmten in der Kleinstadt 461 Einsatzkräfte mit Hilfe von 22 Leichenspürhunden die verwüstete Gegend. Zugleich lief die Identifizierung bereits geborgener Leichen unter Hochdruck. Sheriff Honea rief Menschen dazu auf, von Donnerstag an DNA-Proben abzugeben, wenn sie vom Tod eines Angehörigen ausgehen.

Besonders betroffen: Die Ortschaft Paradise wurde fast komplett zerstört. (Video: Reuters)

Der Chef der Katastrophenschutzbehörde Fema, Brock Long, sagte, der Wiederaufbau und die vorübergehende Versorgung der Menschen dort seien eine enorme Herausforderung. Im Süden Kaliforniens bei Malibu nordwestlich von Los Angeles wütet weiter das «Woolsey»-Feuer. Beide Brände haben bereits Hunderte Quadratkilometer Wald und Tausende Häuser zerstört. Im Süden belief sich die Zahl der Todesopfer bislang auf zwei. Insgesamt starben bislang also 59 Menschen durch die verheerenden Feuer.

Paradise liegt rund 140 Kilometer nördlich von Sacramento, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Kalifornien. Karte: Google

Villen von Stars abgebrannt

In Südkalifornien frassen sich die Flammen durch die pittoreske hügelige Gegend rund um den Promi-Wohnort Malibu. Tausende Bewohner der Gegend mussten sich in Sicherheit bringen und ihre Häuser verlassen. Auch die Villen mehrerer in und um Malibu ansässiger Stars brannten ab - darunter die Häuser von Popstar Miley Cyrus und ihrem Lebensgefährten Liam Hemsworth sowie von Schauspieler Gerard Butler und TV-Moderator Thomas Gottschalk.

Seit einer Woche sind mehrere Tausend Feuerwehrleute im Einsatz, um die Flammen im Norden und im Süden Kaliforniens zu bekämpfen. Der Ort Paradise nördlich von Sacramento glich nach dem «Camp»-Inferno einer Geisterstadt, wie eine Reporterin der Deutschen Presse-Agentur vor Ort berichtete. Suchteams und Spürhunde arbeiten sich dort durch die Trümmer, um nach Leichen zu suchen. Mehrere Todesopfer seien noch nicht identifiziert, sagte Sheriff Honea am Mittwochabend (Ortszeit). DNA-Tests sollten dabei helfen. Die Zahl der Todesopfer könnte weiter steigen. 130 Menschen werden laut Honea dort derzeit noch vermisst.

«Wie in einem Kriegsgebiet»

Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown äusserte sich schockiert über das Ausmass der Zerstörung. «Es sieht aus wie ein Kriegsgebiet», sagte er. US-Innenminister Ryan Zinke, der die betroffenen Gebiete am Mittwoch besuchte, sprach von einer verheerenden Tragödie und betonte: «Das ist das schlimmste Feuer, das ich je gesehen habe.»

Katastrophenschützer Long sagte, es handle sich um ein komplexes Desaster, insbesondere wegen der völligen Zerstörung des Ortes Paradise. Die Helfer müssten sich dort zunächst vorsichtig durch die Trümmer arbeiten, um nach Toten zu suchen. Danach müssten die Trümmer weggeschafft werden. Die komplette Infrastruktur der Stadt müsse wieder aufgebaut werden.

«Ein sehr frustrierender Prozess»

In der Zwischenzeit müssten die Menschen untergebracht werden. Vorübergehend müssten Schulen und eine medizinische Versorgung für die Bewohner des Ortes organisiert werden. Und jene, deren Geschäfte abgebrannt seien, brauchten neue Jobs. «Das wird ein sehr langer und sehr frustrierender Prozess für die Menschen in Paradise.» Der Wiederaufbau werde Jahre dauern.

Derzeit sind viele Menschen in Notunterkünften untergebracht. Die Behörden sind besorgt, dass sich dort Krankheiten schnell ausbreiten könnten. Die Gesundheitsbehörde im Butte County rief die Bevölkerung auch auf, sich und besonders Kinder vor der rauchverschmutzten Luft zu schützen und drinnen zu bleiben.

(oli/fal/sda/afp)

Erstellt: 15.11.2018, 09:03 Uhr

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