Gouverneur ruft wegen Waldbränden Notstand aus

In Kalifornien wüten gleich mehrere grosse Brände. Feuerwehr und Polizei stehen rund um die Uhr im Einsatz.

Ein Jahr nach den verheerenden Waldbränden wüten in Kalifornien erneut Feuer. Video: Tamedia/AP

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Tausende Feuerwehrleute haben in der Nacht zum Montag gegen die sich weiter ausbreitenden Waldbrände im Norden Kaliforniens gekämpft. Gouverneur Gavin Newsom rief am Sonntag (Ortszeit) den Notstand für den gesamten US-Bundesstaat aus. Zehntausende Menschen wurden nach Angaben der Behörden angewiesen, ihre Häuser zu verlassen.

In Kalifornien wüten derzeit mehrere Waldbrände, die durch Hitze, Trockenheit und die Santa-Ana-Winde angefacht werden. In Los Angeles leitete die örtliche Feuerwehr am Montag Evakuierungsmassnahmen ein, nachdem in der Nähe des berühmten Getty-Museums ein «sehr dynamisches» Feuer ausgebrochen war. Besondere Sorge bereitet den Behörden die Lage in Sonoma, wo seit Mittwoch das «Kincade»-Feuer nahe der Stadt Santa Rosa wütet.

Gavin Newsom schaut sich die Folgen des verheerenden Feuers in seinem Bundesstaat an. (Keystone)

Gouverneur Newsom erklärte wegen der Auswirkungen der «beispiellosen» Winde den Ausnahmezustand in ganz Kalifornien. «Mehr als 3000 Menschen sind im Einsatz, um sicherzustellen, dass die Evakuierungen gut verlaufen und die Menschen sie ernst nehmen», teilte Newsom mit.

«Die Polizei kam mit Lautsprechern», sagte Kathy Amundson, die ihre 90-jährige Mutter Joy in ihr Auto setzte und dann in Sicherheit in eine Notunterkunft in der Stadt Petaluma brachte. «Wir rochen Rauch, aber wir konnten ihn nicht sehen», sagte sie. Der Polizeichef des Bezirks Sonoma, Mark Essick, sagte auf einer Pressekonferenz, dass hunderte Polizisten im Einsatz seien, um in den evakuierten Bereichen das Eigentum der Bewohner vor Plünderungen zu schützen.

Nur zehn Prozent unter Kontrolle

Mehr als 3000 Feuerwehrleute sowie Löschflugzeuge und Helikopter bekämpften das «Kincade»-Feuer. Es breitete sich nach Angaben der Feuerwehr in der Nacht zum Montag auf eine Fläche von mehr als 14'000 Hektar aus. Bis Sonntag war der Brand nur zu zehn Prozent unter Kontrolle. Die Behörden erwarten, das Feuer nicht vor dem 7. November vollständig eingedämmt zu haben.

Video: Verheerende Waldbrände in Kalifornien

Der Gouverneur des US-Bundesstaates hat den Notstand ausgerufen. (Video: Tamedia)

Die Flammen haben bereits Dutzende Gebäude zerstört, darunter auch das bekannte, 150 Jahre alte Weingut «Soda Rock Winery». «Wir sind am Boden zerstört», schrieben die Eigentümer auf Facebook. Das gesamte Personal sei in Sicherheit, hiess es in der Mitteilung.

Meteorologen warnten am Sonntag vor weiteren ungewöhnlich heftigen und anhaltenden Winden, die sich erst im Laufe des Montags abschwächen sollten. Ein Vertreter der Feuerwehr warnte vor einer noch grösseren Katastrophe, würde sich das Feuer weiter gegen Westen über die wichtige Verkehrsader, die Autobahn 101, hinaus ausbreiten. In dieser Gegend habe es seit den 40er Jahren keine Brände gegeben, die alten Büsche und Bäume in dieser Region seien deshalb «besonders trocken».

Hochspannungsleitung als mögliche Brandursache

Wegen der grossen Brandgefahr hatte Kaliforniens grösster Energieversorger PG&E (Pacific Gas & Electric) angekündigt, knapp einer Million Kunden Strom und Gas abzuschalten. Im vergangenen November hatten marode, beschädigte Stromleitungen von PG&E den verheerendsten Waldbrand in Kaliforniens Geschichte ausgelöst. Damals fielen insgesamt 86 Menschen den tödlichen Feuerwalzen zum Opfer.

Ein Vorfall an einer Hochspannungsleitung des Energieversorgers könnte auch Auslöser des «Kincade»-Feuers im Bezirk Sonoma sein. Gouverneur Newsom warf dem Unternehmen vor, seinen Profit «zu lange» über die Interessen der Menschen in Kalifornien gestellt zu haben. Dafür müsse es zur Rechenschaft gezogen werden. PG&E hat bereits vor Monaten Gläubigerschutz beantragt.

Weitgehend Entwarnung gaben die Behörden unterdessen für den Süden Kaliforniens. Rund 50'000 Menschen, die wegen des «Tick»-Feuers ihre Häuser rund um Santa Clara bei Los Angeles hatten verlassen müssen, konnten am Wochenende zurückkehren. (aru/fal/sda)

Erstellt: 28.10.2019, 16:59 Uhr

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