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500 Zugpassagiere über Nacht festgesteckt

Wegen der Eiseskälte mussten westlich von Chicago Züge ihre Fahrt unterbrechen, weil Schneemassen die Gleise versperrten.

«Innerhalb von 10 Minuten könnte man tot sein»: Ein Verkehrspolizist in Manhattan. (7. Januar 2014)
«Innerhalb von 10 Minuten könnte man tot sein»: Ein Verkehrspolizist in Manhattan. (7. Januar 2014)
AFP
Vor der Kälte davonrennen: Ein Jogger im Spiderman-Kostüm in Minneapolis. (6. Januar 2014)
Vor der Kälte davonrennen: Ein Jogger im Spiderman-Kostüm in Minneapolis. (6. Januar 2014)
Reuters
Über Nacht geschlossen: Der schneebedeckte Interstate 94 bei Detroit.
Über Nacht geschlossen: Der schneebedeckte Interstate 94 bei Detroit.
Keystone
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Die Extremkälte in den USA hat seit Sonntag mindestens 21 Menschen das Leben gekostet. Das teilten die Behörden am Dienstabend mit. Nachdem bereits am Vortag in Teilen des Kontinents das Thermometer immer neue Rekordtemperaturen anzeigte, sank sogar in Atlanta im südlichen US-Staat Georgia das Quecksilber auf Minus 13 Grad Celsius. Ungewöhnlich kalt war es auch es auch in Birmingham im US-Staat Alabama, Nashville in Tennessee und Little Rock in Arkansas.

Das Frieren könnte bald ein Ende haben: Für die kommenden Tage sagten Meteorologen für weite Teile der betroffenen Regionen wärmere Temperaturen voraus.

Bis zu 187 Millionen Menschen bekamen die bittere Kälte zu spüren, die sich nach und nach über die USA ausbreitete. Die Temperaturen lagen bereits am Montag vielerorts weit unter dem Gefrierpunkt.

Eiskalte Luft aus dem Polarkreis

In Chicago wurden minus 24 Grad Celsius gemessen, in den US-Staaten Oklahoma und Texas lag die gefühlte Temperatur gar bei minus 40 Grad Celsius. In Indiana fielen rund 30 Zentimeter Schnee, noch am Dienstag waren mehr als 15'000 Menschen ohne Strom.

Auch in Kanada war das Wetter eisig. In den Regionen Saskatchewan und Manitoba zeigte das Thermometer minus 30 Grad Celsius an, gefühlt war es gar minus 40 Grad kalt. In Neufundland hatten 5000 Menschen bis Dienstagabend keinen Strom.

Ursache für die schlimmste Kältewelle seit 20 Jahren ist ein Wetterphänomen, das eiskalte Luft direkt vom Polarkreis nach Nordamerika strömen lässt. Es breitete sich am Dienstag noch aus. Die gefühlten Temperaturen von bis zu tiefer als minus 50 Grad sollten am Mittwoch aber langsam klettern.

Temperatursturz in New York

Die Millionenmetropole New York erlebte binnen 24 Stunden einen dramatischen Temperatursturz von milden zwölf Grad plus auf minus 15 Grad. Die Einwohner wurden gewarnt, der heftige Frost gepaart mit eisigen Windböen könne die sogenannte gefühlte Temperatur («Windchill-Faktor») auf minus 31 Grad Celsius sinken lassen. Der viele Schnee, gerade erst teilweise getaut, sollte laut Vorhersage zu einer dicken Eisdecke frieren.

In den Neuengland-Staaten riefen die Behörden die Bevölkerung auf, sich auf beissende Kälte und eisige Windböen vorzubereiten. Selbst der Sonnenstaat Florida blieb nicht verschont. Über den Norden des Staates hinaus drohte Nachtfrost. In Atlanta im Bundesstaat Georgia war es mit 14 Grad unter null so kalt wie seit 44 Jahren nicht mehr.

Zugpassagiere übernachteten an Bord

Wegen des Winterwetters haben mehr als 500 Passagiere rund zwölf Stunden in feststeckenden Zügen übernachten müssen. Die Züge mussten ihre Fahrt am Montag westlich von Chicago unterbrechen, weil Schneemassen die Gleise versperrten, berichtete die «Chicago Tribune» am Dienstag online. Mitarbeiter versuchten vergeblich, die Züge freizubekommen.

Es sei sicherer gewesen, die Passagiere bei Licht, Wärme und mit Toiletten an Bord übernachten zu lassen, als sie bei Minusgraden mit Bussen ans Ziel zu bringen, sagte ein Sprecher des US-Bahnunternehmens Amtrack. Am Dienstagmorgen fuhren Busse die Menschen in Richtung Chicago.

Flugverkehr eingestellt

Auf dem Internationalen Flughafen von Toronto gefährdeten die eisigen Temperaturen die technische Ausrüstung und die Sicherheit der Angestellten. Deshalb wurde der Flugverkehr am Dienstagmorgen (Ortszeit) vorübergehend eingestellt, wie der Betreiber über den Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte.

Die Temperaturen lagen bereits am Montag vielerorts weit unter dem Gefrierpunkt. In Chicago wurden minus 27 Grad Celsius gemessen, in den US-Staaten Oklahoma und Texas lag die gefühlte Temperatur gar bei minus 40 Grad Celsius. In Indiana fielen rund 30 Zentimeter Schnee, noch am Dienstag waren mehr als 15 000 Menschen ohne Strom.

Nach dem Luft- und Bahnverkehr traf die Kältewelle auch die Raumfahrt. Wie die Weltraumbehörde Nasa mitteilte, wurde der Start des privaten Raumfrachters «Cygnus» zur Internationalen Raumstation ISS wegen der eisigen Temperaturen um mindestens einen Tag verschoben. Er soll jetzt frühestens am Mittwoch auf dem Weltraumbahnhof der Wallops Flight Facility im US-Staat Virginia abheben.

Bauern und Politiker betroffen

Landwirte in Südstaaten wie Florida sorgen sich um Salat, Tomaten, Mais, Erdbeeren und Zitrusfrüchte. Besonders die tropischen, auf Kälte empfindlich reagierenden Pflanzen könne das Winterwetter schädigen, warnten Meteorologen. In den Südstaaten Louisiana and Mississippi beeilten sich Landwirte mit einer vorgezogenen Zitronenernte, um die Früchte vor dem Kälteeinbruch zu retten.

Das Wetter legte zwischenzeitlich auch die US-Politik lahm. Weil das Wetter ihre Rückreise nach Washington behindert hatte, konnten 17 Abgeordnete am Montag nicht im Kongress erscheinen. Eine für Montagabend geplante Abstimmung im Senat zu staatlichen Leistungen für Arbeitslose musste deshalb um einen Tag verschoben werden. Auch Behörden und Verwaltungsstellen blieben in mehreren Bundesstaaten am Dienstag geschlossen.

5000 Menschen ohne Strom

«Die Kälte ist der Killer hier», sagte der Bürgermeister von Indianas Hauptstadt Indianapolis, Greg Ballard. Er wies Schulen und Unternehmen an, für einen weiteren Tag geschlossen zu bleiben. «Innerhalb von zehn Minuten könnte man ohne angemessene Kleidung tot sein», sagte er.

Auch in Kanada blieb das Wetter eisig. In den Regionen Saskatchewan und Manitoba zeigte das Thermometer minus 30 Grad Celsius an, gefühlt war es gar minus 40 Grad kalt. In Neufundland hatten 5000 Menschen keinen Strom.

Meteorologen gehen davon aus, dass die Kältewelle mindestens bis Mitte der Woche andauern wird - eher bis zum Wochenende. Für Mittwoch sagte der Nationale Wetterdienst in einigen Landesteilen erneut Schneefälle voraus, die in den vergangenen Tagen bereits den Verkehr auf Strassen und an Flughäfen behindert hatten.

Ungeachtet des kalten Wetters leiteten am Montagabend die Menschen in New Orleans die Karnevalsaison ein. Im bekannten Stadtteil French Quarter huldigten als Ritter, Bauern und Engel verkleidete Feierlustige der französischen Nationalheldin Jeanne d'Arc, die vor mehr als 600 Jahren zur Welt kam.

sda/AP/sly/chk

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