Aargauer gegen Amerikaner

Dem «Sonntag» des Verlagshauses AZ Medien droht in den USA eine Klage. Es geht um einen «beleidigenden und verleumderischen» Artikel über ein Modemagazin.

Wurde vor einer Millionenklage aus den USA gewarnt, reagierte aber erst nach Erscheinen des fraglichen Artikels: AZ-Verleger Peter Wanner.

Wurde vor einer Millionenklage aus den USA gewarnt, reagierte aber erst nach Erscheinen des fraglichen Artikels: AZ-Verleger Peter Wanner. Bild: Keystone

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Es war eine interessante Geschichte, die «Der Sonntag» Mitte Juni präsentierte. Mit «Der Teufel trägt ‹Runway›» war der Artikel betitelt, der sich mit dem amerikanischen Modemagazin «Runway» beschäftigte. Dieses soll von einer Investorengruppe in die Schweiz nach Europa gebracht werden.

Bei «Runway», so schrieb der «Sonntag», handle es sich um eine «amerikanische Zeitschrift, die es eigentlich gar nicht gibt». Bis auf eine im vergangenen November erstellten Nullnummer sei das Projekt in Europa kaum greifbar. Die Investoren, die das Magazin nach Europa bringen wollten, stünden vor einem Scherbenhaufen. «Runway» sei «keine geschützte Marke und schon gar nicht von den US-Amerikanern, die als Lizenzgeber auftreten». Der Lizenzvertrag könne als «wertlos» betrachtet werden, werden ehemalige Investoren zitiert. Unter den verbliebenen Investoren befindet sich auch der Basler Wirtschaftsanwalt Martin Wagner, einst BaZ-Verleger, heute Anwalt der Basler Zeitung Medien.

«Unverzügliche Korrektur» verlangt

Mit diesen Aussagen scheint sich die Sonntagszeitung der AZ Medien nun beträchtlichen Ärger eingehandelt zu haben. Die amerikanischen «Runway»-Macher drohen mit einer Klage. In einem auf Englisch verfassten Schreiben vom 2. Juli, das der BaZ vorliegt, verwahrt sich die Runway Beauty Inc. gegen im Artikel gemachte «bösartige Falschaussagen» in Bezug auf das Unternehmen und deren CEO Vincent Mazzotta.

Man verlange eine «unverzügliche Korrektur» der «schlichtweg haarsträubenden» Behauptungen, heisst es in dem vom kalifornischen Patent- und Markenanwalt Michael N. Cohen verfassten Brief an «Sonntag»-Chefredaktor Patrik Müller und Verleger Peter Wanner. Dem Schreiben beigelegt sind Dokumente, welche die Markenrechte von Runway Beauty auf den Titel «Runway Magazine» in den USA und Europa belegen sollen.

Ruf und Geschäft Schaden zugefügt

Bis nächste Woche hat der «Sonntag» laut Cohen nun Zeit, den «beleidigenden und verleumderischen» Artikel wiedergutzumachen. Doch daran denkt bei der Zeitung offenbar niemand. «Eine lokale Wirtschaftsgrösse hat gar eine US-Kanzlei eingeschaltet, die uns die Hölle heissmachen soll», schrieb Chefredaktor Müller am vergangenen Sonntag in seinem Editorial auf Seite 3. Davor hat Müller «Runway»-Anwalt Cohen am letzten Freitag in einem der BaZ vorliegenden E-Mail auf Deutsch wissen lassen: «Wir werden in dieser Gelegenheit idealerweise mit Martin Wagner verhandeln, um den es im Artikel geht.»

Fraglich ist allerdings, ob Wagner in dem Fall der richtige Ansprechpartner ist. Die potentiellen Kläger sitzen in den USA. Wenn bis nächsten Montag nichts passiere, empfehle er seinem Auftraggeber, den «Sonntag» zu verklagen, schreibt Cohen. Die Veröffentlichung des Artikels habe «meinem Klienten, dessen Ruf und Geschäft ernsthaft Schaden zugefügt».

Wanner reagierte erst nach Erscheinen des Artikels

Ein weiterer Vorwurf an den «Sonntag»: Es soll unsauber recherchiert worden sein. Mehrere Tage vor der Veröffentlichung des Artikels am 17. Juni hatte Wagner der Redaktion die Kontaktdaten von «Runway»-CFO Jay Falz vermittelt, der sich per E-Mail bereit erklärt hatte, jegliche Fragen zu «Runway Europe» zu beantworten. «Falz wurde nicht kontaktiert», sagt Wagner auf Anfrage der BaZ.

Darauf richtete sich Wagner an «Sonntag»-Verleger Peter Wanner und wies in einem der BaZ vorliegenden E-Mail auf die seiner Meinung nach mangelhafte Recherche hin. Wanner handle sich damit «in den USA eine Millionenklage ein», schrieb Wagner. Wanner reagierte nicht. Fast eine Woche später, der Artikel war bereits erschienen, folgte seine Replik: «Selber habe ich den Artikel erst in der Zeitung gelesen und glaube nicht, dass er ‹einklagefähig› ist.»

Europa wartet noch auf «Runway»

Martin Wagner sieht das nicht wie der Aargauer Verleger. «Meine Erfahrungen mit den USA und dieser Art von Journalismus sind andere», sagt er. «Das Klagerisiko ist in solchen Fällen sehr hoch.»

Wann die europäische Ausgabe von «Runway» schliesslich auf den Markt kommt, ist heute noch nicht geklärt. Laut Wagner soll das Projekt auf gutem Weg sein. In den USA ist die Zeitschrift indes seit mehreren Jahren greifbar. Der BaZ liegen die letzten zehn US-Ausgaben des vierteljährlich erscheinenden Magazins vor. Auf zwischen 120 bis 170 Seiten geht es dort um Mode, Lifestyle und Hollywood.

«Sonntag»-Chefredaktor Patrik Müller, dessen Stellvertreter Beat Schmid und Verleger Peter Wanner waren gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.07.2012, 10:51 Uhr

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