Absurde Rekordjagd am Mount Everest

Man könnte meinen, die Rekorde am höchsten Berg der Welt gingen langsam aus. Dass dem nicht so ist, zeigen derzeit gleich mehrere Bergsteiger mit teils merkwürdigen Projekten.

Eine Expedition allein reicht vielen noch lange nicht. Foto: Reuters

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In Zeiten von Hightech-Equipment und Fixseilen scheint schon länger nicht mehr das Erklimmen der 8848 Meter Höhe die grösste Herausforderung am höchsten Berg der Erde zu sein, sondern dort oben noch einen ungebrochenen Rekord zu finden. Derzeit befinden sich gegen 400 Bergsteiger am Mount Eve­rest, und gleich mehrere versuchen nicht nur auf den Gipfel, sondern auch ins «Guinness-Buch der Rekorde» zu klettern.

Noch einmal richtig wissen will es etwa der 83-jährige Nepalese Min Bahadur Sherchan. Er will der älteste Mann auf dem Mount Everest werden. Dies erklärten gestern die Behörden in Kathmandu. Und dabei war Sherchan schon einmal der Älteste auf dem Gipfel der Gipfel: 2008, als 76-Jähriger, holte er sich den ersehnten Eintrag im Rekordbuch. Doch der Japaner Yuichiro Miura jagte ihm den Titel vor zwei Jahren ab, als er mit 80 Jahren erfolgreich den Gipfel erklomm. Sherchan will die Schmach nicht auf sich sitzen lassen. «Ich möchte der Welt zeigen, wie mutig die nepalesischen Gurkha-Soldaten sind», sagte er vor dem Start in Kathmandu. Gurkha sind nepalesische Soldaten im Dienst der regulären britischen Armee.

Nicht nur beim Alter, auch im Bereich der Temporekorde scheint es noch Luft nach oben zu geben: Leela Bahadur Basnet aus Nepal möchte den Mount Everest in nur zehn Tagen erklimmen. Einen überraschenden Meilenstein am Everest möchte Gopal Shrestha, ebenfalls ein Nepalese, setzen. Er will es als erster Mensch mit HIV-Infektion auf den Everest zu schaffen.

Wahnwitziges Znacht

Dass mit viel Kreativität noch einige Rekorde zu holen sind, zeigt der Versuch des britischen Starkochs Sat Bains. Wie der «Telegraph» gestern berichtete, wollte Bains letzte Woche am Everest-Nordgrat auf 7100 Metern über Meer die höchste Dinnerparty der Geschichte durchführen. Schliesslich aber durchkreuzte die Höhe Bains’ Vorhaben – und dies bereits auf 5300 Metern, also nur wenig über dem Basecamp zum Nordgrat. Den mit zwei «Michelin»-Sternen dekorierten Koch aus Nottingham überkam die Höhenkrankheit, aus der sich ein lebensbedroh­liches Lungenödem bildete.

Bains war am Montag mit zehn Begleitern vom Basecamp auf 5150 Metern zu einem Training aufgebrochen, als sich wenig später ein Bruststechen bei Bains bemerkbar machte. Auf einem kürzeren Testlauf am folgenden Tag kamen als Symptome Husten und Kurzatmigkeit hinzu. Die Diagnose der Expeditionsärzte bedeutete das Ende für Bains’ Abenteuer. Zurzeit liegt er im Spital von Kathmandu, bevor er die Heimreise nach England antritt.

Luxus, gefriergetrocknet

Mit dem Versuch wollte Bains’ Team die Sherpa-Gemeinschaft unterstützen. Geplant war ein extra entwickeltes gefriergetrocknetes 3-Gang-Menü. Auf 7100 Metern sollten die Portionen mit Flüssigkeit erhitzt werden und wegen des tiefen Luftdrucks ungeahnte Gaumenfreuden bereiten. Auf der Speisekarte standen eine Maissuppe, Rind bourguignonne und ein Schokoladendessert mit Caramel.

Doch Foodwaste wird trotzdem nicht begangen: Die verbleibenden Gourmetabenteurer wollen den Rekordversuch ohne Bains zu Ende bringen. Die höchste Dinnerparty der Welt soll voraussichtlich am kommenden Donnerstag über dem Nordsattel des Everest nun doch noch stattfinden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.04.2015, 23:27 Uhr

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