Akupunktur hilft Eulen, wieder zu fliegen

Eine Klinik für Eulen bei Madrid setzt seit Jahren erfolgreich Akupunktur ein, um verletzte Vögel zu behandeln. Auch bei Schweizer Bauern ist Komplementärmedizin bekannt.

Völlig ruhig lässt der Steinkauz die Akupunkturbehandlung über sich ergehen. Foto: Gerard Julien (AFP)

Völlig ruhig lässt der Steinkauz die Akupunkturbehandlung über sich ergehen. Foto: Gerard Julien (AFP)

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Die kleine Eule, ein Steinkauz, wurde mit schweren Verletzungen in das Rettungszentrum Brinzal bei Madrid gebracht. «Der kleine Raubvogel war in vollem Flug in eine Röhre geflogen, die allerdings auf der Innenseite von einer Eisenstange versperrt war», schreibt die Organisation auf ihrer Website. «Der Zusammenprall löste eine Lähmung aus. Der Vogel konnte seine Flügel bewegen, aber nicht seine Beine.»

Konventionelle Behandlungsmethoden hätten den Zustand des Vogels zwar verbessert, doch die Lähmung der Beine sei nicht verschwunden. Fast zwei Monate lang wurde das Tier daraufhin mit Akupunktur behandelt, um seine Nerven wieder zu stimulieren. Einmal pro Woche kam die Tierärztin Edurne Cornejo, die sich auf Akupunktur und Homöopathie für Tiere spezialisiert hat, und behandelte den Vogel.

Cornejo sticht dem Vogel Nadeln in die Krallen, in den Kopf und den Rücken. «Am Anfang konnte der Vogel nicht stehen», erzählte sie der Nachrichtenagentur AFP. «Dann begann er, kleine Schritte zu machen. Inzwischen kann er wieder fliegen.»

Selbstheilung anregen

Die Akupunktur rege die Selbstheilungskräfte der Tiere an, sagt Cornejo, die in ihrer Praxis sonst vor allem Haustiere behandelt. «Und die Methode hat keinerlei Nebenwirkungen.»

Das Brinzal-Zentrum, das 1989 gegründet wurde, behandelt jedes Jahr etwa 1200 Eulen, die von der Bevölkerung dort abgegeben werden. Etwa 70 Prozent werden wieder gesund und können in die Wildnis zurückgebracht werden. «Wir bieten den Vögeln körperliche und psychologische Pflege», erklärt Brinzal-Direktorin Patricia Orejas.

Akupunktur setzt das Brinzal-Zentrum seit sechs Jahren ein, in Spanien wird die Methode seit den Achtzigerjahren für Tiere angewendet. Ein internationaler Akupunktur-Verband für Tier­ärzte wurde schon 1974 in den USA gegründet.

Auch auf dem Bauernhof

Auch in der Schweiz ist die Methode nicht unbekannt. Derzeit wird unter Schweizer Bauern und in der Politik darüber nachgedacht, die Menge der Antibiotika, die in der Tierzucht eingesetzt wird, drastisch zu reduzieren. Denn viele Bakterien haben Resistenzen gegen die Medikamente entwickelt. Als Alternative denken auch politisch konservative Bauernvertreter über Homöopathie und Akupunktur nach. FDP-Nationalrat und Landwirt Walter Müller sagte der Zeitung «20 Minuten», dass er selbst auf seinem Hof gute Erfahrungen mit Komplementärmedizin gemacht habe.

Der Steinkauz, der mithilfe der Akupunktur wieder laufen lernte, soll bald frei gelassen werden. «Das ist unser Ziel», sagt Orejas: «Dass sie uns davonfliegen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.12.2014, 21:28 Uhr

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