Alles wird gut im 2018

Neujahr: Silvester naht und damit die Zeit der Vorsätze und der netten Fantasien für das neue Jahr. Machen Sie es anders.

Menschen schauen sich von der Rudolf-Brun-Brücke in Zürich das Silvester Feuerwerk an. Bild: Nicola Pitaro

Menschen schauen sich von der Rudolf-Brun-Brücke in Zürich das Silvester Feuerwerk an. Bild: Nicola Pitaro

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Neues Jahr, neues Glück. Das Horoskop der Zeitschrift «annabelle» meint es gut mit mir, ich habe es genau gelesen, die Sterne stehen ­prächtig, unter Krebs ist geschrieben: «Sie ­wissen, was Sie wollen und wie Sie es bekommen.» Fantastisch. Doch halt: Das klingt zu schön, zu einfach – das kann nicht sein.

Ich sehe es kommen, die Tischbombe wird nicht zünden. Die SBB werden sich auf dem Weg zum Davoser Skiplausch auf unbestimmte Zeit verspäten. Ich lese im Zug, dass Skibindungen seit 30 Jahren keinen technischen Fortschritt mehr erlebt haben und darum all die Knieverletzungen geschehen. Also wird es mir auf der Piste das Kreuzband verdrehen und Kosten von 10'472 Franken verursachen. So viel kostet der Skiunfall im Schnitt, ich weiss das, die Beratungsstelle für Unfallverhütung hat es ausgerechnet.

Die Ruptur des Kreuzbands muss operiert werden, Ärztepfusch wird meinen Aufenthalt im Krankenhaus verlängern. Im Spital auf der Raucherterrasse verkümmert elend mein Vorsätzchen von täglich nur einer Zigarette zwischen 6 und 18 Uhr – im Park drehen Lungenkrebspatienten ihre Runden. Nach 18 Uhr soll dann mit Rauchen à discrétion das Leben spielen, doch erst muss ich im Krankenbett Thrombosestrümpfe tragen und in Zeitungen lesen, dass die Reichen schon wieder reicher geworden sind; dass der Franken schon wieder schockt; dass in Frankreich beim Silvesterbrauch des Autoanzündens ein neuer Rekord aufgestellt wurde: 5 Kilometer Brandruinen in Chassis-Form.

Am nächsten Morgen darf ich um 7 Uhr zusammen mit Presslufthammer und Kirchturmglocken aufwachen, ich döse wieder ein und träume von Laubbläsern.

Ei, wie gut das tut, den miesen Gedanken Auslauf zu lassen. Sie kommen wie von allein, sie sind in mir drin (und in Ihnen, liebe Leser!), es befreit und bestätigt, denn der nächste Tiefschlag kommt bestimmt. Irgendwann wird die Angst vor dem nächsten Taucher so gross, dass ich Ihnen mit vollster Überzeugung rate: Stehen Sie am 1. Januar nicht auf, bleiben Sie im Bett, dann wird alles gut! Wirklich.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.12.2017, 22:45 Uhr

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