Anne Sinclair schiesst gegen die Medien

Die Gattin des einstigen IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn hat sich in einem Zeitungsinterview zur Affäre um ihren Mann geäussert. Dabei geht sie mit der Presse hart ins Gericht – und erhebt schwere Vorwürfe.

«Es war eine harte Zeit»: Anne Sinclair.

«Es war eine harte Zeit»: Anne Sinclair. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Journalistin Anne Sinclair hat den Umgang der Medien mit ihrem Ehemann, dem zurückgetretenen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn, kritisiert. «Es war eine harte Zeit. Und nicht die angenehmste Erfahrung mit der Presse», sagte die 63-jährige Journalistin in einem Interview der «Welt am Sonntag». Der von einem New Yorker Zimmermädchen im vergangenen Mai gegen ihren Mann erhobene Vorwurf der Vergewaltigung sei zweifellos «Schlagzeilenmaterial» gewesen, aber habe nicht die Recherchemethoden der Medien gerechtfertigt.

«Es war legitim, über den Sachverhalt zu berichten, dessen politische Bedeutung ich auch gar nicht kleinrede», sagte Sinclair der «Welt am Sonntag». «Es geht um die Methoden, wie spioniert wurde, dieser Schlüssellochjournalismus, das war verletzend und diffamierend.» Selbst die seriöse Presse Frankreichs habe «erstaunlich boulevardeske Seiten» gezeigt, sagte die Fernsehjournalistin, die vor sechs Wochen die Leitung der französischen Ausgabe der US-Internetzeitung «Huffington Post» übernommen hat.

Sinclair berichtet auch über ihren Mann

Über die derzeit laufenden Ermittlungen in Lille zu ihrem Mann wegen der mutmasslichen Beteiligung an einer Prostitutionsaffäre versicherte Sinclair, ebenso zu berichten wie andere Medien auch. «Ich habe ganz klar zu Beginn meines Antritts der Redaktion gesagt, dass sie Nachrichten über meinen Mann genauso behandeln soll wie alle anderen auch», sagte Sinclair. «Ich habe es so gesagt und so gemacht. Einige französische Kollegen fanden das erstaunlich, gratulierten mir sogar dafür. Es ist mein Job. Fini.»

Strauss-Kahn war am 19. Mai 2011 als Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgetreten, nachdem er wenige Tage zuvor wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung eines Hotelzimmermädchens in New York festgenommen worden war. Ein Strafverfahren stellte die US-Justiz im August ein, da Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens aufgekommen waren. Ein zivilrechtliches Verfahren läuft aber noch. Der 62-jährige frühere Spitzenpolitiker der Sozialisten steht zudem wegen der Teilnahme an Sexpartys in Luxushotels in Paris und Washington im Visier der französischen Ermittler. (kpn/AFP)

Erstellt: 11.03.2012, 18:00 Uhr

Artikel zum Thema

Britische Wut auf Strauss-Kahn

Ein Debattierclub der Elite-Universität Cambridge hatte den Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn eingeladen, um über ökonomische Themen zu sprechen. Das gefiel nicht allen Studenten. Mehr...

«Damen wurden mir von Polizisten vorgestellt»

Am zweiten Tag in Folge wurde Dominique Strauss-Kahn über die Sex-Partys ausgefragt. Gegen Abend wurde er aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Gegessen ist die Angelegenheit damit aber noch nicht. Mehr...

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Schall und Rauch: Kiffer versammeln sich vor dem kanadischen Parlamentshaus in Ottawa, um bei der jährlichen sogenannten «4/20»-Demonstration teilzunehmen. Das Land hat den Cannabiskonsum legalisiert. (20. April 2018)
(Bild: Chris Wattie ) Mehr...