Arzt missbraucht Vergewaltigungsopfer

Ein Arzt hatte Patientinnen dazu gedrängt, bei ihm eine Psychotherapie zu machen, weil sie in der Kindheit vergewaltigt worden waren. Bei «Rollenspielen» missbrauchte er sie. Nun muss er ins Gefängnis.

Hat die Beschwerde des Mannes abgewiesen: Das Bundesgericht in Lausanne. (Archivbild)

Hat die Beschwerde des Mannes abgewiesen: Das Bundesgericht in Lausanne. (Archivbild) Bild: Keystone

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Ein Waadtländer Arzt muss definitiv ins Gefängnis, nachdem er zwei Patientinnen über Jahre sexuell missbraucht hat, die bei ihm wegen früher erlittener Vergewaltigungen in Behandlung waren. Das Bundesgericht hat die Beschwerde des Mannes abgewiesen.

Die beiden Frauen hatten dem Arzt anvertraut, dass sie in ihrer Kindheit beziehungsweise in ihrer Jugend vergewaltigt worden seien. Der Allgemeinmediziner mit psychiatrischer Zusatzausbildung überzeugte beide Patientinnen, sich bei ihm in Psychotherapie zu begeben, da nur er allein sie von ihrem Leid heilen könne.

In den über Jahre stattfindenden Therapiesitzungen inszenierte der Arzt «Rollenspiele», bei denen die früheren traumatischen Erlebnisse nochmals erlebt und verarbeitet werden sollten. Dabei betastete er die Frauen an den Brüsten und im Intimbereich.

Teilbedingte Strafe

Von der Notwendigkeit seiner Behandlungsmethode überzeugte er sie mit der Behauptung, dass sie sich danach weniger schmutzig fühlen würden. Im Fall einer Weigerung würden sie nie mehr ein normales Leben als Frau führen können. Beide Opfer isolierte er über die Jahre vollständig von ihrem privaten und beruflichen Umfeld.

Das Waadtländer Kantonsgericht verurteilte den Mann für seine Übergriffe 2012 wegen mehrfacher sexueller Nötigung zu 24 Monaten Freiheitsstrafe, zusätzlich zu bereits früher verhängten vier Monaten für Verkehrsdelikte. Neun Monate der ausgesprochenen Sanktion wurden unbedingt verhängt, der Rest bedingt.

Das Bundesgericht hat die Beschwerde des Mannes nun abgewiesen. Der Betroffene hatte unter anderem argumentiert, nie unrechtmässigen Zwang auf die beiden Frauen ausgeübt zu haben. Laut Gericht steht jedoch fest, dass er gegenüber seinen Opfern psychische Gewalt ausgeübt hat, um sie für die «Rollenspiele» gefügig zu machen. (rbi/sda)

Erstellt: 26.04.2013, 19:47 Uhr

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