Auch Schweizer haben Filme mit nackten Knaben bestellt – legal

Der deutsche Politiker Edathy hatte Filme bei einem Kinderporno-Produzenten bestellt. Auch 154 Schweizer liessen sich legal Material von nackten Knaben liefern. Die Rechtslücke sorgt für Unverständnis.

Löste mit seinem Filmkonsum eine Staatsaffäre aus: Der deutsche SPD-Parlamentarier Sebastian Edathy. (31. Januar 2013)

Löste mit seinem Filmkonsum eine Staatsaffäre aus: Der deutsche SPD-Parlamentarier Sebastian Edathy. (31. Januar 2013) Bild: Keystone

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154 Personen mit Wohnsitz in der Schweiz haben 306 verschiedene Filme beim kanadischen Kinderporno-Vertrieb Azov bestellt. Dies bestätigt das Bundesamt für Polizei (Fedpol) gegenüber der «SonntagsZeitung». Dabei handelt es sich um DVDs und Internet-Downloads. Rund zehn Prozent der Azov-Kunden waren den Behörden im Zusammenhang mit Kinderpornographie bekannt, wie Recherchen der Zeitung ergeben.

Aufgeflogen sind die Personen mit Schweizer Wohnsitz durch die internationale Polizeioperation «Spade» (Spaten). Der bekannteste Fang von «Spade»: der deutsche SPD-Parlamentarier Sebastian Edathy. Die Bundeskriminalpolizei untersuchte die in der Schweiz bestellten Azov-Filme. Sie zeigen 10- bis 16-jährige Buben, die nackt spielen.

Kinderschützer sehen Handlungsbedarf

In der Schweiz ist solches Material legal. «Die Filme zeigten weder sexuelle Handlungen noch war eine Fokussierung auf Geschlechtsteile der Jungen feststellbar», sagt Danièle Bersier, Sprecherin beim Bundesamt für Polizei (Fedpol). «Wir haben die Informationen deshalb nicht an die kantonalen Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet.»

Diese Rechtslücke sorgt bei Politikern und Kinderschützern für Unverständnis. Sie fordern, den Kauf und Verkauf von Videos mit nackten Minderjährigen unter Strafe zu stellen. Martin Boess von der Schweizerischen Kriminalprävention: «Wer solche Bilder kauft, tut dies ausschliesslich, um sich sexuell zu befriedigen.» (rbi)

Erstellt: 23.02.2014, 11:41 Uhr

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