Auf dieser Jacht segelt Greta Thunberg über den Atlantik

Kein WC, keine Dusche und schlechtes Wetter: Die Klimaaktivistin muss sich auf zwei harte und gefährliche Wochen auf See einstellen.

Lässt sich auf ein riskantes Abenteuer ein: Greta Thunberg bei einer Testfahrt auf der Malizia II. Foto: Twitter/Greta Thunberg

Lässt sich auf ein riskantes Abenteuer ein: Greta Thunberg bei einer Testfahrt auf der Malizia II. Foto: Twitter/Greta Thunberg

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Fliegen will sie nicht wegen der hohen Treibhausgas-Emissionen. Auch ein Kreuzfahrtschiff kommt aufgrund der starken Umweltverschmutzung nicht infrage. Nun reist die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg mit einer Segeljacht nach New York, wo am 23. September der Weltklimagipfel stattfindet.

Thunberg hat eigenen Aussagen zufolge lange nach einer CO2-neutralen Mitfahrgelegenheit gesucht. Die Wahl ist auf die Malizia II gefallen, die Solarzellen und Unterwasserturbinen zur Stromerzeugung nutzt. Das gut 18 Meter lange Boot ist ein Hightech-Renner, gebaut für professionelle Regatten. Mit einem Rumpf aus leichtem Karbon ist es leicht und superschnell und erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 25 Knoten, was ungefähr 46 Kilometern pro Stunde entspricht.

Dafür bietet die Jacht keinen Komfort. Unter Deck ist wenig Platz. Bei höheren Geschwindigkeiten kann es dort ohrenbetäubend laut werden, bei Sturm auch ruppig. Thunberg wird es nicht leicht haben, in den zwei engen Rohrkojen Schlaf zu finden. Kabinen gibt es keine.

Auch auf andere Annehmlichkeiten des Alltags muss die 16-Jährige verzichten: Duschen oder sanitäre Anlagen sucht man auf der Jacht vergeblich. Die Kleider werden zwei Wochen nicht gewechselt, das Geschäft wird in einem kleinen Kübel an Deck erledigt. Privatsphäre? Fehlanzeige. Zudem gibt es keine Klimaanlage oder Heizung, keine Küche und keinen Kühlschrank. Gegessen wird Gefriergetrocknetes und Vakuumverpacktes.

Lässt sich das Schiff zeigen, auf dem sie nach New York segeln will: Greta Thunberg geht zum ersten Mal an Bord der Malizia II. Video: BBC

Die Klimaaktivistin ist noch nie zuvor gesegelt – ein krasserer Einstieg als der Transatlantik-Törn ist kaum vorstellbar. «Ich werde mich wahrscheinlich etwas seekrank fühlen und es wird sicher nicht komfortabel. Aber damit kann ich leben», sagte Thunberg gegenüber der BBC.

14 Tage wird sie voraussichtlich unterwegs sein. Heute soll es im südenglischen Plymouth losgehen. Der genaue Startzeitpunkt hängt vom Wetter ab – und die Prognosen sind derzeit nicht optimal. Für Mittwochmittag sagen Experten und führende Wetter-Apps eine Front vorher, die etwa 33 Knoten bringen wird. Am späten Nachmittag dürfte eine leichte Windberuhigung eintreten, bevor eine weitere Front durchkommt. Diese Lücke könnte Skipper Boris Herrmann zur Abfahrt nutzen.

Der deutsche Segelprofi Herrmann ist einer von fünf Passagieren an Bord. Zusammen mit seinem Co-Skipper und Förderer Pierre Casiraghi, dem Sohn von Prinzessin Caroline von Monaco, wird er die Jacht lenken. Hinzu kommen Greta Thunberg, ihr Vater Svante und der Filmemacher Nathan Grossman, der die Reise über den grossen Teich dokumentieren will.

Herrmann hat schon drei Weltumsegelungen mit Profi-Crews absolviert und mehr als eine Viertelmillion Seemeilen Erfahrung. Trotzdem sagte er zur BBC: «Der Trip über den Nordatlantik ist sogar schwierig für mich.» Segler reisen im August selten über den Atlantik, weil Hurrikangefahr besteht. Den Kurs kann Herrmann deshalb erst kurz vor dem Start genauer festlegen. Und während der Passage muss er flexibel bleiben.

Erklärt seinen Gästen das Schiff: Skipper Boris Herrmann mit Thunberg und ihrem Vater. Foto: Reuters

Der Skipper hat Thunberg und ihren Vater in den letzten Tagen intensiv auf die Reise vorbereitet. Auf Facebook veröffentlichte er ein Video, das zeigt, wie er seinen Gästen die Rolle des Wetters bei der Überfahrt des Atlantiks erklärt.

Die Klimaaktivistin ist sich bewusst, dass die Überquerung nicht ungefährlich ist. «Wenn etwas schiefgeht und die Umstände verlangen, dass wir umdrehen, dann werden wir umdrehen», sagte die 16-jährige dem «Spiegel». Auch den Einsatz eines Dieselmotors an Bord schliesst Thunberg nicht aus, falls es zu einer gefährlichen Situation auf hoher See kommen sollte. Sie hofft aber, dass sie die Reise komplett klimaneutral bestreiten kann.

Erstellt: 14.08.2019, 13:59 Uhr

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Haben wir Grund zur Panik?

Der Einfluss des Menschen auf den Klimawandel ist für die überwiegende Mehrzahl der Wissenschaftler eine unbestreitbare Tatsache. Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hält die Lage für so gefährlich, dass sie sagt: «Ich will, dass ihr in Panik geratet.»

Die grösste Partei der Schweiz, rechtskonservative Kräfte in Europa und der amerikanische Präsident erheben hingegen den Vorwurf, mit den steigenden Temperaturen würden irrationale Ängste geschürt und politische Propaganda betrieben.

Wie schlimm ist die Lage wirklich? Was ist zu tun? Welche Schweizer Partei hat die besten Konzepte, um den Klimawandel einzudämmen? Und sind die Streiks der Klimajugend das richtige Mittel?

Über diese und andere Fragen diskutieren:

Petra Gössi, Präsidentin der FDP Schweiz

Marcel Hänggi, Wissenschaftsjournalist, Sachbuchautor und Mitinitiant der Gletscherinitiative

Rahel Ganarin, Geografin und Aktivistin der Klimastreik-Bewegung

Christian Imark, Nationalrat der SVP aus dem Kanton Solothurn

Moderation
Sandro Benini, Redaktor Meinungen und Debatte, Tages-Anzeiger

Mittwoch, 28. August 2019, Kaufleuten Klubsaal, Pelikanplatz, Zürich, Einlass 19.00, Beginn 20.00 Uhr.

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