Über 60 Tote bei Massenpanik in der Elfenbeinküste

Der diesjährige Jahreswechsel brachte in mehreren Ländern grosses Unglück: An der Elfenbeinküste starben mindestens 60 Menschen bei einem Gedränge, über 200 weitere Personen wurden verletzt.

Nach dem Unglück: Abgerissene Kleider liegen auf den Strassen von Abidjan. (1. Januar 2013)

Nach dem Unglück: Abgerissene Kleider liegen auf den Strassen von Abidjan. (1. Januar 2013) Bild: AFP

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Bei einer Massenpanik an Silvester sind in der Elfenbeinküste mindestens 61 Menschen ums Leben gekommen. Über 200 weitere seien bei dem Vorfall in der Metropole Abidjan verletzt worden, teilten die Rettungskräfte heute weiter mit. Der Jugendminister Alain Lobognon hingegen bezifferte die Zahl der Toten auf 60. Darunter seien 26 Kinder und 28 Frauen, teilte er über den Kurznachrichtendienst Twitter im Internet mit.

Das Unglück ereignete sich heute am frühen Morgen gegen 2 Uhr am Eingang eines Stadions in Abidjan, wo die Menge mit Feuerwerken und einem Konzert Silvester feierte. Der britische Rundfunksender BBC zitierte Medienberichte, nach denen Tausende versuchten, das Stadion zu verlassen, während andere ins Innere strömten. «Die Leute liefen übereinander und einige wurden von der Menge erdrückt», sagte der Leiter des militärischen Sanitätsdiensts, Oberstleutnant Issa Sako, im Fernsehen.

Die Überlebenden wurden in mindestens zwei Krankenhäuser gebracht. Einige hätten lebensgefährliche Verletzungen erlitten, berichtete die BBC. Präsident Alassane Ouattara besuchte demnach einige der Opfer und sagte zu, dass die Regierung für ihre Behandlungskosten aufkomme. In den frühen Morgenstunden kamen zahlreiche Menschen an den Unglücksort, in die Leichenhalle der Stadt und in die Kliniken, um nach ihren Angehörigen zu suchen. «Ich habe die ganzen Leichen gesehen, aber ich kann meinen Sohn nicht finden», sagte Mamadou Sanogo, der nach dem neunjährigen Sayed suchte. «Ich weiss nicht, was ich tun soll.»

Mehr als 400 Verletzte auf den Philippinen

Bei Neujahrsfeierlichkeiten auf den Philippinen sind mehr als 400 Menschen verletzt worden, ein kleines Mädchen möglicherweise sogar tödlich. Die Siebenjährige sei in einem Vorort der Hauptstadt Manila während des Silvester-Trubels von einer herumfliegenden Gewehr- oder Pistolenkugel getroffen worden, teilte die Gesundheitsbehörde am Dienstag mit. «Die Kugel steckt noch in ihrem Kopf», sagte ein Regierungsvertreter. «Es steht zu befürchten, dass sie es nicht überlebt.» In der Stadt Mandalujong soll zudem ein weiteres Kind durch ein verirrtes Geschoss getötet worden sein, allerdings liegen den Behörden noch keine Details zu dem berichteten Unglück vor.

Neben den beiden Kindern wurden landesweit nach offiziellen Angaben mindestens sechs weitere Menschen durch Freudenfeuer während der Silvesternacht verletzt. Die Gesamtzahl von 413 Verletzten stelle im Vergleich zum Vorjahr aber einen statistischen Rückgang um 17 Prozent dar. Viele Filipinos glauben daran, dass lärmende Neujahrsfeste Unglück und Böses vertreiben - und greifen deshalb zu grossen Feuerwerkskörpern und Schusswaffen, ohne dass sie die Warnung vor Festnahmen davon abhalten könnten.

Niederlanden: Auto fährt in feiernde Gesellschaft

Ein Drama spielte sich auch im niederländischen Dorft Raard ab: 17 Menschen wurden verletzt, als ein Auto in eine Menschengruppe an einem Neujahrsfeuer raste. Drei Zuschauer erlitten schwere Verletzungen, wie die Polizei am Neujahrstag mitteilte. Die Ursache des Unglücks sei noch unklar. Die 42-jährige Autofahrerin hatte nach Angaben der Polizei keinen Alkohol getrunken.

Gegen ein Uhr nachts standen rund 40 Menschen um das Feuer in dem friesischen Dorf, als das Auto mit einer Geschwindigkeit von etwa 60 Stundenkilometern in die Menge raste. Die Verletzten, unter ihnen ein Kind, wurden mit Rettungshelikoptern und Krankenwagen in die umliegenden Spitäler gebracht.

Rakete mitten im Gesicht

In Italien wurde das Abbrennen von Feuerwerk zahlreichen Menschen zum Verhängnis: In Pontelatone nördlich von Neapel wurde ein 52-Jähriger bei der Explosion eines Böllers getötet. Ein 49-Jähriger kam in der Provinz Benevento südlich von Neapel ums Leben, nachdem eine Rakete ihn mitten ins Gesicht traf.

Allein in der Region um Neapel wurden 82 Menschen verletzt, darunter zwölf Minderjährige. Mehrere Menschen wurden in ganz Italien von Querschlägern getroffen. In Rom wurden 30 Menschen verletzt, zehn davon schwer. Vier Personen musste die Hand amputiert werden, wie italienische Medien am Neujahrstag berichteten.

Obwohl die Behörden in den vergangenen Tagen in allen Medien eindringliche Aufrufe zur Vorsicht verbreitet hatten, veranstalteten die meisten italienischen Familien wie in jedem Jahr ein ohrenbetäubendes Feuerwerk, bei dem auch mit Pistolen und Gewehren geschossen wurde.

Schwarzmarkt floriert

Neapel gilt als Hauptstadt der Silvesterböller. Kurz vor Jahreswechsel floriert im Grossraum der Vesuvstadt traditionell der Schwarzmarkt mit illegalen Knallern, die oft grosse Mengen Pulver enthalten und gegen die Sicherheitsbestimmungen verstossen.

Die italienischen Behörden führen schon seit Jahren Kampagnen gegen illegale Böller. Seit 2008 sind bei Unfällen mit Knallkörpern sieben Personen gestorben und Tausende Menschen verletzt worden.

(mrs/sda)

Erstellt: 01.01.2013, 11:41 Uhr

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